Start Hannover und Region Schutz beginnt im Netz: LKA Niedersachsen stärkt Prävention für junge Menschen

Schutz beginnt im Netz: LKA Niedersachsen stärkt Prävention für junge Menschen

Grafik Digitales Schloss
Symbolbild: Grafik Digitales Schloss - Quelle: Pixabay

Neue Expertengruppe gegen Radikalisierung und digitale Gefährdungen

Hannover (pm/redk). Das Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen reagiert auf wachsende Gefahren für Kinder und Jugendliche im Internet und hat eine interdisziplinäre Expertengruppe mit dem Titel „Deradikalisierung & Prävention für Kinder und Jugendliche im digitalen Raum“ eingerichtet. Ziel ist es, junge Menschen besser vor Radikalisierungstendenzen und weiteren digitalen Risiken zu schützen sowie bestehende Präventionsansätze strategisch zu bündeln und weiterzuentwickeln.

„Radikalisierungsprozesse beginnen heute oft im digitalen Raum – in Chats, Streams oder Games, lange bevor das Umfeld etwas bemerkt“, erklärt LKA-Präsident Thorsten Massinger. „Gleichzeitig sind Kinder und Jugendliche dort einer Vielzahl von Gefährdungen ausgesetzt. Unser erklärtes Ziel ist es, jungen Menschen, die aufgrund ihrer Entwicklung noch leicht beeinflussbar sind, wirksamen Schutz und Unterstützung anzubieten.“

Radikalisierung verlagert sich ins Digitale

Nach Erkenntnissen des LKA verlagern sich Radikalisierungsprozesse zunehmend von der analogen in die digitale Welt. Soziale Netzwerke, Messenger-Dienste, Video- und Gaming-Plattformen bieten einen schnellen und scheinbar harmlosen Zugang zu extremistischen Inhalten, Narrativen und Akteurinnen sowie Akteuren. Rekrutierung, Ideologisierung und Vernetzung erfolgen dabei häufig verdeckt – etwa über geschlossene Gruppen oder spielerisch verpackte Inhalte.

Vielfältige Gefahren für Kinder und Jugendliche

Neben extremistischen Einflüssen sind junge Menschen im Netz weiteren Risiken ausgesetzt. Dazu zählen unter anderem Cybergrooming und sexualisierte Gewalt, Cybermobbing und digitale Gewalt wie Bedrohungen oder Erpressung, die Konfrontation mit Hassrede und menschenfeindlichen Inhalten sowie problematische Online-Challenges und riskantes Online-Verhalten.

Diese Phänomene greifen häufig ineinander: Erfahrungen mit Ausgrenzung, Mobbing oder Hasskommunikation können Radikalisierungsprozesse begünstigen und den Rückzug in extremistisch geprägte Online-Communities fördern. Umgekehrt nutzen extremistische Akteurinnen und Akteure oftmals dieselben Plattformen und Mechanismen wie Täterinnen und Täter im Bereich Cybermobbing oder Cybergrooming.

Bündelung von Expertise im LKA Niedersachsen

Das LKA Niedersachsen bringt in der neuen Expertengruppe umfassende Fachkompetenzen zusammen. Beteiligt sind unter anderem die Präventionsstelle Politisch Motivierte Kriminalität, die Zentralstelle zur polizeilichen Bekämpfung der Hasskriminalität im Internet, die Zentralstelle Jugendsachen, der Fachbereich Cyberprävention, die Kriminologische Forschungsstelle sowie der Social-Media-Bereich des LKA.

Die Schwerpunkte der Expertengruppe liegen in der Analyse und Forschung zu Radikalisierung und Gefährdungen im Netz, der Entwicklung digitaler Präventions- und Aufklärungsangebote, der Deradikalisierung und Beratung sowie im Ausbau von Kooperationen.

Ganzheitlicher Ansatz für Prävention

Neben der direkten Ansprache von Kindern und Jugendlichen möchte das LKA auch Eltern und weitere Bezugspersonen stärken. Zentrale Fragen sind dabei, über welche Wege junge Menschen erreicht werden können und wie nachhaltige Präventionsarbeit im digitalen Raum gestaltet werden muss.

„Wir wollen Kinder und Jugendliche nicht aus dem Internet aussperren – wir wollen sie darin stark machen“, betont LKA-Präsident Massinger. „Wer die Mechanismen von Manipulation, Hassrede und Propaganda versteht, kann sich besser schützen. Das kann nur gesamtgesellschaftlich gelingen.“

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