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Alltagsmenschen in Bad Nenndorf: Kunst, die berührt und den Alltag neu sehen lässt

LaGa Bad Nenndorf: Alltagsmenschen "Die Liegende"
Alltagsmenschen "Die LIegende". - Quelle: LaGa / Foto: Andrea Göttling, LaGa GgmbH / Collage: Künstlergemeinschaft Lechnerhof

Über 40 Skulpturen bereichern Landesgartenschau 2026 und Innenstadt als offene Kunstgalerie

Bad Nenndorf (pm/redk). Groß, knubbelig und voller Charakter: Mit den „Alltagsmenschen“ zieht vom 30. März bis 31. Oktober 2026 eine der bekanntesten Freiluftausstellungen Deutschlands nach Bad Nenndorf. Die überlebensgroßen Betonskulpturen der Künstlerinnen Laura Lechner und Christel Lechner sind europaweit bekannt und werden im Rahmen der Landesgartenschau 2026 sowohl das Veranstaltungsgelände als auch die Innenstadt beleben. Besucherinnen und Besucher dürfen sich auf Kunst im öffentlichen Raum freuen, die zum Innehalten, Schmunzeln und Wiedererkennen einlädt.

Mehr als 40 Skulpturen an 13 Standorten

Insgesamt mehr als 40 Skulpturen sind an 13 Standorten im Stadtgebiet und auf dem Gelände der Landesgartenschau zu entdecken. In der Innenstadt stehen die Alltagsmenschen unter anderem am Haus Kassel, am Hotel Hannover, am Stadtbrunnen sowie an weiteren zentralen Orten. Auf dem Gelände der Landesgartenschau verteilen sich die Figuren über den gesamten Kurpark – von der Bubikopfallee über den Sonnengarten bis hin zum Musikpavillon und dem Fontänenfeld.

Der Aufbau der Motivgruppen beginnt am Mittwoch, 25. März 2026, und wird mehrere Tage in Anspruch nehmen. Installiert werden Paare, Gruppen und Einzelfiguren, teilweise mit tierischer Begleitung. Schon kurz nach dem Aufbau dürften die neuen „Mitbürger“ zum vertrauten Teil des Stadtbildes werden.

Standorte der Alltagsmenschen im Überblick

Innenstadt

  • Haus Kassel: „Großes Paar“
  • Hotel Hannover: „Putzfrauen“
  • Stadtbrunnen: „Die Duscher“
  • Innenstadt: „Opas auf der Bank“

Landesgartenschau

  • „Parkgespräch“
  • „Amerikanisches Paar“
  • Bubikopfallee: „Ernst des Lebens“
  • Liegehalle/Naturteich: „Paul, der Schwimmreifenmann“
  • „Die Sitzenden“
  • Sonnengarten: „Die Nonnen“
  • Sonnengarten: „Die Liegende“
  • Musikpavillon: „Mädelsabend“
  • Fontänenfeld: Tischinstallation

Kunst zum Entdecken im öffentlichen Raum

Für weiterführende Informationen ist auf den Stahlplatten jeder Skulptur ein QR-Code angebracht. Zusätzlich begleitet der Hashtag #AlltagsmenschenBadNenndorf die Ausstellung in den sozialen Medien. Als Open-Air-Kunstgalerie lädt sie dazu ein, alltägliche Szenen bewusst wahrzunehmen und den Blick für zwischenmenschliche Nähe zu schärfen.

Die Alltagsmenschen entstehen im Atelier der Künstlerinnen auf dem Lechnerhof in Witten. Seit den 1990er Jahren ist der gelebte Alltag die zentrale Inspirationsquelle der Arbeiten. Bereits mit den frühen Figuren „Herr und Frau Bornemann“ begründete Christel Lechner den unverwechselbaren Stil, der das „perfekt Unperfekte“ in den Mittelpunkt stellt.

Handwerk, Geduld und künstlerische Handschrift

Jede Skulptur entsteht in einem mehrstufigen Prozess in reiner Handarbeit. Von der ersten Idee bis zur Fertigstellung vergehen sechs bis neun Monate. Beton wird auf ein Trägermaterial aufgetragen, um Proportionen und Körperhaltung möglichst lebensnah abzubilden. Reduzierte Gesichtszüge verleihen jeder Figur ihren eigenen Charakter, eine individuell abgestimmte Farbgebung bildet den Abschluss.

Die Ausstellung ist nicht nur ein künstlerischer Höhepunkt der Landesgartenschau Bad Nenndorf 2026, sondern auch ein verbindendes Element zwischen Innenstadt und Kurpark. Sie macht Kunst niedrigschwellig erlebbar und stärkt die Wahrnehmung Bad Nenndorfs als lebendigen Kultur- und Begegnungsort.

Die Künstlerinnen

Laura Lechner: Bildhafte Konzeption und zeitgenössische Formensprache

Laura Lechner, Baukeramikerin und Meisterschülerin, leitet seit 2017 das Atelier auf dem Lechnerhof in Witten. Sie prägt seither maßgeblich die Form- und Ausdruckssprache der Alltagsmenschen. In ihrer Arbeit konzipiert sie die Skulpturengruppen bildhaft und entwickelt Szenen, die zwischenmenschliche Nähe, Gemeinschaft und alltägliche Rituale thematisieren. Gemeinsam mit ihrer Mutter projiziert sie gesellschaftliche Gemeinsamkeiten auf scheinbar beiläufige Situationen und verleiht den Figuren eine klare erzählerische Dimension.

„Mich interessiert das, was die Menschen verbindet. Mit den Alltagsmenschen lenken wir den Blick auf die zwischenmenschliche Nähe, auf das Gegenwärtige, auf das Besondere im Alltäglichen. Wir wünschen uns, dass die Skulpturen ein Gefühl der Verbundenheit erzeugen.“

Christel Lechner: Ursprung, Intuition und das „perfekt Unperfekte“

Christel Lechner, Keramikmeisterin, entwirft seit 1988 lebensgroße Betonskulpturen, die europaweit ausgestellt werden. Ihre Inspiration sind die Menschen selbst – jene, denen man im Alltag begegnet. Bereits in den 1990er Jahren schuf sie mit „Herrn und Frau Bornemann“ die ersten Alltagsmenschen aus Beton. Die Darstellung des „perfekt Unperfekten“ verleiht den Figuren ihre besondere Authentizität. Diese intuitive, respektvolle Annäherung an den Menschen bildet bis heute den Kern ihrer Arbeit und wird durch die Bildsprache ihrer Tochter weiterentwickelt.

„Gelebtes Leben ist für mich die menschlichste Form der Schönheit. Ich möchte die Menschen in ihrem Alltag abholen, sie unmittelbar erreichen: Emotionen wecken, innehalten, vielleicht auch sich selbst wiederfinden lassen. So kann man sich etwa mit einer Skulptur unter der Dusche identifizieren: Es ist eine Alltagssituation, gewissermaßen ein Spiegel, aber dennoch eine sehr respektvolle Betrachtung und Annäherung. Und an dieser Stelle kommen wir dem Kern unserer Arbeit ganz nah, der die Menschen respektiert und schätzt. Dabei ist meine Arbeit oftmals ganz intuitiv verständlich.“

Ausstellung mit Wirkung für Stadt und Region

Mit den Alltagsmenschen erhält die Landesgartenschau Bad Nenndorf 2026 eine künstlerische Ergänzung, die weit über das Ausstellungsgelände hinaus wirkt. Die Skulpturen verbinden Innenstadt und Kurpark, Kunst und Alltag, Besuchende und Einheimische – und machen Bad Nenndorf für mehrere Monate zu einer Bühne des ganz normalen Lebens.

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