
Innenministerin Behrens informiert sich in Hannover über moderne Ermittlungen gegen digitale Täter
Hannover. Cyberkriminalität stellt Niedersachsen weiterhin vor große Herausforderungen. Im Jahr 2025 wurden im Land 30.702 Straftaten im Bereich Cybercrime registriert. Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens informierte sich am Donnerstag, 30.07.2026, bei den Cybercrime-Dienststellen des Landeskriminalamts Niedersachsen und der Polizeidirektion Hannover über aktuelle Entwicklungen, Ermittlungsverfahren und neue Herausforderungen durch technische Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz.
Digitale Straftaten bewegen sich in Niedersachsen damit weiterhin auf einem konstant hohen Niveau. Die Ermittlungsbehörden sehen sich dabei zunehmend komplexen Angriffen gegenüber, die durch geopolitische Spannungen, neue technische Möglichkeiten und professionell organisierte Täterstrukturen geprägt sind.
„Angesichts der wachsenden Herausforderungen und konstant hohen Fallzahlen von Cyberkriminalität stärken wir die Ermittlungskompetenzen in diesem wichtigen Bereich kontinuierlich“, sagt Innenministerin Daniela Behrens.
Mehr als 30.000 Cybercrime-Fälle im Jahr 2025
Unter Cyberkriminalität werden verschiedene Straftaten zusammengefasst, bei denen digitale Systeme oder Daten eine zentrale Rolle spielen. Dazu zählen unter anderem das Ausspähen und Abfangen von Daten, Computerbetrug, Datenveränderung und Computersabotage.
Seit 2024 werden zusätzlich Fälle erfasst, bei denen der Tatort nicht eindeutig festgestellt werden kann oder die Tat aus dem Ausland erfolgt. Dadurch bildet die Statistik die tatsächliche Belastung für Betroffene und Ermittlungsbehörden umfassender ab.
Von den insgesamt 30.702 registrierten Fällen entfielen 13.392 auf Inlandstaten. Das entspricht einem Anstieg von 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr und dem höchsten Stand der vergangenen fünf Jahre. Bei den erfassten Auslandstaten wurden 17.310 Fälle registriert.
Computerbetrug verursacht Millionenschäden
Den größten Anteil der Cybercrime-Fälle macht weiterhin der Computerbetrug aus. 2025 wurden 20.436 Fälle gezählt – etwa zwei Drittel aller registrierten Delikte. Der entstandene Gesamtschaden beträgt rund 26 Millionen Euro.
Ein Schwerpunkt liegt beim Missbrauch von gestohlenen Onlinebanking-Zugangsdaten. Allein in diesem Bereich wurden 2.257 Fälle mit einem Schaden von 13,5 Millionen Euro erfasst. Täter gelangen häufig über gefälschte Internetseiten oder betrügerische Nachrichten an sensible Zugangsdaten.
Ein Ermittlungsverfahren der Polizeidirektion Hannover zeigt, wie professionell solche Tätergruppen inzwischen arbeiten. Ermittler konnten gemeinsam mit der spezialisierten Staatsanwaltschaft Verden international agierende Betrügerstrukturen aufdecken.
Ransomware und politische Cyberangriffe bleiben Herausforderung
Auch Erpressungstrojaner, sogenannte Ransomware-Angriffe, beschäftigen die Sicherheitsbehörden. Dabei verschlüsseln Täter mithilfe von Schadprogrammen Daten oder legen ganze IT-Systeme lahm und fordern anschließend Lösegeld.
2025 wurden in Niedersachsen 67 Ransomware-Angriffe registriert. Der entstandene Schaden lag bei rund 1,4 Millionen Euro. Zunehmend setzen Täter auf eine doppelte Erpressung und drohen zusätzlich mit der Veröffentlichung gestohlener Daten.
Daneben wurden 16 sogenannte DDoS-Angriffe registriert. Bei diesen Überlastungsangriffen werden IT-Systeme durch eine große Anzahl künstlicher Anfragen gezielt gestört. Neun dieser Fälle wurden der Gruppe „Noname057(16)“ zugerechnet. Bei solchen Angriffen wird häufig eine politische Motivation vermutet.
Polizei baut Cyberkompetenz weiter aus
Die Zentrale Ansprechstelle Cybercrime (ZAC) beim Landeskriminalamt Niedersachsen unterstützt Unternehmen, Behörden und Verbände bei Prävention und nach Cyberangriffen. Auch verdächtige E-Mails können dort zur Prüfung eingereicht werden.
Die Zahl der Hinweise auf Cybercrime-Vorfälle steigt weiter: Seit 2022 erhöhte sich das Hinweisaufkommen von 327 auf inzwischen 610 Fälle.
„Wie unser Leben insgesamt verlagert sich auch die Kriminalität immer stärker in den digitalen Raum und richtet dort große Schäden an. Die Schadenssumme aller Straftaten, bei denen das Internet als Tatmittel genutzt wurde, lag im Jahr 2025 bei 217,5 Millionen Euro. Die Anforderungen an Ermittlungen am ‚Tatort Internet‘ sind durch die Möglichkeiten des Einsatzes neuer digitaler Werkzeuge bis hin zur KI auf Seiten der Angreifer dabei deutlich größer geworden. Für die Ermittlungsbehörden wird es in einer geopolitisch komplizierten Gemengelage zunehmend schwerer, rein finanziell motivierte Cyberkriminalität und staatlich gesteuerte oder politisch motivierte Angriffe wie Cyberspionage, Cybersabotage und Hacktivismus voneinander zu unterscheiden“, erklärt Behrens.
Um die Ermittlungsfähigkeit weiter auszubauen, sollen zusätzliche Spezialistinnen und Spezialisten eingestellt werden. Im laufenden Jahr sind 20 neue Fachkräfte für die Bereiche „Internet of Things“ (IoT) und „Automotive IT“ (AIT) vorgesehen. 2027 sollen weitere Experten für die Cyberforensik folgen.
Ermittler zeigen Beispiel aus Hannover
Bei ihrem Besuch wurde unter anderem eine Simulation eines Cyberangriffs auf eine niedersächsische Biogasanlage vorgestellt. Hintergrund war eine Computersabotage durch eine pro-russische Hacktivisten-Gruppe, bei der ein Schaden von fast 36.000 Euro entstand.
Außerdem präsentierte die Polizeidirektion Hannover ein Verfahren gegen eine international agierende Tätergruppe. Seit 2023 ermittelten die Behörden gegen Personen, die illegal erlangte Onlinebanking-Zugangsdaten über das Internet weiterverkauften.
Die Täter nutzten unter anderem gefälschte Online-Shops, um an Daten von Betroffenen zu gelangen. Für die Ermittlungen waren internationale Kooperationen mit Europol sowie Behörden aus mehreren europäischen Ländern und Singapur notwendig.
„Ich konnte mir heute beispielhaft an einem Ermittlungsverfahren der Polizeidirektion Hannover ein Bild von der professionellen und internationalen Tatausführung von Cyberkriminellen machen, die nach dem ´Crime as a Service´ Modell gearbeitet haben. Es ist ein starkes Zeichen, dass unsere Ermittlungsbehörden es immer wieder schaffen, international agierende Tätergruppierungen aufzubrechen, kriminelle Infrastrukturen zu zerstören und bei den Tätern Vermögensarreste zu vollstrecken. Ich bedanke mich bei allen Beteiligten für das große Engagement im Kampf gegen Cyberkriminalität“, sagt Behrens.
Wichtige Informationen gibt es hier: https://www.zac-niedersachsen.de/videos.php









