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Herrenhäuser Gärten reagieren auf Hitze und Trockenheit

Bewaesserung Parterre - Herrenhäuser Gärten
Bewaesserung Parterre. - Quelle: Stadt Hannover / Foto: Rosi Radecke

Moderne Bewässerung, angepasste Pflege und Schutz für Beschäftigte

Hannover. Hohe Temperaturen und längere Trockenperioden setzen den Herrenhäuser Gärten in Hannover zunehmend zu. Die historische Gartenanlage reagiert mit einer angepassten Pflanzenpflege, moderner Bewässerungstechnik und Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten vor der Hitze.

Wasser gezielt an die Wurzeln bringen

Eine wichtige Rolle spielen dabei sogenannte Schwitz- und Tröpfchenschläuche. Sie geben Wasser langsam und gezielt direkt im Wurzelbereich der Pflanzen ab. Dadurch lässt sich der Wasserverbrauch reduzieren, während die Feuchtigkeit dort ankommt, wo sie benötigt wird.

Die Umrüstung der Bewässerung erfolgt schrittweise, da die Installation der neuen Technik aufwendig ist. Zusätzlich verwenden die Gärtnerinnen und Gärtner weiterhin Wassersprenger und Gartenschläuche, um beispielsweise Schmuckbeete, Stauden, Kübelpflanzen und Teile der Rasenflächen zu versorgen.

Wann und wie viel Wasser benötigt wird, entscheiden die Beschäftigten anhand der jeweiligen Bedingungen und ihrer gärtnerischen Erfahrung.

Wasser kommt aus Leine und Zisternen

Die Herrenhäuser Gärten beziehen einen Teil ihres Bewässerungswassers aus der nahe gelegenen Leine. Eine Filteranlage am Werkhof des Großen Gartens bereitet das Wasser für die weitere Nutzung auf.

Direkt vor Ort stehen außerdem Zisternen zur Verfügung, die Niederschlagswasser sammeln. Dieses Wasser wird vor allem für die Pflanzen unter Glas verwendet. Bei längeren Trockenperioden sind die Vorräte allerdings begrenzt.

In diesem Jahr waren die Zisternen laut Hans-Karl von Bodecker, Betriebsleiter der Herrenhäuser Gärten, durch ergiebige Gewittergüsse bislang gut gefüllt.

Prof. Dr. Anke Seegert, Direktorin der Herrenhäuser Gärten, erklärt: „Wir haben nah am Wasser gebaut, wie jeder historische Garten. Schon im Jahr 1700 hat Georg I. Rechte verbrieft, sodass Wasser aus der Leine entnommen werden darf.“

Bewässerung wird an Hitze angepasst

Bei hohen Temperaturen müssen die Gärten auch die Zeiten für die Bewässerung berücksichtigen. Nach den Vorgaben der Region Hannover dürfen Beregnungsanlagen und Rasensprenger ab 27 Grad Celsius zwischen 11 und 17 Uhr nicht betrieben werden.

Deshalb wird möglichst in den frühen Morgenstunden bewässert. Gleichzeitig werden bestehende Anlagen zunehmend automatisiert und modernisiert.

Die bodennah eingesetzten Tröpfchen- und Schwitzschläuche haben dabei einen weiteren Vorteil: Weil das Wasser direkt am Boden abgegeben wird, verdunstet vergleichsweise wenig. Auch Mulch in den Schmuckbeeten hilft, die Feuchtigkeit länger im Boden zu halten und gleichzeitig das Wachstum von Unkraut einzudämmen.

Im Berggarten müssen die Beschäftigten zudem die Wasserstände der vorhandenen Wasserläufe und Teiche regulieren.

Trockenheit setzt Gehölzen zu

Die Folgen der anhaltenden Hitze und Trockenheit sind in den Herrenhäuser Gärten bereits sichtbar. Besonders betroffen sind flach wurzelnde Gehölze, deren Wurzeln bei sinkendem Grundwasserspiegel den Anschluss an das Wasser verlieren können.

„Wenn sie den Anschluss zum fallenden Grundwasserspiegel verlieren, sind sie strapaziert. Langfristig werden es einige Gattungen – zum Beispiel Birken – schwer haben und könnten ausfallen“, erklärt Hans-Karl von Bodecker. „Das heißt jedoch nicht, dass wir keine Birken mehr sehen werden. Geschützt stehende Exemplare mit hohem Grundwasserstand und beschatteten Standorten werden überdauern und uns erhalten bleiben.“

Blattwelke und vorzeitiger Laubfall zeigen ebenfalls, wie stark die Pflanzen unter dem Trockenstress leiden. Nach Einschätzung der Herrenhäuser Gärten kann das Erscheinungsbild teilweise bereits an einen ungewöhnlich frühen Herbst erinnern.

Auch Rhododendren leiden unter den aktuellen Bedingungen. Neben dem fehlenden Wasser macht ihnen insbesondere die geringere Luftfeuchtigkeit zu schaffen.

Arbeitszeiten werden an die Hitze angepasst

Nicht nur die Pflanzen, sondern auch die Beschäftigten müssen sich auf die hohen Temperaturen einstellen. Deshalb wurden die Arbeitsabläufe angepasst. Bei Bedarf können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereits ab 6 Uhr mit ihrer Arbeit beginnen und Tätigkeiten in die kühleren Morgenstunden verlegen.

Während ausgeprägter Hitzeperioden besteht zudem die Möglichkeit, Überstunden abzubauen, früher Feierabend zu machen oder Urlaub flexibel zu planen.

Bei der Arbeit werden möglichst schattige Bereiche bevorzugt. Den Beschäftigten stehen außerdem Kopfbedeckungen, Sonnencreme, Getränke, feuchte Handtücher und zusätzliche Trinkpausen zur Verfügung.

Für Arbeiten auf vollständig sonnigen Flächen gibt es ebenfalls praktische Lösungen: So wird Unkraut teilweise unter mobilen Pavillons entfernt. Alternativ werden entsprechende Arbeiten auf die frühen Morgenstunden verlegt.

Einordnung

Die Anpassungen zeigen, wie sich auch historische Gartenanlagen auf veränderte klimatische Bedingungen einstellen müssen. Neben einem möglichst sparsamen Umgang mit Wasser geht es darum, die Pflege so anzupassen, dass empfindliche Pflanzen geschützt und gleichzeitig die besonderen historischen Gartenstrukturen erhalten werden können.

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