Start Hannover und Region OnkoDog: Hannover erforscht Krebserkennung durch Hunde

OnkoDog: Hannover erforscht Krebserkennung durch Hunde

Spürhund an einer Geruchsprobenstation. KI-generiertes Symbolbild zur medizinischen Spürhundeforschung.
Symbolbild: Spürhund an einer Geruchsprobenstation. - LGHNews / KI-generiert

Zweijähriges Projekt untersucht Urinproben auf Hinweise auf drei Krebsarten

Hannover – (KI/redaktionell geprüft). Können trainierte Hunde Prostata-, Blasen- und Nierenkrebs anhand von Urinproben erkennen? Das untersucht das neue Forschungsprojekt „OnkoDog“ unter Beteiligung der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo). Die NBank fördert das auf zwei Jahre angelegte Vorhaben mit 290.000 Euro. Erprobt werden soll auch, ob sich das Verfahren für die betriebliche Gesundheitsvorsorge eignet.

Das Team um Sebastian Meller und Professor Holger Volk bildet dafür medizinische Spürhunde aus. Anschließend wird in verblindeten Tests untersucht, wie zuverlässig die Tiere zwischen den Proben unterscheiden können. Parallel analysieren die Forschenden die Geruchsprofile im Labor. Sie wollen damit besser verstehen, welche Bestandteile der Proben für die Reaktion der Hunde entscheidend sind.

Neben der TiHo sind zwei Unternehmen beteiligt: Die AWiAS Aviation Services GmbH bringt Erfahrung in der Ausbildung von Spürhunden ein. Sindojan Automotive ist als Technologieunternehmen mit Schwerpunkt Softwareentwicklung Teil des Projekts.

Veränderte Stoffwechselprozesse als Ansatzpunkt

Grundlage des Forschungsansatzes sind flüchtige organische Verbindungen, die bei Stoffwechselprozessen entstehen. Nach Darstellung der TiHo können Erkrankungen die Zusammensetzung dieser Stoffe verändern und dadurch charakteristische Geruchsmuster erzeugen. Trainierte Hunde sollen solche Muster auch in Proben von Menschen wiedererkennen, mit denen sie zuvor keinen Kontakt hatten.

Das Projekt knüpft an frühere Arbeiten der Klinik für Kleintiere an. Bereits 2020 untersuchte die TiHo, ob Hunde SARS-CoV-2-Infektionen anhand von Proben erkennen können. Diese Erfahrungen sollen nun für die Erforschung von Krebserkrankungen des Urogenitaltrakts genutzt werden.

„Unsere Erfahrungen aus der COVID-19-Forschung haben gezeigt, wie präzise Hunde Erkrankungen am Geruch erkennen können“, erklärt Meller. „Nun wollen wir herausfinden, ob sie auch in der Krebsfrüherkennung eine verlässliche Unterstützung sein können und der Medizin frühzeitig Hinweise liefern können, wo genauer hingeschaut werden sollte.“

Die Leistungsfähigkeit der Hunde bei den drei untersuchten Krebsarten ist damit Gegenstand der Forschung. Ergebnisse zur Zuverlässigkeit des neuen Verfahrens stehen noch aus.

Erprobung in einem Betrieb vorgesehen

Ein Schwerpunkt von OnkoDog liegt auf der betrieblichen Gesundheitsvorsorge. Die Projektpartner wollen prüfen, ob Unternehmen ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern künftig eine Untersuchung anbieten können, für die lediglich eine Urinprobe abgegeben werden muss. Die Hunde würden diese Proben anschließend auf auffällige Geruchsmuster untersuchen.

Ob sich ein solches Angebot im Arbeitsalltag umsetzen lässt, soll direkt in einem Betrieb unter realen Bedingungen erprobt werden. Dafür ist eine eigens entwickelte Software vorgesehen, die nach Angaben der Projektpartner die Proben anonymisiert und auffällige Befunde den jeweiligen Arbeitsbereichen zuordnet.

Das Team möchte untersuchen, ob sich daraus Hinweise auf mögliche physikalische, biologische oder chemische Belastungen am Arbeitsplatz gewinnen lassen. Ein auffälliges Geruchsmuster allein würde jedoch weder eine Krebserkrankung noch einen ursächlichen Zusammenhang mit einer Belastung am Arbeitsplatz nachweisen.

Hinweise sollen ärztliche Abklärung unterstützen

Die Spürhunde sollen ausdrücklich keine ärztliche Diagnose ersetzen. Ziel des Projekts ist es, mögliche Auffälligkeiten frühzeitig zu erkennen und damit einen Anlass für weiterführende medizinische Untersuchungen zu liefern.

Ob die Hunde dafür ausreichend verlässliche Ergebnisse liefern und wie sich ihr Einsatz in bestehende Vorsorgeangebote einfügen könnte, soll während der zweijährigen Projektlaufzeit geklärt werden.

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