Apothekenteams fordern höhere Honorare und sichere Arzneimittelversorgung – Kundgebungen auch in Hannover
Berlin (pm/redk). Am kommenden Montag, 23. März, protestieren Apothekenteams in ganz Deutschland für eine Stärkung der Apotheken vor Ort und eine verlässliche Arzneimittelversorgung. Zum bundesweiten Protesttag gehören umfangreiche Apothekenschließungen sowie zentrale Kundgebungen und Demonstrationen in Berlin, München, Düsseldorf und Hannover. Trotz der Schließungen soll die Akutversorgung der Bevölkerung durch ein flächendeckendes Netz an Notdienstapotheken sichergestellt bleiben.
Bundesweiter Protest gegen chronische Unterfinanzierung
Ausgerufen wurde der Protesttag von der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, dem Dachverband der 17 Apothekerkammern und -verbände in Deutschland. Hintergrund ist die aus Sicht der Apothekerschaft seit Jahren unzureichende finanzielle Ausstattung der Apotheken. Mehr als 160.000 Beschäftigte in öffentlichen Apotheken beteiligen sich bundesweit an den Protesten.
Im Mittelpunkt der Forderungen steht eine sofortige Erhöhung des Apothekenhonorars. Die letzte Anpassung liegt nach Angaben der ABDA bereits 13 Jahre zurück, während die Betriebskosten im selben Zeitraum um mehr als 65 Prozent gestiegen sind. Die wirtschaftliche Lage vieler Apotheken habe sich dadurch drastisch verschärft.
Kundgebungen in vier Großstädten
Neben den flächendeckenden Apothekenschließungen finden am Protesttag vier zentrale Demonstrationen statt: in Berlin, München, Düsseldorf und Hannover. Dort wollen Apothekenteams gemeinsam ein sichtbares Zeichen setzen und Politik sowie Öffentlichkeit auf die angespannte Situation aufmerksam machen.
ABDA-Präsident Thomas Preis erklärt dazu: „Die Situation unserer Apotheken und somit die Arzneimittel- und Gesundheitsversorgung der Menschen in Deutschland ist schon seit Jahren angespannt. Denn die letzte Honorarerhöhung für die Apotheken hat es vor 13 Jahren gegeben – obwohl die Betriebskosten im selben Zeitraum um mehr als 65 Prozent angestiegen sind!“
Auswirkungen für Patientinnen und Patienten
Am Montag werden die allermeisten Apotheken geschlossen bleiben. Für dringende Fälle ist jedoch vorgesorgt: Rund um die Uhr stehen bundesweit mehr als 1.000 Notdienstapotheken für die Akutversorgung mit wichtigen Medikamenten bereit. Die ABDA empfiehlt Patientinnen und Patienten, nicht dringend benötigte Rezepte entweder vor dem Protesttag einzulösen oder auf Dienstag, den 24. März, auszuweichen.
„Mit unserem Protesttag wollen wir die Gesellschaft auf diese untragbare Situation aufmerksam machen. Die allermeisten Apotheken werden daher am kommenden Montag geschlossen bleiben“, so Preis. Zugleich betont er: „Zur Akutversorgung mit dringenden Medikamenten am Protesttag stehen rund um die Uhr über 1.000 Notdienstapotheken bundesweit bereit.“
Apothekenschließungen als strukturelles Problem
Die ABDA verweist auf die langfristigen Folgen der Unterfinanzierung. Jährlich müssten hunderte Apotheken schließen. Seit 2013 sei die Zahl der Apotheken um rund 20 Prozent zurückgegangen. Besonders in ländlichen Regionen, aber auch in Städten, verlängerten sich dadurch die Wege zur nächsten Apotheke spürbar.
„Wegen der chronischen Unterfinanzierung müssen jedes Jahr hunderte Apotheken schließen. Seit 2013 haben wir rund 20 Prozent aller Apotheken verloren – für die Menschen in den Städten und auf dem Land verlängern sich somit die Wege zur nächsten Apotheke“, so Preis.
Forderungen an die Bundesregierung
Die Apothekerschaft verweist zudem auf den Koalitionsvertrag von Union und SPD, in dem eine Anpassung der Apothekenvergütung vorgesehen ist. Preis fordert die Bundesregierung auf, diese Zusagen umzusetzen. Unterstützung sieht die ABDA auch bei Bundesgesundheitsministerin Nina Warken, die angekündigt habe, die wirtschaftliche Stabilisierung der Apotheken voranzutreiben.
„Wir fordern die Bundesregierung auf, das Apothekenhonorar endlich zu erhöhen – so, wie es im Koalitionsvertrag sehr konkret vorgesehen ist.“ Weiter sagt Preis: „Aber Apotheken gibt es nicht zum Nulltarif! Wir sind überzeugt davon, die Bürgerinnen und Bürger an unserer Seite zu wissen. Das zeigt auch die starke Resonanz auf unsere derzeit laufende Online-Petition. Bürgerinnen und Bürger wollen und brauchen starke Apotheken.“
Weitere Informationen für Bürger
Weitere Hintergründe zum Protesttag sind unter abda.de sowie gesundheitsichern.de abrufbar. Eine Übersicht aller diensthabenden Notdienstapotheken bietet das Portal aponet.de/notdienstsuche.










