Start Hannover und Region Bitkom-Studie: Unternehmen in Deutschland nur 20 Stunden ohne Internet arbeitsfähig

Bitkom-Studie: Unternehmen in Deutschland nur 20 Stunden ohne Internet arbeitsfähig

Im Schnitt können Unternehmen ihr Geschäft nur 20 Stunden aufrechterhalten
Im Schnitt können Unternehmen ihr Geschäft nur 20 Stunden aufrechterhalten. - Quelle: Bitkom Research 2026

Mehrheit erwartet ernsthafte Krise durch hybride Angriffe – nur 12 Prozent sehen sich gut vorbereitet

Berlin (pm/redk). Deutsche Unternehmen könnten bei einem Internetausfall ihren Geschäftsbetrieb im Durchschnitt nur 20 Stunden aufrechterhalten. Jedes fünfte Unternehmen müsste sogar sofort die Arbeit einstellen. Gleichzeitig erwarten 83 Prozent eine ernsthafte Krise in Deutschland als Folge hybrider Angriffe. Das geht aus einer aktuellen Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom hervor.

Wirtschaft rechnet mit zunehmender Bedrohung

Für die Studie wurden 604 Unternehmen ab zehn Beschäftigten in Deutschland befragt. Die Ergebnisse wurden im Vorfeld der Münchener Sicherheitskonferenz und der Munich Cyber Security Conference in Berlin vorgestellt.

Demnach könnten Unternehmen im Falle eines Internetausfalls im Schnitt lediglich 20 Stunden weiterarbeiten. 21 Prozent müssten sofort den Betrieb einstellen. Nur 8 Prozent trauen sich zu, länger als 48 Stunden handlungsfähig zu bleiben.

8 von 10 unternehmen erwarten ernsthafte krise in deutschland als folge hybrider angriffe
8 von 10 unternehmen erwarten ernsthafte krise in deutschland als folge hybrider angriffe. – quelle: bitkom research 2026

74 Prozent rechnen angesichts der zunehmenden Spannungen zwischen Russland und der NATO mit einer erhöhten Gefahr hybrider Angriffe. 53 Prozent erwarten in den kommenden fünf Jahren sogar eine militärische Konfrontation zwischen Russland und der NATO.

„Anfang Januar mussten nach einem Anschlag mehr als 100.000 Menschen in Berlin bei Minustemperaturen tagelang ohne Strom auskommen, mehr als 2.000 Unternehmen waren betroffen. Hybride Angriffe auf Deutschland, die sich in einer Grauzone zwischen Krieg und Frieden abspielen, sind kein potenzielles Risiko, sie sind Realität. Deshalb müssen wir die Resilienz von Wirtschaft, Staat und Gesellschaft massiv hochfahren“, sagt Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst.

73 Prozent der Unternehmen halten Deutschland im internationalen Vergleich für unzureichend auf hybride Angriffe vorbereitet.

Energie, Finanzwesen und IT besonders gefährdet

Als besonders anfällig gelten nach Einschätzung der Befragten die Energieversorgung (90 Prozent) sowie Banken und Versicherungen (89 Prozent). 77 Prozent sehen die Wasser- und Abwasserversorgung in Gefahr, 67 Prozent die Lebensmittelversorgung, 65 Prozent das Gesundheitswesen und 64 Prozent Telekommunikation und IT.

97 Prozent der Unternehmen erwarten massive Auswirkungen auf das eigene Geschäft bei erfolgreichen Angriffen auf die Energieversorgung, 88 Prozent bei Attacken auf Banken und Versicherungen, 85 Prozent bei Angriffen auf Telekommunikation und IT.

„Neben der Energieversorgung sind das Finanzwesen und die Kommunikation die neuralgischen Punkte der deutschen Wirtschaft“, so Wintergerst. „Zum notwendigen Schutz gehört zuallererst, es potenziellen Angreifern nicht unnötig leicht zu machen. Wir sollten darauf verzichten, Datenleitungen im Gigabit-Grundbuch öffentlich zugänglich zu verzeichnen, denn das bedeutet ein zusätzliches Risiko für Sabotageakte. Wir brauchen im Bereich kritischer Infrastrukturen Datensparsamkeit und ein strenges Sicherheits- und Zugangskonzept.“

Große Lücke zwischen Bewusstsein und Vorbereitung

59 Prozent der Unternehmen halten es für wahrscheinlich, selbst Ziel hybrider Angriffe zu werden. Bei 61 Prozent ist der Schutz vor solchen Attacken Chefsache. Dennoch sieht sich kein Unternehmen als sehr gut vorbereitet, lediglich 12 Prozent fühlen sich eher gut gerüstet. 38 Prozent halten sich für eher schlecht vorbereitet, 40 Prozent für gar nicht vorbereitet.

Zwar verfügen 58 Prozent über alternative Kommunikationsmittel, 57 Prozent über getestete Datensicherungen und 51 Prozent über Ausweicharbeitsplätze oder Homeoffice-Regelungen. Doch Notstromversorgung (20 Prozent), regelmäßige Krisenübungen (10 Prozent) oder Vereinbarungen mit alternativen Lieferanten (16 Prozent) sind bislang nicht flächendeckend umgesetzt.

„Wir müssen die Lücke zwischen Gefahrenbewusstsein und Schutzniveau schnellstmöglich schließen“, betont Wintergerst.

Informationsdefizite und politische Erwartungen

Nur 22 Prozent der Unternehmen fühlen sich ausreichend durch Sicherheitsbehörden informiert. Gleichzeitig erwarten 80 Prozent im Ernstfall verlässliche Informationen von staatlichen Stellen wie dem BSI oder dem Katastrophenschutz.

71 Prozent fordern eine staatliche Informationskampagne zum Verhalten bei hybriden Angriffen. 79 Prozent sprechen sich für verpflichtende Sicherheitsstandards mit praxisnahen Leitlinien aus, 68 Prozent erwarten Förderprogramme für Sicherheitsmaßnahmen.

„Wir müssen die Resilienz von Verwaltung, Wirtschaft, Bevölkerung und Infrastruktur zu einem Top-Thema machen“, sagt Wintergerst. „Damit das schnellstmöglich gelingt, sollten wir uns an den Staaten orientieren, die dabei schon weiter sind als wir, etwa in Skandinavien.“

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