
Eine Million Euro für gemeinsames Projekt mit München
Hannover – (KI/redaktionell geprüft). Ein Forschungsteam der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) will funktionelle Blutstammzellen künftig in großem Maßstab herstellen. Das Projekt „smartiBONE“ soll im November 2026 starten und wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt mit insgesamt einer Million Euro gefördert. Langfristig sollen die im Labor gewonnenen Zellen Transplantationen mit Spenderzellen ergänzen und der Forschung dienen.
Das MHH-Team wird von Professor Nico Lachmann aus der Klinik für Pädiatrische Pneumologie, Allergologie und Neonatologie geleitet. Gemeinsam mit den Forschenden in München will es ein bislang ungelöstes Problem angehen: Nach Angaben der MHH gibt es bisher kein zuverlässiges und reproduzierbares Verfahren, um funktionelle Blutstammzellen außerhalb des menschlichen Körpers in großer Zahl herzustellen.
Fehlende Spenderzellen begrenzen Behandlungsmöglichkeiten
Blutstammzelltransplantationen können für Menschen mit Leukämien, seltenen Immundefekten und schweren Autoimmunerkrankungen lebensrettend sein. Eine wesentliche Voraussetzung ist, dass die Gewebemerkmale der spendenden und der empfangenden Person möglichst genau übereinstimmen.
Nach Angaben der MHH werden weltweit jährlich mehr als 90.000 Blutstammzelltransplantationen durchgeführt. Dennoch bleibt es für viele Betroffene schwierig, geeignete Spenderzellen zu finden.
Eine weitere Herausforderung entsteht bei der Vermehrung außerhalb des Körpers. Blutstammzellen aus dem Knochenmark verlieren dabei laut MHH ihre Fähigkeit, sich selbst zu erneuern und zugleich sämtliche Blutzelltypen hervorzubringen. Gerade diese Eigenschaften sind jedoch für eine erfolgreiche Transplantation entscheidend.
Knochenmarksähnliche Organoide sollen Herstellung ermöglichen
Das Forschungsteam knüpft an eine bereits entwickelte Technologie an. Mit ihr lassen sich aus sogenannten induzierten pluripotenten Stammzellen, kurz iPS-Zellen, unterschiedliche Immunzellen herstellen. Bei iPS-Zellen handelt es sich um biotechnologisch zurückprogrammierte Körperzellen, aus denen sich verschiedene Zellarten des Körpers entwickeln können.
Für „smartiBONE“ soll dieser Ansatz nun mit knochenmarksähnlichen Organoiden verbunden werden. Ziel ist die Herstellung funktioneller Blutstammzellen in deutlich größeren Mengen. Im kleinen Maßstab gelingt dies nach Darstellung der MHH bereits.
„Mit ‚smartiBONE‘ wollen wir einen entscheidenden Schritt hin zu einer nachhaltigen und zugänglichen Zelltherapie für Patientinnen und Patienten mit schweren Blut- und Immunerkrankungen machen“, betont Professor Lachmann. „Wir arbeiten nicht nur an neuen Behandlungsmöglichkeiten, sondern an einer neuen Infrastruktur für die Medizin der Zukunft.“
Laborzellen sollen bestehende Therapien ergänzen
Die entwickelten Blutstammzellen sollen die bisherige Behandlung mit Spenderzellen ergänzen. Zugleich könnten sie als Ressource für weitere Forschungsarbeiten genutzt werden.
Langfristig verbindet das Team damit die Aussicht auf eine personalisierte und besser zugängliche Zellquelle. Ob und wann daraus eine Anwendung für Patientinnen und Patienten entstehen kann, geht aus der Projektankündigung noch nicht hervor.
Die Forschung ist in das Zentrum für Zell- und Gentherapien der MHH sowie in den Exzellenzcluster RESIST und das Deutsche Zentrum für Lungenforschung eingebunden.









