Nur knapp ein Fünftel der Cybercrime-Betroffenen erstattet Anzeige
Berlin. Immer mehr Internetnutzer berichten, durch künstlich erzeugte oder manipulierte Bilder, Videos und Sprachaufnahmen getäuscht worden zu sein. In einer repräsentativen Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom gaben neun Prozent an, innerhalb der vergangenen zwölf Monate eine solche Deepfake-Täuschung erlebt zu haben. In der Vergleichsbefragung zum Jahreswechsel 2024/2025 waren es drei Prozent. Zugleich sank unter den Betroffenen von Cyberkriminalität der Anteil derjenigen, die Anzeige erstatteten.
Insgesamt berichteten 64 Prozent der Internetnutzer in Deutschland von Cyberkriminalität innerhalb eines Jahres, nach 61 Prozent in der vorherigen Befragung. Für die am 26. Oktober 2026 veröffentlichten Ergebnisse befragte Bitkom Research im Auftrag des Verbands telefonisch 1.126 Menschen ab 16 Jahren in Deutschland, darunter 1.031 Internetnutzer. Die Erhebung fand zwischen den Kalenderwochen 33 und 37 des Jahres 2026 statt.
Deepfakes können etwa die Stimme eines Angehörigen in einer angeblichen Notlage nachahmen oder Prominente in gefälschten Werbevideos für Geldanlagen zeigen. Auch manipulierte Aufnahmen von Vorgesetzten gehören zu den von Bitkom beschriebenen Beispielen.
„Cyberkriminelle nutzen alle technischen Möglichkeiten, die sich ihnen bieten. Und Künstliche Intelligenz macht Betrug leichter und glaubwürdiger. Eine vertraute Stimme oder ein echt wirkendes Video schaltet bei vielen das Misstrauen zumindest im ersten Moment aus, genau darauf setzen die Täter“, sagt Susanne Dehmel, Mitglied der Bitkom-Geschäftsleitung. „Wer einen schockierenden oder ungewöhnlichen Anruf oder eine dringende Zahlungsaufforderung bekommt, sollte immer über einen zweiten Kanal nachfragen, bevor er handelt.“
Schadsoftware und Einkaufsbetrug treffen besonders viele
Trotz der Zunahme bei Deepfakes stehen bekannte Angriffsmethoden weiterhin im Vordergrund. 32 Prozent der Internetnutzer berichteten von Schadsoftware auf ihrem Computer oder Smartphone. Betrug beim Online-Einkauf nannten 29 Prozent, Phishing per E-Mail, Kurznachricht oder Telefon 21 Prozent. Die beiden letztgenannten Methoden wurden laut Bitkom seltener genannt als in der Vergleichsbefragung.
Bei 14 Prozent wurden Zugangsdaten zu Online-Diensten ausgespäht. Neun Prozent berichteten, dass sich jemand im Internet unter ihrem Namen ausgegeben habe. Bei sechs Prozent wurden Kontodaten oder Kreditkarten gestohlen und missbraucht.
Gefälschte QR-Codes führten fünf Prozent auf betrügerische Webseiten. Vier Prozent nannten Betrug beim Online-Verkauf, drei Prozent Angriffe mit verschlüsselten Daten und Lösegeldforderungen. Ein Prozent berichtete von einer unberechtigten Nutzung des Online-Banking-Zugangs. Zudem gaben sechs Prozent an, im Netz sexuell belästigt worden zu sein; vier Prozent wurden bedroht.
Dehmel warnt, dass ein übernommenes E-Mail-Konto den Zugriff auf weitere Konten ermöglichen könne. Sie empfiehlt für jeden Dienst ein eigenes starkes Passwort sowie Zwei-Faktor-Authentifizierung oder Passkeys.
Finanzielle Schäden und wenig Orientierung
58 Prozent der von Cyberkriminalität Betroffenen erlitten nach eigenen Angaben einen persönlichen finanziellen Schaden. Bei weiteren fünf Prozent übernahmen Händler, Banken oder Versicherungen den Schaden. Bitkom beziffert den durchschnittlichen Schaden der Betroffenen auf 233 Euro.
Nach einem Vorfall änderten 45 Prozent ihre Passwörter oder andere Sicherheitsinformationen. 17 Prozent löschten oder kündigten ihren Account bei der betroffenen Plattform. 42 Prozent sprachen mit Freunden oder Angehörigen über das Geschehen, 36 Prozent wandten sich an das Unternehmen, dessen Plattform für die Tat genutzt worden war.
Behörden wie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik kontaktierten 13 Prozent, einen Rechtsanwalt acht Prozent. 18 Prozent reagierten überhaupt nicht. Zugleich wussten 54 Prozent aller befragten Internetnutzer nicht, an wen sie sich nach einem Cyberangriff wenden können.
Anzeigequote sinkt auf 19 Prozent
Nur 19 Prozent der Betroffenen erstatteten Strafanzeige bei der Polizei. In der Vergleichsbefragung waren es 26 Prozent gewesen. Die Erfahrungen derjenigen, die Anzeige erstatteten, fielen unterschiedlich aus: 22 Prozent berichteten von einer Einstellung des Verfahrens, bei weiteren 22 Prozent lief es noch. 15 Prozent hatten bislang keine Rückmeldung erhalten. 27 Prozent sagten, die Anzeige habe aus ihrer Sicht nichts gebracht.
Hilfreiche Informationen oder Unterstützung erhielten nach eigenen Angaben 19 Prozent. 13 Prozent fühlten sich mit ihrem Fall ernst genommen. Sechs Prozent bekamen Geld oder Daten zurück; zwei Prozent berichteten von einer Aufklärung des Falls.
Dehmel betont, dass nicht angezeigte Taten im Lagebild fehlten. Sie fordert eine personelle und technische Ausstattung von Polizei und Justiz, die erfolgreiche Ermittlungen ermöglicht. In der Befragung wünschten sich 87 Prozent der Internetnutzer mehr Polizeipräsenz im digitalen Raum, 86 Prozent höhere Strafen für Cyberkriminalität.
Zwei Befragungen mit unterschiedlichen Erhebungszeiträumen
Die Vergleichswerte stammen aus einer Befragung von 1.115 Menschen ab 16 Jahren, darunter 1.021 Internetnutzer. Sie wurde zwischen der Kalenderwoche 49 des Jahres 2024 und der Kalenderwoche 2 des Jahres 2025 durchgeführt. Die Frage nach Erfahrungen mit Cyberkriminalität bezog sich jeweils auf die zwölf Monate vor der Befragung. Die aktuellen Ergebnisse bezeichnet Bitkom als repräsentativ.
Text mit KI-Unterstützung erstellt und redaktionell geprüft.










