Start Hannover und Region Drei Millionen Euro für Spitzenmedizin: Neuer OP-Roboter stärkt Herzchirurgie an der MHH

Drei Millionen Euro für Spitzenmedizin: Neuer OP-Roboter stärkt Herzchirurgie an der MHH

Die HTTG-Chirurgen zeigen den Sponsoren den OP-Roboter: Dr. Tobias Goecke, PhD, Raoul Roßmann, Dirk Roßmann, Prof. Dr. Arjang Ruhparwar, Prof. Dr. Bastian Schmack, Markus Schmieta und Dr. Günes Dogan (vorn von links).
Die HTTG-Chirurgen zeigen den Sponsoren den OP-Roboter: Dr. Tobias Goecke, PhD, Raoul Roßmann, Dirk Roßmann, Prof. Dr. Arjang Ruhparwar, Prof. Dr. Bastian Schmack, Markus Schmieta und Dr. Günes Dogan (vorn von links). - © Carl-Marcus Müller / LGHNews

ROSSMANN und Braukmann-Wittenberg-Herz-Stiftung ermöglichen erstes da-Vinci-SP-System in Deutschland

Hannover (pm/redk). Moderne Medizintechnik, persönliche Dankbarkeit und langfristiges Engagement für die Forschung kommen an der Medizinischen Hochschule Hannover zusammen: Dank zweier millionenschwerer Spenden konnte die Medizinische Hochschule Hannover einen neuen OP-Roboter für die Herzchirurgie in Betrieb nehmen. Das Operationssystem vom Typ da Vinci SP steht ab sofort den Teams der Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie zur Verfügung. Mit einem Gesamtvolumen von rund drei Millionen Euro handelt es sich um den ersten OP-Roboter dieses Typs in Deutschland.

Gemeinsame Finanzierung durch Unternehmen und Stiftung

Die Finanzierung des hochmodernen Operationssystems übernahmen das Unternehmen ROSSMANN sowie die Braukmann-Wittenberg-Herz-Stiftung gemeinsam. Beide steuerten jeweils 1,5 Millionen Euro bei. Zusätzlich stellte ROSSMANN weitere 300.000 Euro zur Verfügung, um für ein Jahr die Leihgebühr eines weiteren OP-Roboters in der Klinik für Plastische, Ästhetische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie zu finanzieren.

Koordiniert wurden sämtliche Spenden durch die Stabsstelle Fundraising der MHH. Die Abwicklung der ROSSMANN-Zuwendungen erfolgte über die Förderstiftung MHH plus, die sowohl große als auch kleinere Spendenprojekte begleitet.

Persönlicher Hintergrund der ROSSMANN-Spende

Auslöser für das Engagement von ROSSMANN war eine persönliche Erfahrung des Firmengründers Dirk Roßmann. Der Unternehmer wurde im Januar 2025 in der MHH am Herzen operiert. Ursprünglich war lediglich die Implantation eines Stents geplant. Die Voruntersuchungen ergaben jedoch einen deutlich schwerwiegenderen Befund, sodass ein Eingriff am offenen Herzen notwendig wurde.

drei millionen euro für spitzenmedizin: neuer op-roboter stärkt herzchirurgie an der mhh
(vo.li.) raoul roßmann, sprecher der rossmann-geschäftsführung, dirk roßmann, rossmann-gründer, markus schmieta, vertreter der braukmann-wittenberg-herz-stiftung. – © carl-marcus müller / lghnews

Bei der Operation erhielt Dirk Roßmann vier Bypässe. Es folgten die Behandlung auf der Intensivstation, ein weiterer Aufenthalt auf der Normalstation sowie eine dreiwöchige Rehabilitationsmaßnahme. „Das war keine schöne Zeit“, erinnert sich der heute 79-Jährige. „Besonders das Fahrradfahren während der Reha habe ich gehasst. Ich spiele lieber Tennis oder Tischtennis.“ Der Einsatz habe sich jedoch gelohnt, heute fühle er sich wieder fit.

Seine Spende folgt einem klaren Leitgedanken: pragmatische Unterstützung, um Patientinnen und Patienten die bestmögliche medizinische Versorgung zu ermöglichen – ein Prinzip, das auch das regionale Engagement seines Sohnes Raoul Roßmann prägt.

Stiftung mit jahrzehntelanger Verbundenheit zur MHH

Auch bei der Braukmann-Wittenberg-Herz-Stiftung ist persönliches Erleben der Ausgangspunkt des Engagements. Die Stiftung wurde Ende der 1980er Jahre von Hildegard Braukmann und Albert Wittenberg gegründet. Wittenberg war 1982 an der MHH erfolgreich an einer Herzklappe operiert worden.

„Die OP hat es ihm ermöglicht, noch bis 1990 im eigenen Unternehmen tätig zu sein und weitere acht glückliche Jahre mit seiner Ehefrau zu verbringen“, berichtet Markus Schmieta, stellvertretender Vorsitzender der Stiftung. Das Ehepaar leitete das Kosmetikunternehmen Hildegard Braukmann, das – ebenso wie ROSSMANN – seinen Sitz in Burgwedel hat.

In den vergangenen Jahrzehnten stellte die Stiftung viele Millionen Euro für Projekte an der MHH bereit. Allein 13 Millionen Euro flossen in den Bau des 2008 eröffneten Hans-Borst-Zentrums für Herz- und Stammzellforschung. Mit der aktuellen Spende unterstützt die Stiftung sowohl die moderne Patientenversorgung als auch Forschung und Lehre in der Herzmedizin.

Hightech-Chirurgie mit nur einem Schnitt

Bei dem neuen OP-Roboter handelt es sich um ein da Vinci SP Operationssystem. SP steht für Single Port. „Im Unterschied zu anderen robotischen Systemen ist bei diesem Gerät nur ein einziger, etwa drei Zentimeter langer Schnitt zur Durchführung der Operation notwendig“, erklärt Prof. Dr. Arjang Ruhparwar, Direktor der Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie.

Über diese Öffnung werden gleichzeitig eine Videokamera sowie drei robotische Instrumentenarme in den Körper eingeführt. Erst innerhalb der Brusthöhle spreizen sich die einzelnen Arme voneinander ab. Zunächst soll das System bei Bypass-Operationen eingesetzt werden, insbesondere bei der Präparation der Brustbeinarterie. „Später wird sich das Einsatzspektrum des Gerätes sicher noch erweitern“, so Ruhparwar.

Die Ein-Schnitt-Technik bedeutet für Patientinnen und Patienten ein geringeres operatives Trauma, weniger Komplikationen und eine schnellere Genesung. In der Anfangsphase rechnet die Klinik mit rund 100 Eingriffen pro Jahr.

Zusätzlicher OP-Roboter für die Mikrochirurgie

Neben der Herzchirurgie profitiert auch die Klinik für Plastische, Ästhetische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie von der ROSSMANN-Spende. Mit den zusätzlichen 300.000 Euro kann dort ein Jahr lang ein mikrochirurgischer OP-Roboter des Typs Symani genutzt werden.

„Das Gerät verfügt über eine neue Instrumentengeneration, die nun auch Scheren zur Gewebepräparation umfasst“, erläutert Prof. Dr. Peter Maria Vogt, Direktor der Klinik. Das System deckt die gesamte Mikro- und Lymphchirurgie ab und ermöglicht Eingriffe an extrem feinen Nerven- und Gefäßstrukturen, die lange Zeit nicht operierbar waren.

Robotik als Schlüsseltechnologie der Zukunft

Robotergestützte Operationen bieten zahlreiche Vorteile: weniger postoperative Komplikationen, schnellere Wundheilung, kürzere Krankenhausaufenthalte und ergonomisch bessere Arbeitsbedingungen für Operierende. In der MHH sind aktuell insgesamt vier OP-Roboter im Einsatz, unter anderem in der Viszeralchirurgie, Gynäkologie und Urologie.

Für Prof. Ruhparwar und Prof. Vogt steht fest: OP-Roboter werden die Chirurgie nachhaltig verändern und sind aus modernen Operationssälen nicht mehr wegzudenken.

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