Neues Verteilkontingent bis September 2026 – Land reagiert auf sinkende Asylzahlen und unsichere weltpolitische Lage
Hannover (pm/redk). Niedersachsen stellt sich für die kommenden Monate auf die Aufnahme von rund 7.000 Schutzsuchenden ein. Mit einem neu festgelegten Verteilkontingent für den Zeitraum April bis September 2026 will das Land den Kommunen frühzeitig Planungssicherheit geben. Auch Hannover und die Region sind betroffen: Die Landeshauptstadt rechnet mit knapp 800, die umliegende Region mit rund 800 weiteren Schutzsuchenden. Trotz rückläufiger Asylzahlen bleibt die Lage angesichts internationaler Krisen schwer kalkulierbar.
Neues Verteilkontingent bis September 2026 festgelegt
Das Niedersächsische Ministerium für Inneres, Sport und Digitalisierung hat zum Stichtag 01.04.2026 ein neues Gesamtverteilkontingent beschlossen. Für den Zeitraum von April 2026 bis einschließlich September 2026 geht das Land von insgesamt rund 7.000 Geflüchteten aus, die in den niedersächsischen Kommunen untergebracht und versorgt werden müssen.
Die Kommunen wurden mit Erlass vom 02.04.2026 über die Neufestsetzung informiert. Das Kontingent stellt eine Prognose dar und soll den Städten, Gemeinden und Landkreisen als belastbare Einschätzung für die kommenden sechs Monate dienen. Nach Ablauf des Zeitraums ist eine erneute Bewertung vorgesehen.
Hannover und Region konkret betroffen
Auch die Landeshauptstadt Hannover sowie die umliegende Region Hannover haben ihre Planungen auf Basis des neuen Verteilkontingents angepasst. Nach der aktuellen Prognose rechnet die Landeshauptstadt Hannover im genannten Zeitraum mit der Aufnahme von 798 Schutzsuchenden. Auf die Region Hannover – ohne die Landeshauptstadt – entfallen weitere 809 Personen.
Damit müssen Hannover und das Umland zusammen in den kommenden sechs Monaten rund 1.600 Geflüchtete aufnehmen. Die Zahlen dienen den kommunalen Verwaltungen als Grundlage für die Planung von Unterkünften, sozialer Betreuung, Schul- und Kitaplätzen sowie Integrationsangeboten.
Asylzahlen in Niedersachsen deutlich rückläufig
Grundlage für die Prognose ist ein deutlicher Rückgang der Asylzahlen in den vergangenen Jahren. Während im Jahr 2024 noch rund 18.700 Menschen in Niedersachsen Schutz gesucht hatten, sank die Zahl 2025 auf etwa 9.800 Asylanträge.
Als Ursachen nennt das Innenministerium unter anderem verstärkte Grenzkontrollen innerhalb Europas, intensivere Kooperationen mit Herkunfts- und Transitstaaten sowie eine restriktivere Asylpolitik. Diese Faktoren hätten zu einer spürbaren Entlastung der Kommunen beigetragen.
Weltpolitische Lage bleibt Unsicherheitsfaktor
Trotz der rückläufigen Zahlen bleibt die weltpolitische Lage schwer vorhersehbar. Die aktuellen Konflikte im Nahen Osten haben bislang nicht zu deutlich steigenden Fluchtbewegungen nach Europa geführt. Dennoch beobachtet das Land die Entwicklung genau.
Vergleichbar mit dem Krieg in der Ukraine können neue militärische Eskalationen kurzfristig Auswirkungen auf Migration und Schutzsuchendenzahlen haben. Entsprechend weist das Land darauf hin, dass Anpassungen des Kontingents jederzeit möglich sind.
Ministerin Behrens: Kommunen bestmöglich entlasten
Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens erklärt: „Mit der Neufestsetzung des Verteilkontingents schaffen wir für die Kommunen so viel Planungssicherheit, wie in einer von Krisen und Kriegen geprägten Welt möglich ist. Niemand kann heute verlässlich vorhersagen, inwieweit insbesondere der Krieg gegen den Iran zu neuen Migrationsbewegungen führen wird.“
Weiter betont sie: „Unser Ziel ist es dabei, die Kommunen bestmöglich zu entlasten. Auch die Umsetzung des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems wird hoffentlich dazu beitragen, dass wir in der EU zu einer besseren Steuerung der Migration und einer faireren Verteilung von Schutzsuchenden gelangen.“
So wird das Verteilkontingent berechnet
Die Berechnung des Verteilkontingents erfolgt überwiegend anhand der Bevölkerungszahl der Kommunen. Zusätzlich werden bestehende Über- und Unterquoten aus der bisherigen Aufnahme berücksichtigt. Die konkrete Verteilung auf Städte, Gemeinden und Stadtteile innerhalb der Landkreise sowie der kreisfreien Städte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Kommunen.
Eine detaillierte Übersicht der prognostizierten Zahlen ist der Tabelle im Anhang der Mitteilung zu entnehmen.










