
Neue Spitzentechnologie ermöglicht schnellere, präzisere und strahlungsärmere Ganzkörperdiagnostik
Hannover (pm/redk). Mit der Inbetriebnahme des ersten Total-Body-PET/CT-Systems in Deutschland setzt die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) neue Maßstäbe in Diagnostik, Patientenversorgung und Forschung. Als weltweit vierte Einrichtung verfügt die Klinik für Nuklearmedizin nun über ein System mit einem Sichtfeld von rund 150 Zentimetern, das dreidimensionale Ganzkörperaufnahmen in einem einzigen Untersuchungsschritt ermöglicht.
Niedersachsen stärkt Vorreiterrolle in der Nuklearmedizin
Zum offiziellen Start der neuen Anlage besuchte Niedersachsens Wissenschaftsminister Falko Mohrs den MHH-Campus. Er betonte die landesweite Bedeutung der Investition: „Das bundesweit einmalige Gerät wird nicht nur den Patientinnen und Patienten an der MHH und der Universitätsmedizin Göttingen dank seiner hochpräzisen und schnellen Bildgebung zu Gute kommen. Es öffnet auch neue Möglichkeiten in der Erforschung bestimmter Krankheiten und ihrer Zusammenhänge. Zudem profitieren die medizinischen Nachwuchskräfte von dieser bahnbrechenden Infrastruktur, die von Beginn an auf dem neuesten Stand der Technik arbeiten können und dieses Wissen langfristig in Niedersachsen sichern. Der Total-Body-PET/CT ist also im besten Sinne für Niedersachsen und weit darüber hinaus eine Zukunftsinvestition mit Strahlkraft.“
Auch MHH-Präsidentin Prof. Dr. Denise Hilfiker-Kleiner hob den Mehrwert hervor: „Mit der Einführung des Total-Body-PET/CT stärken wir nicht nur unsere Forschung, sondern ermöglichen unseren Patientinnen und Patienten modernste Diagnostik auf höchstem Niveau.“
Kombinierte Bildgebung mit deutlich erweitertem Sichtfeld
Die PET/CT-Technik kombiniert die Positronen-Emissions-Tomografie (PET) mit der Computertomografie (CT) und ist ein zentraler Bestandteil der onkologischen, immunologischen, kardiologischen und neurologischen Diagnostik. Während die PET molekulare Prozesse im Körper sichtbar macht, liefert die CT detaillierte anatomische Schnittbilder. Bei der kombinierten Untersuchung werden beide Verfahren in einer Geräteeinheit durchgeführt und anschließend digital zusammengeführt.
Klinikdirektor Prof. Dr. Frank Bengel erklärt: „Die Möglichkeit der Ganzkörper-Darstellung hat viel Potenzial für Diagnostik, Behandlung und Forschung. Das Gerät liefert nicht nur genauere Darstellungen, es arbeitet auch schneller und strahlungsärmer – das sind wesentliche Vorteile für die Patientinnen und Patienten.“
Ganzkörperaufnahmen in weniger als einer Minute
Im Unterschied zu herkömmlichen PET/CT-Systemen mit einem Sichtfeld von etwa 25 Zentimetern erfasst das neue Total-Body-PET/CT nahezu den gesamten Körper vom Scheitel bis zum Oberschenkel in einem Durchgang. „Wir erfassen die molekularen Prozesse in nahezu dem ganzen Körper gleichzeitig“, sagt Prof. Dr. Sibylle Ziegler, Leiterin der PET-Forschung an der Klinik für Nuklearmedizin. „Damit wird eine Betrachtung des Körpers als Gesamtsystem ermöglicht.“
Bisher waren für solche Übersichtsaufnahmen mehrere Teilscans erforderlich, die insgesamt bis zu 25 Minuten dauerten. Mit dem neuen System lassen sich diese Untersuchungen in weniger als einer Minute durchführen.
Schonendere Untersuchungen für Patientinnen und Patienten
Die deutlich verkürzte Untersuchungszeit ist insbesondere für schmerzgeplagte Patientinnen und Patienten sowie für Kinder ein großer Vorteil. Zudem benötigt das Total-Body-PET/CT erheblich weniger Strahlung. „Die Messtechnik ist ausgesprochen sensibel und kommt mit deutlich geringeren Mengen verabreichter Radioaktivität aus“, erläutert Professorin Ziegler. Gleichzeitig seien die Aufnahmen kontrastreicher und schärfer als bisher. Die Bildauflösung liegt bei bis zu drei Millimetern und damit deutlich über dem bisherigen Standard.
Neue Impulse für medizinische Forschung
Neben der klinischen Versorgung eröffnet die neue Technologie weitreichende Möglichkeiten für die Forschung. So kann der Erfolg von Krebstherapien möglicherweise früher erkannt und Behandlungen gezielter angepasst werden. Zudem lassen sich neue Tracer und Medikamente besser entwickeln und testen. Durch die hohe Geschwindigkeit können künftig auch mehr Patientinnen und Patienten pro Tag untersucht werden.
Wissenschaftliches Symposium zur Inbetriebnahme
Anlässlich der Inbetriebnahme fand ein wissenschaftliches Eröffnungssymposium statt. Hauptredner war Prof. Dr. Simon Cherry von der University of California, Davis, ein Pionier der Total-Body-PET/CT-Technologie. Er erklärte: „Ich bin überzeugt, dass die Kombination aus der besten PET-Bildgebungstechnologie und einem hervorragenden Team, das den Wert eines systemischen Ansatzes bei der Erforschung von Krankheiten versteht, zu grundlegenden neuen Erkenntnissen mit großer klinischer Bedeutung führen wird.“









