
21.000 Quadratmeter für Kunst, Geschichte und das Gedächtnis der Stadt
Hannover. Ein bedeutender Schritt für Hannovers kulturelles Erbe: Die Landeshauptstadt hat am 5. Juni das neue Sammlungszentrum samt Stadtarchiv an der Vahrenwalder Straße offiziell eröffnet. Nach jahrelanger Planung bündelt der Neubau zentrale Kulturbestände an einem Ort und schafft zugleich neue Zugänge zur Stadtgeschichte für die Öffentlichkeit.
Ein Haus für das Gedächtnis der Stadt
Mit der Eröffnung ist ein mehrjähriger Prozess abgeschlossen. Oberbürgermeister Belit Onay bezeichnete das Sammlungszentrum als eines der größten und modernsten seiner Art in Europa. Es sichere dauerhaft die Bewahrung von Kunst- und Kulturgütern und bilde zugleich die Grundlage dafür, Geschichte sichtbar zu machen und weiterzugeben. Gleichzeitig biete das neu integrierte Stadtarchiv den Hannoveranerinnen und Hannoveranern einen Ort, um sich aktiv mit der Vergangenheit ihrer Stadt auseinanderzusetzen.
Raum für Archive, Museen und Öffentlichkeit
Das Sammlungszentrum in der Vahrenwalder Straße 321 umfasst rund 21.000 Quadratmeter. Davon entfallen etwa 18.500 Quadratmeter auf Depot- und Magazinflächen, weitere 2.500 Quadratmeter auf Büros, Werkstätten und öffentlich zugängliche Bereiche. Untergebracht sind hier neben dem Stadtarchiv die Bestände der Museen für Kulturgeschichte, des Sprengel Museum Hannover, des städtischen Kunstbesitzes, der Stadtbibliothek sowie des Gebäudemanagements.
Bildungs- und Kulturdezernentin Eva Bender hob hervor, dass das Projekt vor allem durch die Zusammenarbeit vieler Beteiligter möglich geworden sei. Das Gebäude stehe sinnbildlich für gemeinsames Handeln über Fachgrenzen hinweg. Ziel sei es nicht nur, Objekte und Dokumente zu lagern, sondern Geschichte verständlich zu vermitteln und einzuordnen.
Stadtarchiv mit neuen Angeboten
Mit dem Umzug aus der Südstadt verfügt das Stadtarchiv nun über moderne Magazine sowie Werkstatt- und Seminarbereiche. Insgesamt stehen mehr als 20 Regalkilometer zur Verfügung, aktuell sind davon rund zehn Regalkilometer belegt. Archiviert werden unter anderem Akten, Urkunden, Amtsbücher, Karten, Pläne, Fotos sowie Ton- und Filmaufnahmen. Parallel wird die Archivierung digitaler Unterlagen im Digitalen Magazin des Landes Niedersachsen aufgebaut.
Für Besucherinnen und Besucher ist der öffentliche Bereich künftig dienstags und donnerstags von 9 bis 16 Uhr sowie mittwochs von 9 bis 13 Uhr geöffnet. Zusätzlich sind Veranstaltungen geplant. Erstmals kann das Stadtarchiv zudem eine eigene Dauerausstellung zeigen: Zehn hannoversche Biografien aus neun Jahrhunderten werden anhand ausgewählter Archivalien präsentiert. Die Ausstellung ist bewusst niedrigschwellig gestaltet und richtet sich an alle Generationen.
Umfangreiche Kulturbestände unter optimalen Bedingungen
Im Sammlungszentrum lagern derzeit rund 18 Regalkilometer Schriftgut und Bücher sowie mehrere Hunderttausend Objekte aus den städtischen Sammlungen. Die Museen für Kulturgeschichte bringen dort etwa 280.000 Objekte sowie rund 2,5 Millionen Bildträger unter. Das Sprengel Museum Hannover ist mit rund 1.000 Werken des 20. und 21. Jahrhunderts vertreten, darunter auch großformatige Objekte.
Auch der städtische Kunstbesitz ist vollständig eingezogen und will die neuen Räumlichkeiten verstärkt für Bildungsangebote nutzen. Die Stadtbibliothek bewahrt hier wertvolle historische Bestände auf, darunter die Ratsbibliothek mit Drucken aus dem 15. Jahrhundert sowie die Bibliotheken der Aegidien- und Kreuzkirche. Ergänzt wird das Haus durch das Archiv des Gebäudemanagements mit Plänen und Akten städtischer Liegenschaften.
Technik auf dem neuesten Stand
Das Sammlungszentrum wurde von der bauwo GmbH errichtet und am 19. Dezember 2023 an die Stadt übergeben. Das Gebäude erfüllt hohe technische und konservatorische Anforderungen: Die Decken sind bis zu 1,2 Tonnen pro Quadratmeter belastbar, Temperatur und Luftfeuchtigkeit lassen sich raumweise steuern. Mehrere Quarantänebereiche sollen verhindern, dass Schädlinge in die Magazine gelangen. Beheizt wird das Gebäude über Fernwärme, gebaut wurde im KfW-50-Standard. Der Mietvertrag läuft über 20 Jahre mit der Option auf zweimal fünf Jahre Verlängerung.
Einordnung
Mit dem neuen Sammlungszentrum bündelt Hannover erstmals zentrale Kulturbestände an einem Standort. Das erleichtert nicht nur den Erhalt sensibler Objekte, sondern stärkt auch Forschung, Bildung und den Zugang zur Stadtgeschichte für die Öffentlichkeit.









