
Erste Pilotphase liefert wichtige Erkenntnisse für autonomen ÖPNV
Hannover/Burgdorf. Der autonome Linienbus im Projekt ALBUS hat in Burgdorf nach rund 1.200 Testfahrten ein positives Zwischenfazit geliefert. Die erste Pilotphase zeigt technische Fortschritte, hohe Fahrgastakzeptanz und wichtige Erkenntnisse für den weiteren Ausbau des autonomen ÖPNV. Das Projekt steht nun vor der Entscheidung über die nächste Entwicklungsstufe.
Pilotbetrieb auf Linie 906 in Burgdorf
Seit September 2025 ist der autonome Bus auf der Linie 906 in Burgdorf im Einsatz. Die 6 Kilometer lange Strecke mit 14 Haltestellen wird von einem elektrisch betriebenen Fahrzeug des Typs KARSAN Autonomous e-ATAK bedient.
Das Projekt ALBUS wird von der Region Hannover mit einem Gesamtvolumen von 6,3 Millionen Euro umgesetzt, davon stammen 58 Prozent aus Bundesfördermitteln. Der Testbetrieb ist kostenlos für Fahrgäste und hat auch internationale Fachbesuchergruppen angezogen.
Positive Bilanz nach 1.200 Testfahrten
Nach rund 1.200 Fahrten fällt die Bilanz der ersten Projektphase überwiegend positiv aus. Besonders hervorgehoben wird das wachsende Vertrauen in die Technik.
Verkehrsdezernent Ulf-Birger Franz beschreibt den Lernprozess so: „Zu Beginn des Projekts gab es viele Hürden, die wir nach und nach gemeistert haben. Auch viele offene Fragen der Fahrgäste – und, so ehrlich muss man bei einem Testbetrieb sein, auch von uns selbst – konnten inzwischen geklärt werden. Das ist genau das, was wir erreichen wollten. Denn wie der Bus und die Technik nach und nach dazugelernt haben, haben wir es auch. Immerhin sind wir deutschlandweit die Ersten, die einen Bus dieser Größe im automatisierten Betrieb an den Start gebracht haben.“
Als Hauptentwicklungspunkt galten zunächst starke Bremsungen. Diese wurden jedoch durch Software-Updates deutlich reduziert. Auch Geschwindigkeit und Fahrkomfort wurden schrittweise verbessert.
Wissenschaftliche Begleitung bestätigt Fortschritte
Die Evaluation erfolgt durch das Institut für Verkehr und Stadtbauwesen (IVS) der Technische Universität Braunschweig sowie durch die Rupprecht Consult – Forschung & Beratung GmbH.
Die Zwischenergebnisse zeigen:
- Die technische Umsetzung eines autonomen Linienbusbetriebs ist grundsätzlich möglich
- Sicherheitssysteme arbeiten stabil und zuverlässig
- Software-Updates verbessern kontinuierlich das Fahrverhalten
- Fahrgäste bewerten den Bus überwiegend als sicher, komfortabel und zukunftsorientiert
Auch die ÜSTRA Hannoversche Verkehrsbetriebe zieht eine positive Zwischenbilanz.
Vorstandsvorsitzende Elke van Zadel sagt: „Die erste Phase hat gezeigt, dass autonome Busse technisch machbar und von den Fahrgästen akzeptiert werden. Das ist der wichtigste Punkt, denn für uns als Verkehrsbetrieb geht es darum, die Fahrgäste mit Zuverlässigkeit und Sicherheit weiter zu überzeugen. Das geht am besten durch die Möglichkeit, mit der Teilnahme an Testfahrten mit zwei zusätzlichen autonomen Bussen und Fortsetzung des Pilotprojekts die Zukunft der Mobilität erfahren zu können.“
Nächste Phase: Ausbau und Ziel „Driver-Out“
Über die Fortführung des Projekts entscheidet in Kürze die Regionsversammlung. Geplant ist eine zweite Phase mit erweiterten Testmöglichkeiten.
Vorgesehen sind unter anderem:
- Beschaffung von zwei weiteren autonomen Bussen über eine EU-weite Ausschreibung
- Ausbau und Optimierung des Testbetriebs
- Zielsetzung eines „Driver-Out-Betriebs“ bis Ende 2029 (Betrieb ohne Sicherheitsfahrpersonal)
- Fortgesetzte wissenschaftliche Begleitung zu CO₂-Effekten, Akzeptanz und Technik
Die Kosten der zweiten Phase liegen bei rund 2,7 Millionen Euro, davon sollen 53 Prozent durch das Bundesverkehrsministerium gefördert werden. Die restlichen Mittel trägt die Region Hannover.
Nach Projektende sollen die Fahrzeuge kostenfrei an die ÜSTRA übergehen, um den Testbetrieb bis 2029 fortzuführen.
Verkehrsdezernent Franz betont: „Das ist eine lohnende Investition in die Zukunft. Denn die Erkenntnisse, die wir hier gewinnen, kommen nicht nur unserer Region zugute, sondern dem gesamten ÖPNV in Deutschland.“
Blick nach Norwegen als Referenz
Als Beispiel für einen möglichen Regelbetrieb wird die Stadt Stavanger in Norwegen genannt. Dort fährt ein baugleiches Fahrzeug bereits im regulären Linienbetrieb mit technischer Aufsicht.
Projektleiter Christian Kollenberg erklärt: „Das beweist, dass unser Ziel – der „Driver-Out-Betrieb“ bis Ende 2029 – realistisch ist.“
Einordnung
Das Projekt ALBUS zählt zu den bundesweit ersten Tests eines autonomen Linienbusses dieser Fahrzeugklasse im öffentlichen Nahverkehr. Die bisherigen Ergebnisse gelten als wichtiger Baustein für die Weiterentwicklung automatisierter Mobilitätsangebote in Deutschland.









