Start Hannover und Region Ernst Müller (1939–2026): Langenhagens Ehrenbürger und Musikdirektor verstorben

Ernst Müller (1939–2026): Langenhagens Ehrenbürger und Musikdirektor verstorben

Kerze / Trauer
Symbolbild: Kerze / Trauer. - Quelle: Pixabay

Stadt Langenhagen trauert um prägende Persönlichkeit des internationalen Blasorchesters

Langenhagen. Die Stadt Langenhagen trauert um ihren Ehrenbürger Ernst Müller, der am Samstag, 13. Juni 2026, im Alter von 87 Jahren verstorben ist. Mit ihm verliert die Stadt den letzten lebenden Träger der Ehrenbürgerwürde.

Frühe Jahre und musikalische Prägung

Ernst Müller wurde am 23. Februar 1939 in Hannover geboren und wuchs im Langenhagener Ortsteil Godshorn auf. Seine musikalische Laufbahn begann früh: Mit sieben Jahren erhielt er ersten Geigenunterricht, mit zehn entdeckte er die Trompete für sich. Bereits als Jugendlicher übernahm er Verantwortung in der Musikszene vor Ort und dirigierte mit 16 Jahren die Feuerwehrkapelle Godshorn. Im selben Alter gründete er die „Ernst Müller Combo“.

1958 gründete der damals 18-Jährige das spätere Blasorchester der Stadt Langenhagen und gab am 23. Februar 1958 sein Debüt als Dirigent. Nach seinem Studium an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater Hannover (1956–1961) war er unter anderem Solo-Kontrabassist am Thalia-Theater sowie Mitglied im Musikkorps des Bundesgrenzschutzes. 1978 wurde er zum Musikdirektor ernannt.

Aufbau einer internationalen Dirigentenkarriere

In den folgenden Jahrzehnten prägte Ernst Müller die deutsche und internationale Blasmusikszene maßgeblich. Er leitete zahlreiche Orchester und Klangkörper, darunter den Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Hannover, das Jugendblasorchester Hannover sowie das Orchester der Volkswagen AG Wolfsburg. Aus mehreren Ensembles formte er das Niedersächsische Blasorchester und leitete über Jahrzehnte das „Hausorchester Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen von Hannover“.

Seine musikalische Arbeit führte ihn auf 55 Konzertreisen rund um die Welt – unter anderem nach Argentinien, Australien, Brasilien, China, Israel, Japan, in die USA und die Sowjetunion. Internationale Erfolge feierte er bereits früh, etwa mit dem Gewinn des „Grand Prix d’Excellence“ beim Orchesterwettstreit im französischen Le Mans. 1973 trat sein Ensemble als erstes deutsches Orchester auf dem Roten Platz in Moskau auf.

Soziales Engagement und kulturelle Wirkung

Neben seiner musikalischen Karriere engagierte sich Müller über Jahrzehnte für soziale Zwecke. Seine Konzerte unterstützten regelmäßig gemeinnützige Projekte, insbesondere die Arbeiterwohlfahrt. Auch im Rahmen der HAZ-Weihnachtshilfe sowie bei zahlreichen Benefizkonzerten im Kuppelsaal der Stadthalle Hannover setzte er sich für den guten Zweck ein.

Ein weiterer Schwerpunkt seines Wirkens lag im Schützenwesen. Über viele Jahre prägte er musikalisch die Schützenfeste in Hannover und Langenhagen und war fester Bestandteil des Großen Schützenausmarsches. Der Verband Hannoverscher Schützenvereine würdigte ihn dafür als Ehrenmitglied.

Spätes Wirken und Abschied von der Bühne

Nach einer schweren Erkrankung Ende der 1990er-Jahre fand Ernst Müller zurück zur Musik und gründete später die „Langenhagener Symphoniker“. Auch im hohen Alter blieb er aktiv, bevor er sich im Januar 2023 nach 65 Jahren als Orchesterleiter mit einem Abschiedskonzert in der Emmaus-Kirche von seinem Publikum verabschiedete.

Auszeichnungen und Vermächtnis

Für sein Lebenswerk wurde Ernst Müller vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland, dem Niedersächsischen Verdienstorden am Bande sowie der Ehrennadel des Welfenhauses. 1998 wurde er in das Goldene Buch der Stadt Langenhagen eingetragen, 2019 folgte die Ernennung zum Ehrenbürger.

Seinen musikalischen Nachlass übergab er bereits zu Lebzeiten dem Stadtarchiv Langenhagen. Dazu zählen unter anderem Notenmaterial, Tonträger, Auszeichnungen, Reisealben und persönliche Erinnerungsstücke.

Würdigung durch die Stadt

„Ernst Müller war Langenhagens Musikbotschafter in der Welt“, würdigt Bürgermeister Mirko Heuer den Verstorbenen. „Mit seinem Taktstock hat er Grenzen überwunden und Herzen erobert, ob in Joinville, auf dem Roten Platz in Moskau oder an vielen anderen Orten der Welt. Wohin er auch reiste, er trug den Namen unserer Stadt in die Welt hinaus. Was Ernst Müller so besonders machte, war sein Herz für die Menschen. Seine Musik hat verbunden, getröstet und Freude geschenkt. Unzählige Male hat er für den guten Zweck gespielt und damit Menschen unterstützt, die Hilfe brauchten. Dieses soziale Engagement und diese Menschlichkeit bleiben unvergessen.“

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