Start Hannover und Region MHH-Kinderradiologie: Übung in der „Rakete“ nimmt Kindern die Angst

MHH-Kinderradiologie: Übung in der „Rakete“ nimmt Kindern die Angst

MRT-Simulator "Rakete" in der Kinderradiologie der Kinderklinik in der MHH
Während das Kind im MRT-Simulator die Untersuchung übt, kann es sich einen Film anschauen.. Der neue MRT-Simulator "Rakete" in der Kinderradiologie der Kinderklinik in der MHH.- © Carl-Marcus Müller / LGHNews

Medizinische Hochschule Hannover setzt als erste Klinik in Niedersachsen auf spielerische Vorbereitung vor MRT-Terminen

Hannover (pm/redk). Ein Termin im Krankenhaus ist für viele Kinder mit Unsicherheit verbunden, besonders wenn eine Magnetresonanztomografie ansteht. In der Kinderradiologie der Kinderklinik der Medizinischen Hochschule Hannover wird Kindern diese Angst nun mit einem speziellen Trainingsgerät genommen. Der MRT-Simulator „Rakete“ ermöglicht es, die Untersuchung realitätsnah zu üben. Das Gerät ist das erste seiner Art in Niedersachsen und wurde vollständig durch Spenden finanziert.

Hohe Anforderungen an junge Patientinnen und Patienten

In der Kinderklinik der Medizinische Hochschule Hannover werden jährlich mehr als 1.000 MRT-Untersuchungen durchgeführt. Die Magnetresonanztomografie liefert hochauflösende Schnittbilder von weichen Geweben wie Organen, Muskeln, Nerven und Gefäßen, ohne dabei Röntgenstrahlen einzusetzen.

„MRT kommt beispielsweise nach Verletzungen von Gelenken, bei entzündlichen Veränderungen sowie bei onkologischen Fragestellungen zum Einsatz“, erklärt Prof. Dr. Diane Renz, Leiterin der Kinderradiologie, einem Bereich des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie.

Die Untersuchungen dauern im Durchschnitt zwischen 30 und 45 Minuten. Für Kinder bedeutet das, lange still zu liegen, laute Geräusche auszuhalten und sich in einer engen Röhre zu befinden. Nicht alle schaffen das. Muss eine Untersuchung abgebrochen werden, ist häufig ein neuer Termin nötig, dann meist unter Narkose oder mit Beruhigungsmitteln.

„Darauf würden wir natürlich lieber verzichten, denn eine Narkose ist mit einem deutlich höheren Aufwand verbunden und birgt auch durchaus Risiken“, sagt Professorin Renz.

Simulator trainiert den gesamten Ablauf

Um Kinder besser auf diese Situation vorzubereiten, setzt die MHH nun auf einen MRT-Simulator. Das Trainingsgerät ist wie eine Rakete gestaltet und soll bei den Kindern Neugier statt Angst wecken. Gemeinsam mit Mitarbeitenden der Kinderradiologie oder der Spieloase üben die Kinder den gesamten Ablauf der Untersuchung.

Dazu gehört, auf einer Liege in das Gerät geschoben zu werden, die typischen MRT-Geräusche kennenzulernen sowie still zu liegen. Auch das richtige Atmen und Luftanhalten wird trainiert. „Dazu gehört beispielsweise auch das für die Untersuchung notwendige Atmen und Luftanhalten“, erläutert Stefanie Günther, leitende Medizinische Technologin für Radiologie der MHH-Kinderradiologie.

Im Anschluss wird die Übung gemeinsam ausgewertet. Die Kinder erfahren, was gut geklappt hat und wo noch Unsicherheiten bestehen. Der Simulator ist vor allem für Kinder im Alter von vier bis acht Jahren gedacht und hat sich in ersten Tests bereits bewährt.

„Die Kinder bekommen ein besseres Zeitgefühl und können einschätzen, was auf sie zukommt. Das hilft ihnen ungemein“, so Günther.

Weniger Narkosen und bessere Bildqualität

Ein ähnliches Konzept wird bereits seit 2013 im größten Kinderkrankenhaus in Paris eingesetzt. Dort kann bei fast 80 Prozent der Kinder zwischen drei und sechs Jahren auf Narkose oder Beruhigungsmittel verzichtet werden. Einen vergleichbaren Erfolg erhofft sich auch das Team der MHH.

Durch die bessere Vorbereitung sollen Doppeluntersuchungen vermieden werden. Gleichzeitig verbessert sich die Bildqualität, da es zu weniger Bewegungsartefakten wie Verwacklungen oder Verwischungen kommt.

Große Spendenaktion ermöglichte Anschaffung

Die Idee für die Anschaffung des MRT-Simulators entstand im Spieloasen-Team der Kinderklinik. „Wir haben uns 2021 das Gerät in London angeschaut und waren sofort begeistert“, berichtet Claudia Erzfeld-Dokanikis, Leiterin der Spieloase.

Um die benötigten rund 30.000 Euro aufzubringen, organisierte sie eine umfangreiche Trikot-Versteigerung. Unterstützt wurde die Aktion von zahlreichen Vereinen und bekannten Sportlerinnen und Sportlern. Dazu zählten unter anderem der EC Hannover Indians, die Hannover Scorpions, Hannover United, Waspo 98 Hannover, die TSV Hannover-Burgdorf sowie der Kunstturner Andreas Toba.

Auch internationale Fußballvereine wie Lazio Rom, Atlético Madrid und FC Arsenal stellten signierte Trikots zur Verfügung.

Versteigerung im Jagdschloss Springe als Höhepunkt

Alle rund 70 Trikots konnten vorab auf der Webseite der Förderstiftung begutachtet werden. Die Spendenabwicklung übernahm die Stiftung MHH plus.

Höhepunkt der Aktion war eine Versteigerung im Sommer 2024 im Jagdschloss Springe. Rund 400 Gäste nahmen teil. Schirmherr der Veranstaltung war der Fußballer, Trainer und Rapper Martin Rietsch.

„Es war ein gelungener Nachmittag, der uns bei der Finanzierung des Gerätes einen Riesenschritt nach vorn gebracht hat. Zusammen mit weiteren Spenden von Elternvereinen sind insgesamt 35.000 Euro zusammengekommen“, sagt Claudia Erzfeld-Dokanikis. „Mit der Summe konnten wir nicht nur den Bau des MRT-Simulators in Auftrag geben, sondern hatten auch noch Geld für Zubehör und kleine notwendige Umbauarbeiten.“

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