Start Hannover und Region Hilfe für Helfende: Wildtier SOS-App unterstützt bei Wildtieren in Not

Hilfe für Helfende: Wildtier SOS-App unterstützt bei Wildtieren in Not

Rehkitz
Themenfoto: Rehkitz / Wildtier SOS App. - Quelle: TiHo / Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover stellt App Wildtier SOS vor – schnelle Orientierung und professionelle Hilfe per Smartphone

Hannover (pm/redk). Mit dem Beginn des Frühjahrs steigt das Risiko für Wildunfälle und die Wahrscheinlichkeit, verletzte oder scheinbar hilflose Wildtiere zu finden. Um in solchen Situationen schnell und richtig zu handeln, hat die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover die App Wildtier SOS entwickelt. Die Anwendung ist ab sofort kostenlos für Android und iOS verfügbar und soll helfen, Tierleid durch falsches Eingreifen oder fehlende Ansprechpartner zu vermeiden.

wildtiersos app
wildtiersos app. – quelle: tiho / stiftung tierärztliche hochschule hannover

Nach wenigen, einfach gehaltenen Fragen zeigt die App, ob ein Wildtier tatsächlich Hilfe benötigt und welche professionellen Stellen in der Nähe zuständig sind. Gefördert wird das Projekt von der Deutsche Bundesstiftung Umwelt mit rund 250.000 Euro.

Mit wenigen Fragen zur richtigen Entscheidung

Die App führt Nutzerinnen und Nutzer mit bis zu zehn Fragen durch die jeweilige Situation. Dabei können Tierart oder Tiergruppe bestimmt, Informationen zur Biologie und zum richtigen Umgang abgerufen sowie rechtliche Hinweise angezeigt werden.

„Wenn erforderlich, kann in der App anhand weniger Fragen die Tierart oder die Tiergruppe bestimmt werden. Gleichzeitig kann man bei einem gefundenen Tier auch direkt einsteigen und rasch klären, ob das Tier wahrscheinlich Hilfe benötigt. Im nächsten Schritt werden dann Anlaufstellen in der direkten Umgebung angezeigt“, erklärt Prof. Dr. Michael Pees, Leiter der Klinik für Heimtiere, Reptilien und Vögel an der TiHo.

So werde schnell deutlich, ob ein Eingreifen notwendig ist oder ob ein Verhalten natürlich sei. „Sitzt ein Rehkitz allein im Feld, ist Eingreifen oft die falsche Entscheidung. Meist kommt die Mutter des Tieres bald zurück“, so Pees. In solchen Fällen gebe die App konkrete Handlungsempfehlungen.

Schnelle Hilfe bei Verletzungen und Wildunfällen

Liegt eine offensichtliche Verletzung vor oder hat ein Wildunfall stattgefunden, vermittelt die App umgehend passende Ansprechpartner. Dazu zählen Wildtierstationen, Veterinärkliniken, zuständige Behörden sowie Polizei und Feuerwehr in der jeweiligen Region.

„Bei Hilfebedarf vermittelt die App zügig die richtigen Ansprechpartner wie Wildtierstationen, Veterinärkliniken, zuständige Behörden sowie Polizei und Feuerwehr in der Region“, sagt Pees. „Hier zählt jede Minute, damit dem Tier geholfen werden kann.“

Gut gemeint ist nicht immer richtig

DBU Generalsekretär Alexander Bonde weist auf die Folgen falsch verstandener Hilfe hin. „Werden zu viele Wildtiere aus ihrem natürlichen Revier entnommen, kann das ganze Populationen und das ökologische Gleichgewicht gefährden.“

Nach Angaben von Pees betrifft dies besonders Jungvögel und Feldhasen. „Wenn Menschen vermeintlich verwaiste Jungtiere finden, sind viele mit dem richtigen Vorgehen überfordert. Häufig werden die Tiere ihrer natürlichen Umgebung entnommen – obwohl das oft das falsche Vorgehen ist.“

Umgekehrt fehle bei tatsächlich hilfsbedürftigen Tieren häufig das Wissen über geeignete Anlaufstellen. Dies führe dazu, dass Tiere zu spät oder unsachgemäß versorgt würden. Genau hier setze die App Wildtier SOS an.

Kostenlos, anonym und datenbasiert

Die Nutzung der App ist ohne Anmeldung möglich, persönliche Daten werden nicht erhoben. Durch einfache Ja Nein Fragen erhalten Nutzerinnen und Nutzer situationsgerechte Empfehlungen.

Aktuell umfasst die Datenbank rund 100 der in Deutschland am häufigsten vorkommenden Wildtierarten, was etwa 95 Prozent der typischen Fälle abdeckt. Zudem sind mehr als 4.000 Notfallkontakte bundesweit hinterlegt. „Ziel ist eine deutliche Erweiterung beider Datenbanken“, so Pees. Bei der Entwicklung kooperiert die TiHo mit dem Berliner Unternehmen Initree-Software.

KI Erkennung und Citizen Science geplant

Perspektivisch soll die App um eine KI gestützte Bilderkennung erweitert werden. Künftig könnten Wildtiere dann direkt per Smartphone Kamera identifiziert werden, ohne dass Vorwissen nötig ist. Auch dieses Vorhaben wird durch die DBU gefördert.

Langfristig soll sich die App zu einer Plattform für Wildtierforschung und Artenschutz entwickeln. Geplant sind Citizen Science Projekte, bei denen Bürgerinnen und Bürger zur Erfassung von Populationsgebieten beitragen können. „So können Forschende zahlreiche wichtige Daten sammeln, die ansonsten viel schwieriger zu beschaffen wären“, erklärt Pees.

Weitere Informationen zur App finden sich unter wildtier-sos.de.

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