Start Hannover und Region Pharmacon Meran: Warnung vor unnötigen Nahrungsergänzungsmitteln

Pharmacon Meran: Warnung vor unnötigen Nahrungsergänzungsmitteln

Viele Menschen greifen unnötig zu Nahrungsergänzungsmitteln
Auch zu Nahrungsergänzungsmitteln können sich Patienten in der Apotheke beraten lassen. - Foto: ABDA

Expertin kritisiert Werbeversprechen und fordert bessere Beratung in Apotheken

Meran. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher greifen zu Nahrungsergänzungsmitteln, obwohl dafür häufig kein medizinischer Bedarf besteht. Auf dem Fortbildungskongress pharmacon Meran machte eine Expertin deutlich, dass falsche Erwartungen, irreführende Werbung und mangelnde Aufklärung zentrale Gründe für den unkritischen Konsum sind.

Zweifel an Nutzen weit verbreitet

Beim Fortbildungskongress pharmacon Meran in Meran warnte Professor Dr. Mona Tawab vor einem sorglosen Umgang mit Nahrungsergänzungsmitteln. Viele Menschen glaubten, sie seien unterversorgt und benötigten zusätzliche Vitamine oder Mineralstoffe – häufig ohne medizinische Grundlage.

„Im Dschungel der Nahrungsergänzungsmittel den Überblick zu behalten ist schwierig – viele Menschen verlassen sich auf unhaltbare Werbeversprechen und glauben fälschlicherweise, unterversorgt zu sein“, sagte Tawab. Sie ist Wissenschaftliche Leiterin des Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker (ZL) in Eschborn.

Verwechslung mit Arzneimitteln

Nach Angaben der Referentin geht rund die Hälfte der Bevölkerung davon aus, dass Nahrungsergänzungsmittel ähnlich streng geprüft seien wie Arzneimittel. Diese Annahme sei jedoch falsch. Für Nahrungsergänzungsmittel gelten deutlich geringere Anforderungen an Wirksamkeitsnachweise und Sicherheitsprüfungen.

Vor allem in sozialen Medien würden Inhalte verbreitet, die wissenschaftlichen Standards nicht standhielten. Studienergebnisse würden verzerrt dargestellt oder vollständig erfunden. Tawab betonte: „In den sozialen Medien wird oft das Blaue vom Himmel versprochen.“

Gesetzliche Grenzen bei Werbung

Ein zentrales Warnsignal für unseriöse Produkte seien Werbeaussagen, die über die offiziell zugelassenen sogenannten Health Claims hinausgingen. Diese gesundheitsbezogenen Aussagen werden von Behörden festgelegt und sind klar begrenzt.

„Wenn jemand sagt, dass ein Nahrungsergänzungsmittel angeblich gegen eine Erkrankung helfen soll, ist das immer ein Warnsignal“, erklärte Tawab. Krankheitsbezogene Werbung sei gesetzlich verboten. Apotheken dürften solche Produkte nicht verkaufen. Dennoch bestellten viele Menschen entsprechende Mittel weiterhin über das Internet.

Risiken durch hoch dosierte Präparate

Neben fehlendem Nutzen sieht die Expertin auch gesundheitliche Risiken. Hoch dosierte Nahrungsergänzungsmittel könnten Nebenwirkungen verursachen und zudem die Wirkung von Arzneimitteln beeinträchtigen. Besonders problematisch sei die eigenständige Einnahme ohne medizinische Abklärung.

Bei Vitaminen und Mineralstoffen riet Tawab daher dringend zu einer vorherigen Bestimmung der individuellen Blutwerte. Nur so lasse sich feststellen, ob tatsächlich ein Mangel bestehe.

Apotheken gewinnen an Bedeutung

Immer mehr Apotheken bieten inzwischen entsprechende Messungen an. Das Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker arbeitet aktuell daran, die dafür eingesetzten Testgeräte wissenschaftlich zu evaluieren. Ziel sei es, eine verlässliche Grundlage für qualifizierte Beratung zu schaffen.

Tawab sieht hier eine klare Aufgabe für Apothekenteams: Durch kompetenzbasierte, individuelle Empfehlungen könne die Gesundheitskompetenz der Verbraucherinnen und Verbraucher gestärkt werden.

Einordnung

Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel wächst seit Jahren, insbesondere durch Onlinehandel und soziale Medien. Fachleute warnen jedoch zunehmend davor, Präparate ohne medizinischen Anlass einzunehmen. Der Beitrag auf dem pharmacon Meran unterstreicht die Rolle von Apotheken als zentrale Anlaufstelle für fundierte und unabhängige Beratung.

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