Künstliche Intelligenz unterstützt Einsatzkräfte – der Mensch bleibt zentrale Entscheidungsinstanz
Hannover (pm/redk). Leitstellen für Feuerwehr, Rettungsdienst und Bevölkerungsschutz stehen vor einem tiefgreifenden Wandel. Steigende Einsatzkomplexität, neue Kommunikationskanäle und wachsende Erwartungen der Bevölkerung erfordern innovative technische und organisatorische Lösungen. Auf der INTERSCHUTZ 2026, die vom 1. bis 6. Juni in Hannover stattfindet, wird sichtbar, wie sich Leitstellen auf diese Herausforderungen vorbereiten – mit Künstlicher Intelligenz, vernetzter Kommunikation und einem klaren Fokus auf den Menschen.
Kommunikations- und Leitstellentechnik zählen zu den zentralen Schwerpunkten der Weltleitmesse. „Eine große Rolle spielt dabei die Einbindung von Künstlicher Intelligenz (KI). Moderne Leitstellen müssen große Informationsmengen in Echtzeit bewerten, unterschiedliche Akteure koordinieren und dabei auch mit technischen Störungen, Personalmangel und steigenden Erwartungen der Bevölkerung umgehen“, sagt Thilo Horstmann, Projektleiter der INTERSCHUTZ bei der Deutsche Messe AG.
Smart Public Safety Hub: Lagebilder in Minuten
Wie moderne Leitstellen arbeiten können, zeigen innovative Partner aus dem öffentlichen Sektor im Smart Public Safety Hub in Halle 16. Dort wird demonstriert, wie mithilfe intelligenter Systeme und modernster Technologien innerhalb von fünf Minuten ein gemeinsames, belastbares Lagebild entsteht. Für Einsatzkräfte ist dies entscheidend, um im Ernstfall schnell, umsichtig und informiert handeln zu können.
Voraussetzung dafür ist eine verlässliche interdisziplinäre Vernetzung sowie der Einsatz digitaler Hilfsmittel. Unternehmen wie Eurocommand und Esri gelten in diesem Bereich als beispielgebend.
KI-Assistenzsysteme entlasten Disponenten
Schon heute setzen viele Leitstellen auf KI-gestützte Assistenzsysteme. Diese Entwicklung bestätigt auch der Fachverband Leitstellen e. V., der auf der INTERSCHUTZ in Halle 16 über seine Arbeit informiert. Künftig unterstützen solche Systeme Disponentinnen und Disponenten unter anderem bei der Ergänzung der standardisierten Notrufabfrage, der Erkennung kritischer Schlüsselwörter, der Bewertung von Einsatzlagen oder der Priorisierung von Einsatzstichworten.
Technik als Unterstützung – nicht als Ersatz
Trotz aller technologischen Fortschritte bleibt der Mensch im Mittelpunkt. Zukunftstechnologien sollen entlasten, nicht ersetzen, betonen die Fachleute. Ergonomische Arbeitsplätze, intelligente Benutzeroberflächen und digitale Assistenzsysteme tragen dazu bei, Stress zu reduzieren und die Entscheidungsqualität zu verbessern – ein zentrales Anliegen der INTERSCHUTZ 2026.
Neue Kommunikationswege mit Next Generation 112
„Der klassische Telefonnotruf wird ergänzt durch neue Kommunikationskanäle“, erläutert Marc Gistrichovsky, Vorsitzender des Fachverbands Leitstellen. Über „Next Generation 112“ sollen künftig Fotos, Videos oder Textnachrichten in Echtzeit an die Leitstelle übermittelt werden. Einsatzkräfte erhalten dadurch bereits vor dem Eintreffen ein besseres Lagebild. Ergänzt wird dies durch automatische Standortübermittlung sowie perspektivisch durch Daten aus Fahrzeugen, Wearables oder medizinischen Geräten.
Kritische Infrastruktur im Fokus
Als Bestandteil kritischer Infrastrukturen müssen Leitstellen auch in Ausnahmesituationen handlungsfähig bleiben. Entsprechend groß ist das Interesse an Lösungen für Szenarien wie Stromausfälle, Cyberangriffe oder Großschadenslagen. Redundante Systeme, sichere Cloud-Lösungen, Notstromversorgung, leistungsfähiges Informationssicherheitsmanagement und autarke Kommunikationswege stehen dabei im Mittelpunkt.
Premiere: FEU Leadership Konferenz
Ein weiterer Höhepunkt der INTERSCHUTZ 2026 ist die erste FEU Leadership Konferenz am 3. und 4. Juni in Hannover. Veranstalter ist die Federation of European Fire Officers, die mehr als 350 Führungskräfte aus Feuerwehren und Katastrophenschutzbehörden aus Europa und der Welt erwartet.
Im Mittelpunkt stehen strategische Fragen angesichts hybrider Bedrohungen, geopolitischer Instabilität, digitaler Verwundbarkeiten und extremer Klimaereignisse. Hochrangige Vertreter der Europäischen Kommission, der NATO sowie internationale Feuerwehrführungen diskutieren, wie Feuerwehr- und Bevölkerungsschutzbehörden zukunftsfähig aufgestellt werden können.










