Messe in Hannover zeigt Hightech-PSA für längere und gefährlichere Einsätze
Hannover. Auf der INTERSCHUTZ 2026 vom 1. bis 6. Juni in Hannover präsentiert die Branche wegweisende Innovationen bei Persönlicher Schutzausrüstung (PSA). Moderne Schutzkleidung entwickelt sich zunehmend zu einem hochvernetzten Sicherheitssystem – ausgelegt auf komplexere Einsätze, steigende Umweltbelastungen und höhere körperliche Anforderungen.
PSA als Schlüssel für wirksamen Bevölkerungsschutz
Längst erfüllt PSA nicht mehr nur die Funktion klassischer Arbeitskleidung. Neue Materialien, intelligente Sensorik und verbesserte Ergonomie sollen Einsatzkräfte wirksam schützen und gleichzeitig entlasten. Im Fokus stehen dabei unter anderem Schutz vor gesundheitsgefährdenden Partikeln, digitale Assistenzsysteme im Atemschutz sowie leichtere Ausrüstung für lange Einsatzlagen.
„Unser zentrales Thema ‚Safeguarding tomorrow‘ gilt auch für die Arbeitsbedingungen der Einsatzkräfte“, sagt INTERSCHUTZ-Projektleiter Thilo Horstmann von der Deutsche Messe AG. „Ein effizienter Schutz der Bevölkerung ist nur möglich, wenn auch die Retter selbst optimal geschützt sind.“
Klimawandel verändert Anforderungen an Schutzkleidung
Ein wesentlicher Treiber für die Weiterentwicklung ist der Klimawandel. Längere Einsätze, etwa bei Vegetationsbränden, erfordern belastbare, zugleich aber leichtere und flexiblere Materialien. „Da die Einsätze komplexer und zeitintensiver werden, liegt ein Hauptmerkmal auf Materialien, die die körperliche Belastung minimieren“, erklärt Horstmann. Neben Hitzeschutz rückt auch smarte Sensorik stärker in den Fokus.
Vernetzte Systeme und modulare Konzepte
Mehr als 1.600 Aussteller zeigen auf der Messe Lösungen für unterschiedlichste Einsatzszenarien – vom Helm bis zum Stiefel. Laut Nicolai Gäding, Applikationsspezialist für schweren Atemschutz und BOS bei Dräger, entwickelt sich PSA besonders in Richtung Ergonomie, Modularität und Vernetzung.
„Moderne PSA muss heute gleichermaßen ergonomisch und anpassungsfähig sein, um unterschiedlichen Einsatzszenarien mit häufig längeren Einsatzzeiten und extremer Hitze gerecht zu werden“, so Gäding. Zunehmend gefragt seien systemisch kompatible Lösungen, die Schutz, Kommunikation und digitale Funktionen miteinander verbinden. Vernetzte Systeme könnten Einsatzkräften Echtzeitinformationen liefern – idealerweise direkt im Sichtfeld.
Vom Uniformstück zur Hochleistungsbekleidung
Auch die Feuerwehr-Schutzkleidung hat sich grundlegend verändert. „Das, was bis Mitte der 1990er als Einsatzbekleidung getragen wurde, ist meilenweit entfernt von dem, was wir heute kennen“, sagt Christian Pannier, Produktmanager bei der LHD Group. Einen entscheidenden Wendepunkt sieht er in der Einführung der Norm DIN EN 469 im Jahr 1995.
Moderne Schutzanzüge seien deutlich funktionaler. Während Jacken früher meist vier Taschen hatten, seien heute sechs oder sieben keine Seltenheit. Gleichzeitig wachse der Wunsch nach Individualisierung – vom personalisierten Rückenaufdruck bis hin zu eigens entwickelten Schutzanzügen für einzelne Feuerwehren. Dennoch bleibe der klassische Feuerwehr-Schutzanzug nach DIN EN 469 der am häufigsten eingesetzte Standard.
Individualität auch bei Stiefeln und Materialien
Nicht nur bei Anzügen, auch bei Feuerwehrschuhen spielt Passform eine zentrale Rolle. Julia Simon von Haix betont den Bedarf an individuellen Verschluss- und Passformsystemen. Für die INTERSCHUTZ kündigt das Unternehmen erneut Produktneuheiten an, darunter zwei neue Stiefelmodelle. Zuletzt hatte Haix mit einem besonders leichten Stiefel aus Extraguard-Material Aufmerksamkeit erregt.
Im Materialbereich setzt Arclin auf Hochleistungsfasern wie Nomex und Kevlar. Beide gehören zur Gruppe der Aramide und sind seit Jahrzehnten fester Bestandteil moderner Schutzkleidung. Nomex bietet hohen Hitze- und Flammschutz, Kevlar sorgt für extreme Reiß- und Schnittfestigkeit. Auf dem Freigelände demonstriert Arclin die Belastbarkeit dieser Materialien mit dem sogenannten Thermo-Man, einer Flash-Fire-Simulation mit sensorbestücktem Dummy.
Einordnung
Die INTERSCHUTZ 2026 macht vielfältig deutlich, wie stark sich Persönliche Schutzausrüstung von reiner Schutzkleidung zu einem vernetzten Sicherheitssystem entwickelt hat. Angesichts wachsender Risiken, längerer Einsatzzeiten und klimatischer Veränderungen rückt der Schutz der Einsatzkräfte zunehmend in den Mittelpunkt moderner Gefahrenabwehr.










