Start Hannover und Region Bevölkerungsschutz im Fokus: Expertenrunde tagt in Langenhagen

Bevölkerungsschutz im Fokus: Expertenrunde tagt in Langenhagen

Bevölkerungsschutz im Fokus: Expertenrunde tagt in Langenhagen
Bevölkerungsschutz im Fokus: Expertenrunde tagt in Langenhagen. - Foto: Johanniter

Innenministerin Behrens fordert mehr Vorsorge und stärkere Resilienz

Wie sich Menschen besser auf Krisen wie Kriege, Extremwetter oder großflächige Stromausfälle vorbereiten können, war Thema einer Podiumsdiskussion in Langenhagen. Expertinnen und Experten aus Politik, Feuerwehr und Hilfsorganisationen warnten vor wachsenden Anforderungen an den Bevölkerungsschutz und betonten die Bedeutung privater Vorsorge.

Krisen werden komplexer – Bevölkerungsschutz unter Druck

Langenhagen. Unter dem Titel „Bevölkerungsschutz in Krisenzeiten“ diskutierten rund 100 Teilnehmende aktuelle Herausforderungen im Katastrophenschutz. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie staatliche Strukturen und Bevölkerung gleichermaßen auf zunehmend komplexe Krisenszenarien reagieren können.

Organisiert wurde die Veranstaltung von der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. im Nordhannoverschen Ortsverband. Auf dem Podium saßen Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens, Hannovers Bildungs- und Kulturdezernentin Eva Bender, Regionsbrandmeister Sebastian Osterwald sowie Kersten Enke, ehemaliger Leiter der Johanniter-Akademie Niedersachsen/Bremen.

Eigenvorsorge wird wichtiger Bestandteil des Systems

Daniela Behrens machte deutlich, dass moderne Krisenbewältigung nur im Zusammenspiel verschiedener Ebenen funktioniere. Neben staatlichen Behörden und Einsatzorganisationen rücke zunehmend auch die Eigenvorsorge der Bevölkerung in den Fokus.

„Angesichts hybrider Kriegsführung und klimabedingter Extremwetterlagen müssen wir die Bevölkerung in die Lage versetzen, sich im Notfall für eine gewisse Zeit selbst zu versorgen“, erklärte Behrens. Konkret bedeute das, dass Haushalte vorbereitet sein sollten – etwa durch Vorräte an Trinkwasser und Lebensmitteln sowie grundlegende Kenntnisse in Erster Hilfe.

Die Ministerin betonte zudem, dass funktionierende Strukturen im Bevölkerungsschutz nur dann dauerhaft belastbar seien, wenn sie durch ein Zusammenspiel aller Beteiligten getragen würden.

Feuerwehren und Hilfsorganisationen als zentrale Säule

Welche Rolle Einsatzkräfte im Ernstfall spielen, erläuterte Regionsbrandmeister Sebastian Osterwald. Feuerwehren und Hilfsorganisationen bildeten das Rückgrat der Gefahrenabwehr, getragen von vielen haupt- und ehrenamtlichen Kräften.

„In der Blaulichtfamilie gibt es sehr viele Engagierte und ein gutes Fundament. Was wir brauchen, ist eine stärkere gemeinsame Strategie“, so Osterwald. Ziel sei eine bessere Abstimmung zwischen den einzelnen Organisationen, um im Krisenfall schneller und effizienter reagieren zu können.

Veränderte Einsatzlagen durch neue Krisen

Auch die Praxis der Hilfsorganisationen hat sich laut Kersten Enke deutlich verändert. Einsätze seien heute vielfältiger und unberechenbarer als noch vor einigen Jahren.

Er verwies unter anderem auf großflächige Hochwasserlagen sowie auf einen jüngsten Stromausfall in Berlin, der die Abhängigkeit moderner Infrastruktur deutlich gemacht habe. Die Einsatzkräfte müssten sich deshalb auf ein breiteres Spektrum an Szenarien einstellen.

Bevölkerungsschutz soll Teil der Bildung werden

Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion war die Frage, wie Wissen über Krisenvorsorge früh vermittelt werden kann. Die Johanniter sowie mehrere Teilnehmende sprachen sich dafür aus, Themen wie Selbstschutz und Katastrophenschutz stärker im Schulunterricht zu verankern.

Eva Bender betonte die Bedeutung frühzeitiger Aufklärung: „Katastrophenschutz darf kein Angstthema sein.“ Über Schulen könne man nahezu alle Kinder und Jugendlichen erreichen und grundlegende Kompetenzen vermitteln. „Aus meiner Sicht gehört der Bevölkerungsschutz ins Curriculum“, so Bender weiter.

Landesweite Kampagne geplant

Das Land Niedersachsen plant zudem eine Kampagne, um die Bevölkerung stärker für Krisenvorsorge zu sensibilisieren. Ziel ist es, praktische Hinweise zum Selbstschutz zu geben und das Bewusstsein für mögliche Notlagen zu stärken.

Auch Hilfsorganisationen sehen sich dabei in einer Vermittlerrolle. Kersten Enke erklärte: „Wir verstehen uns nicht nur als Leistungserbringer, sondern als eine Brücke in die Gesellschaft. Jeder einzelne von uns wirkt in seinem Umfeld als Multiplikator.“

Die Diskussion in Langenhagen hat verdeutlicht, dass Bevölkerungsschutz zunehmend als gemeinsame Aufgabe von Staat, Einsatzorganisationen und Gesellschaft verstanden wird. Angesichts steigender Krisenrisiken gewinnt insbesondere die private Vorsorge an Bedeutung, um die Belastbarkeit des Gesamtsystems zu stärken.

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