31 Verfahren nach Versammlungen und nächtlichen Einsätzen
Hannover – (KI/redaktionell geprüft). Angriffe mit Böllern, Brände und Sachbeschädigungen haben die Polizei Hannover am Samstag, 31. Oktober 2026, beschäftigt. Neben dem Halloween-Geschehen begleiteten Einsatzkräfte fünf Versammlungen, darunter den Aufzug „Gen Z regelt: Jugendprotest gegen Militarisierung“ mit bis zu 5.800 Teilnehmenden. Nach ihrer vorläufigen Gesamtbilanz leitete die Polizei 31 Ermittlungs- und Ordnungswidrigkeitenverfahren ein.
Besonders gefährliche Gegenstände stellten Einsatzkräfte bei Kontrollen in Ricklingen sicher: Dort entdeckten sie nach eigenen Angaben mehrfach selbst gebaute Spreng- und Brandvorrichtungen. Zwei Jugendliche wurden als Beschuldigte ermittelt. Zugleich betonte die Einsatzleitung, dass die meisten Menschen friedlich gefeiert oder an Versammlungen teilgenommen hätten.
„Gen Z regelt“ mehrfach für Kontrollen gestoppt
Die größte Demonstration des Tages begann auf dem Ernst-August-Platz. Der Start verzögerte sich nach Angaben der Polizei, weil einige Teilnehmende ihre Gesichter verdeckt hatten und die Vermummungen zunächst ablegen mussten. Auch im weiteren Verlauf stellte die Polizei wiederholt Vermummungen fest.
Der Aufzug führte mit einer Zwischenkundgebung am Steintorplatz zum Klagesmarkt. Unterwegs wurden laut Polizei mehrfach Nebeltöpfe und Pyrotechnik gezündet. Einsatzkräfte stellten die Identitäten einzelner Personen fest, die dafür verantwortlich gewesen sein sollen. Dazu wurde der Demonstrationszug mehrmals kurzzeitig angehalten.
Im Bereich der Abschlusskundgebung auf dem Klagesmarkt kontrollierte die Polizei eine Frau, die dort Pyrotechnik gezündet haben soll. Aus der Versammlung heraus gab es Solidaritätsbekundungen. Gegen 17:20 Uhr bildeten 33 ehemalige Teilnehmende eine Spontanversammlung, die nach fünf Minuten endete.
Nach Abschluss der Hauptversammlung zündeten einzelne Personen erneut Pyrotechnik. Zwei Polizeibeamte wurden nach Angaben der Behörde mit Böllern beworfen. Einer erlitt leichte Verletzungen, blieb jedoch dienstfähig. Die Verantwortlichen konnten bislang nicht ermittelt werden.
Gegen die Versammlungsleitung leitete die Polizei ein Ordnungswidrigkeitenverfahren ein. Sie begründet dies mit einer aus ihrer Sicht unzureichenden Zahl an Ordnern. Die Leitung habe deshalb nur begrenzt auf die Versammlung einwirken können; entsprechende Aufgaben hätten teilweise von der Polizei übernommen werden müssen. Bereits im Kooperationsgespräch am Vortag sei auf eine ausreichende Ordnerzahl hingewiesen worden.
Den Einsatz ihrer Konfliktmanager bewertete die Polizei hingegen positiv. Viele kleinere Störungen hätten durch Gespräche gelöst werden können, ohne dass weitere Maßnahmen notwendig geworden seien.
Polizeikette trennt Demonstrationszug und Biker-Gruppierung
Zwischen Steintor und Ernst-August-Platz stellte die Polizei etwa 30 bis 50 Personen fest, die sie dem Umfeld einer Biker-Gruppierung zuordnet. Sie trugen einheitliche weiße Armbinden mit einer markanten Aufschrift. Ein Teil bewegte sich nach Polizeiangaben in Richtung des Startortes der Demonstration.
Einsatzkräfte kontrollierten eine Gruppe in der Bahnhofstraße und zwei weitere Kleingruppen in der Fußgängerzone. Bei einer Gefährderansprache gegenüber einem führenden Mitglied erklärte die Polizei, ein geschlossenes Auftreten mit den Armbinden in der Innenstadt nicht zu dulden. Anschließend wurden die Armbinden laut Mitteilung abgelegt.
Als die Demonstration später einen Pub am Steintor passierte, hielten sich weitere Angehörige der Gruppierung in und vor dem Lokal auf. Streifenwagen und eine Polizeikette trennten beide Gruppen räumlich und optisch voneinander. Zu Störungen des Aufzugs kam es nach Polizeiangaben nicht.
Flaggendiebstahl versucht – Polizei schützt Iran-Kundgebung
Die Versammlung „Gegen das Trans-Register in BW“ begann nach einer Verzögerung um 13:20 Uhr an der Lutherkirche. Mit zunächst 50 Personen zog sie zum Abschlusskundgebungsort Am Küchengarten. Der Verlauf blieb nach Angaben der Polizei störungsfrei.
Gegen 15 Uhr stellten Einsatzkräfte am Kröpcke, Ecke Bahnhofstraße, eine nicht angezeigte Versammlung unter dem Titel „Menschenrechte im Iran“ fest. Fünf bis zehn Menschen zeigten dort Plakate und Flaggen. Gegen die Versammlungsleitung wurde wegen der fehlenden Anzeige ein Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet.
Im Verlauf versuchten Unbekannte laut Polizei, eine Flagge zu stehlen. Zwei Jugendliche sollen außerdem einen Teilnehmer beleidigt haben. Die Versammlung wurde bis zu ihrem Ende gegen 16:10 Uhr durchgehend von der Polizei begleitet und geschützt.
Eine weitere Spontanversammlung fand ab 20:15 Uhr gegenüber dem Polizeikommissariat Mitte statt. Neun Jugendliche im Alter von 13 bis 16 Jahren hielten dort eine Mahnwache ab. Anlass war die Inobhutnahme eines zehnjährigen Kindes, das nach Angaben der Polizei am Steintor einen Sprengkörper gegen Einsatzkräfte geworfen hatte. Die Mahnwache verlief störungsfrei und endete gegen 21 Uhr.
Gefährliche Spreng- und Brandvorrichtungen in Ricklingen entdeckt
Der parallel laufende Halloween-Einsatz erstreckte sich vom Nachmittag bis in die Nacht. Während es in der Innenstadt am späten Nachmittag zunächst ruhig blieb, wurden in Ricklingen wiederholt Böller gezündet. Dort fielen der Polizei auch vermummte Gruppen auf.
Bei Kontrollen fanden Einsatzkräfte die selbst gebauten Spreng- und Brandvorrichtungen. Gesamteinsatzleiter Tobias Giesbert warnte vor deren Gefährlichkeit. Nach seiner Einschätzung hätten sie bei einer Zündung oder beim Auftreffen auf Menschen schwerste bis tödliche Verletzungen verursachen können.
Eine gemeldete Gruppe von etwa 100 Personen mit Fackeln auf dem Mühlenberger Markt traf die Polizei vor Ort nicht mehr an. In der Gronostraße hatten Unbekannte einen Kleinst-Pkw auf der Fahrbahn auf das Dach gedreht. Für die Bergung wurde ein Abschleppfahrzeug angefordert.
Einsatzkräfte unterstützten außerdem das Polizeikommissariat Ronnenberg, nachdem dort Kinder mit Böllern beworfen worden waren. Die Mitteilung nennt in diesem Zusammenhang die Festnahme eines Beschuldigten und die Sicherstellung mehrerer verbotener Böller.
Brände und Angriffe auf Einsatzkräfte
In Vahrenheide brannten mehrere Container, in Misburg ein Wohnmobil. Polizeikräfte sicherten jeweils die Löscharbeiten der Berufsfeuerwehr ab. In der Vogelsbergstraße wurden Einsatzkräfte nach Polizeiangaben gezielt mit Böllern beworfen.
An der Haltestelle Alte Heide beschädigten Unbekannte die Straßenbeleuchtung. Als die Polizei eine rund 30-köpfige Gruppe kontrollieren wollte, leisteten einige Personen laut Mitteilung Widerstand. Während die Personalien aufgenommen wurden, besprühten Jugendliche einen Streifenwagen mit Farbe.
An der Noltemeyerbrücke traf die Polizei sechs bis sieben Jugendliche an, die zuvor Fahrradschlösser aufgebrochen und die Räder in den Mittellandkanal geworfen haben sollen. Nach einem weiteren Containerbrand im Bereich Leipziger Straße/Dresdener Straße wurden gegen 23 Uhr drei jugendliche Tatverdächtige vorläufig festgenommen.
Einbruch in Geschäft – Feuerlöscher auf fahrendes Taxi geworfen
In der Karmarschstraße brachen am Abend zwei nach Polizeiangaben jugendliche Tatverdächtige in ein Bekleidungsgeschäft ein. Sie entkamen unerkannt mit gestohlener Kleidung. Spät in der Nacht waren die Straßen der Innenstadt nach Darstellung der Polizei weitgehend leer.
In Laatzen beschädigten Jugendliche laut Einsatzbilanz mehrere geparkte Autos auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums. In der Marktstraße warfen unbekannte Jugendliche einen Feuerlöscher auf ein fahrendes Taxi. Zudem gingen Meldungen über Gruppen böllernder Jugendlicher im Bereich der Pappelallee ein.
Neben den Einsätzen bot die Polizei mit ihrem „Gaming-Koffer“ ein digitales Präventions- und Betreuungsangebot an. Nach ihren Angaben nutzten bis zu 50 Jugendliche das Angebot gleichzeitig. Insgesamt wurden rund 150 Jugendliche betreut.
189 Durchsuchungen: Polizei legt vorläufige Einsatzbilanz vor
Für den Einsatztag verzeichnet die Polizei 189 Personendurchsuchungen und 43 Gefährderansprachen. Hinzu kamen 16 Sicherstellungen beziehungsweise Beschlagnahmen. Zur Durchsetzung von Maßnahmen setzten Einsatzkräfte nach eigenen Angaben 55-mal körperliche Gewalt durch Schieben ein; außerdem wurden fünf Fesselungen vorgenommen.
Die 31 Ermittlungs- und Ordnungswidrigkeitenverfahren gliedern sich laut Polizei in:
- zehn Verstöße gegen das Waffengesetz,
- sechs Verstöße gegen die Sprengstoffverordnung,
- fünf Ordnungswidrigkeiten nach dem Versammlungsgesetz,
- zwei Widerstandshandlungen,
- einen tätlichen Angriff auf Einsatzkräfte,
- zwei Sachbeschädigungen,
- fünf sonstige Straftaten.
Einsatzleiter Tobias Giesbert bilanziert: „Der überwiegende Teil der Bevölkerung war friedlich unterwegs, um Halloween zu feiern oder Versammlungsrechte wahrzunehmen. Dennoch hat dieser intensive Einsatztag unseren Polizeibeamten viel abverlangt. Es ist völlig inakzeptabel, dass Unbeteiligte durch Böllerwürfe gefährdet und Einsatzkräfte mit Pyrotechnik beworfen wurden. Auch Sachbeschädigungen und Angriffe jeglicher Art tolerieren wir keinesfalls. Sie werden konsequent strafrechtlich verfolgt. Mein Dank gilt allen Polizeibeamten für ihren unermüdlichen Einsatz bis tief in die Nacht“.










