USA und China bauen ihren Vorsprung aus
Berlin – (KI/redaktionell geprüft). Die Investitionen in deutsche Rechenzentren steigen nach Angaben des Digitalverbands Bitkom 2026 auf 23,5 Milliarden Euro – 57 Prozent mehr als im Vorjahr. Künstliche Intelligenz lässt den Bedarf an Rechenleistung wachsen und könnte bis 2035 gemeinsam mit Hochleistungsrechnen mehr als die Hälfte der deutschen Kapazitäten beanspruchen. Trotz des Ausbaus erwartet der Verband, dass die USA und China ihren Vorsprung weiter vergrößern.
Die Zahlen stammen aus der am 3. November vorgestellten Studie „Rechenzentren in Deutschland 2026: Zahlen, Trends und Perspektiven im internationalen Vergleich“. Für Deutschland prognostiziert sie bis 2035 einen Anstieg der gesamten IT-Anschlussleistung von derzeit 3.300 auf rund 9.700 Megawatt. Für die USA werden dann 160 Gigawatt, für China 90 Gigawatt und für Europa insgesamt 37 Gigawatt erwartet.

Bereits 2025 verfügten die USA laut Studie über rund 47 Gigawatt und China über 22 Gigawatt Rechenzentrumskapazität. Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst sieht darin eine Herausforderung für den deutschen KI-Standort: „Der KI-Wettbewerb ist auch ein Wettbewerb um Rechenleistung. Wer bei der Infrastruktur zurückfällt, verliert auch bei KI schnell den Anschluss. Deutschland ist Europas größter Rechenzentrumsstandort, doch die USA und China bauen ihre Kapazitäten in einer völlig anderen Größenordnung aus“.
Der größte Teil der Investitionen fließt in IT-Hardware
Von den für 2026 genannten 23,5 Milliarden Euro entfallen rund 18 Milliarden Euro auf Server, Speicher und weitere IT-Hardware. Weitere 5,5 Milliarden Euro werden nach Bitkom-Angaben in Gebäude und Gebäudetechnik investiert. Im Vorjahr waren es insgesamt 15 Milliarden Euro, davon zwölf Milliarden für Hardware und drei Milliarden für Gebäude und Technik. 2024 lag die Gesamtsumme bei 12,9 Milliarden Euro.
Deutschland zählt der Studie zufolge gut 2.000 Rechenzentren mit mehr als 100 Kilowatt Anschlussleistung. Rund 100 davon überschreiten die Marke von fünf Megawatt. Diese großen Anlagen vereinen inzwischen 52 Prozent der gesamten IT-Anschlussleistung auf sich.
Die Anschlussleistung stieg 2025 um rund neun Prozent auf 2.980 Megawatt und erreicht laut Bitkom 2026 etwa 3.300 Megawatt. Gegenüber den 1.660 Megawatt von 2015 hat sie sich damit nahezu verdoppelt.
KI und Cloud bestimmen den weiteren Ausbau
Für KI und High Performance Computing, also Hochleistungsrechnen, werden der Studie zufolge 2026 rund 20 Prozent der deutschen Rechenzentrumskapazität genutzt. Bis 2035 soll der Anteil auf 55 Prozent steigen. Die dafür benötigte Anschlussleistung würde von derzeit 670 auf rund 5.300 Megawatt wachsen.

Die befragten Betreiber sowie Fachleute erwarten für Deutschland besondere Schwerpunkte: 68 Prozent rechnen vor allem mit dem Training kleinerer KI-Modelle. 54 Prozent sehen Forschungseinrichtungen als wichtigen Treiber. 46 Prozent erwarten eine besondere Rolle bei „Industrial AI“, dem Einsatz künstlicher Intelligenz in Maschinen, Anlagen und industriellen Prozessen.
Auch Cloud-Angebote tragen zum Wachstum bei. Die Anschlussleistung der Cloud-Rechenzentren soll laut Studie von rund 1.900 Megawatt im Jahr 2026 auf 3.258 Megawatt 2030 und 6.017 Megawatt 2035 steigen.
Hessen führt, Brandenburg baut deutlich aus
Hessen bleibt nach den Studienangaben mit rund 1.200 Megawatt IT-Anschlussleistung der größte deutsche Rechenzentrumsstandort. Bayern folgt mit rund 440 Megawatt, Nordrhein-Westfalen mit rund 390 Megawatt. In Hessen befinden sich weitere 2.000 Megawatt Kapazität im Bau.

Besonders stark fällt der geplante Zuwachs in Brandenburg aus: Einer bestehenden Anschlussleistung von rund 104 Megawatt stehen laut Bitkom 1.301 Megawatt im Bau gegenüber. Nordrhein-Westfalen kommt auf weitere 450 Megawatt im Bau. Wintergerst verweist auf die Bedeutung des Raums Frankfurt-Rhein-Main und auf neue Schwerpunktregionen im Norden Deutschlands. Rechenzentren könnten aus Sicht des Verbandes auch Ansiedlungen von Netzbetreibern, Cloud-Anbietern und IT-Dienstleistern begünstigen.
Im europäischen Vergleich liegt Deutschland 2026 laut Studie mit 3,3 Gigawatt vor Großbritannien mit 2,9 Gigawatt. Frankreich erreicht zwei Gigawatt, Irland 1,7 Gigawatt.
Strombedarf steigt trotz effizienterer Technik
Rechenzentren und kleinere IT-Installationen benötigen nach Bitkom-Angaben 2026 in Deutschland rund 23 Milliarden Kilowattstunden Strom. Für 2030 erwartet der Verband einen Verbrauch von 35 bis 38 Milliarden Kilowattstunden, für 2035 von 56 bis 70 Milliarden Kilowattstunden.
Zugleich werden die Anlagen effizienter. Der durchschnittliche PUE-Wert deutscher Rechenzentren sank der Studie zufolge von 1,63 im Jahr 2020 auf 1,42 im Jahr 2026. Dieser Wert beschreibt das Verhältnis zwischen dem gesamten Energieverbrauch eines Rechenzentrums und dem Verbrauch seiner IT-Systeme. Der zusätzliche Bedarf für Kühlung und weitere Infrastruktur hat sich im Verhältnis zum IT-Verbrauch damit um rund ein Drittel verringert.
Fortschritte gibt es laut Bitkom auch bei der Hardware: Moderne Server arbeiteten bis zu dreimal so energieeffizient wie Systeme aus dem Jahr 2021. Bei den im EU-Register erfassten deutschen Rechenzentren sank außerdem der WUE-Wert von 0,55 im Jahr 2023 auf 0,4 im Jahr 2025. Dieser beschreibt den Wasserverbrauch im Verhältnis zum Energieverbrauch der IT-Ausstattung.
Verband fordert günstigeren Strom und schnellere Genehmigungen
Trotz des Wachstums sieht Bitkom das politische Ausbauziel für 2030 gefährdet. Die aktuelle Trendprognose bleibe hinter der von der Bundesregierung angestrebten Verdopplung der Kapazitäten zurück. In der Branchenbefragung bewerten zwar 66 Prozent die Rechenzentrumsstrategie positiv für den Standort. Nur 33 Prozent halten die Ausbauziele jedoch für ausreichend ambitioniert, lediglich 20 Prozent erwarten eine rasche Umsetzung.
Der Verband fordert eine verlässliche Stromversorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen, einen schnelleren Netzausbau und eine effizientere Vergabe von Netzanschlüssen. Außerdem sollen geeignete Flächen ausgewiesen und Planungs- sowie Genehmigungsverfahren vereinfacht, digitalisiert und beschleunigt werden.
Bei Energieeffizienz und Abwärmenutzung setzt sich Bitkom für europaweit abgestimmte und aus Sicht der Betreiber praktikable Vorgaben ein. Die Abwärme von Rechenzentren solle stärker in die kommunale Wärmeplanung einbezogen und ihre Nutzung für Abnehmer wirtschaftlich attraktiver werden. Beim Kühlen fordert der Verband, Wasser- und Energieverbrauch gemeinsam zu betrachten und wassersparende Technik zu unterstützen.










