Impfpate bei der Arbeit: „Wir möchten den Leuten die Angst nehmen“

Symbolbild - © Carl-Marcus Müller

Hannover (pm).

Auf dem hannoverschen Messegelände nimmt der Impfbetrieb in Halle 25 Fahrt auf. Die ersten über 80-Jährigen, die zu Hause leben, erhalten dort ihre Corona-Schutzimpfung. Für viele der Senior*innen sind damit aber nicht alle Probleme gelöst. Die Flut an wichtigen Informationen zur Impfung, die Organisation eines Impftermins und die Frage der Beförderung überwältigt und verunsichert viele Betroffene. An dieser Stelle setzen ehrenamtliche Impfpat*innen an, die Ratsuchenden auf verschiedenen Ebenen Hilfestellung leisten.

Senior*innen aus Hannover, die 80 Jahre oder älter sind und die Hilfe und Informationen rund um ihren eigenen Impftermin benötigen, unterstützt der Kommunale Seniorenservice Hannover (KSH). In Kooperation mit dem Stadtkirchenverband und dem Diakonischen Werk Hannover sowie dem Freundeskreis Hannover e.V. vermittelt der KSH bei Bedarf Impfpat*innen. Etwa 90 Freiwillige informieren Ratsuchende zum Thema Impfung. „Wir sind überwältigt von der enormen Resonanz bei denjenigen, die unser Projekt unterstützen wollen – wir sind dankbar für die Hilfsbereitschaft“, lobt Martina Herr vom KSH das bisherige Engagement. Die Impfpat*innen beantworten Fragen zu den Unterlagen, die für einen Impftermin erforderlich sind, oder unterstützen bei der Organisation der Anreise zum Impfzentrum. Einer der freiwilligen Ansprechpartner*innen ist Thomas Hermann, Bürgermeister der Landeshauptstadt und Ratsvorsitzender. Er begrüßt das Impfpat*innen-Projekt und sieht es als ansprechendes Angebot, das den Senior*innen den gesamten Prozess der Impfung erleichtert. „Wir möchten den Menschen mit Rat und Tat zur Seite stehen und ihnen mögliche Ängste nehmen. Das geht im persönlichen Gespräch am besten“, findet der Bürgermeister.

Das Projekt knüpft an das Informationsschreiben zur Corona-Schutzimpfung an, das rund 35.000 hannoversche Senior*innen Anfang Februar erhalten haben. Das ist die Zahl derer, die aufgrund ihres Alters zur Prioritätengruppe 1 gehören und so als erstes die Impfung erhalten. Zunächst waren die Bewohner*innen in Alten- und Pflegeeinrichtungen an der Reihe. Knapp 7.500 Bewohner*innen bekamen Besuch von mobilen Impfteams. Die Impfpat*innen helfen dabei, die Informationen aus diesem Schreiben zu verstehen. Vor allem bei der Terminvereinbarung können sie behilflich sein. Zum Termin selbst können sie die Senior*innen zwar nicht begleiten, eine Beförderung kann jedoch vermittelt werden.

Seit dem 4. Februar nimmt der KSH mit seinen Sozialarbeiter*innen an 30 Telefonen Anrufe von Ratsuchenden entgegen – in der ersten Woche erreichten sie rund 1.000 Anrufe. Wenn das Anliegen der hilfesuchenden Person bei diesem ersten Anruf nicht geklärt werden kann, wird sie zur weiteren Beratung an eine*n der circa 90 Ehrenamtliche*n vermittelt. Diese kommen aus den Reihen des KSH selbst, vom Freundeskreis Hannover und auch von der Hochschule Hannover aus der Fakultät V (Diakonie, Gesundheit und Soziale Arbeit). Das bedeutet, auch junge Studierende, die mit den digitalen Medien der Kommunikation vertraut sind, setzen sich für ältere Mitmenschen ein und schaffen eine Verbindung zwischen den Generationen.

Besonders bei der Terminvereinbarung stellt diese Expertise der Impfpat*innen für Betroffene eine Erleichterung dar. Denn die Terminvergabe, die vom Land Niedersachsen organisiert wird und ausschließlich über die Telefon-Hotline und das Internetportal erfolgt, stellt viele Senior*innen auf die Probe. Aufgrund der hohen Nachfrage sind die Leitungen meist belegt, es gibt lange Warteschleifen und nicht für alle Hilfesuchenden sind die Schritte im Online-Impfportal selbsterklärend. So können die Impfpat*innen mit ihren Kompetenzen und dem entsprechenden Hintergrundwissen die Senior*innen bei dem ersten wichtigen Schritt in Richtung Schutzimpfung unterstützen.
Der KSH stellt den Freiwilligen eine sogenannte Toolbox zur Verfügung – das heißt, ein umfassendes Informationsblatt, das alle relevanten Informationen zum Thema Impfung enthält und das ständig aktualisiert wird. So sind alle Impfpat*innen stets auf dem gleichen Informationsstand und können die Senior*innen angemessen beraten. Die Toolbox werde als zentrales und flexibles Hilfsmittel bei der Verarbeitung täglich neuer Informationen sehr geschätzt, betont Martina Herr. „Und alle helfen mit, die Lücken zu füllen: die hauptamtlichen Mitarbeiter*innen und die ehrenamtlichen Impfpat*innen, die Verbesserungsvorschläge aus ihrer Praxis heraus unterbreiten“.
Alle Informationen aus der Toolbox sowie ein FAQ (häufig gestellte Fragen) werden auch frei zugänglich auf www.seniorenberatung-hannover.de veröffentlicht.

Die Impfpat*innen erklären allerdings nicht nur die Fakten und organisatorischen Aspekte zum Thema Schutzimpfung, sie leisten in ihren Telefonaten auch wichtige zwischenmenschliche Unterstützung. So wird Wert darauf gelegt, den Ratsuchenden auch einfach nur zuzuhören, sie zu ermutigen, wenn die Terminvergabe nicht direkt klappt und sich nach dem grundsätzlichen Wohlbefinden zu erkundigen. Denn gerade die aktuelle pandemische Lage mit ihren Kontaktbeschränkungen bringt für viele Senior*innen die soziale Isolation mit sich oder verschärft sie gar. Daher ist der persönliche Austausch von besonderer Bedeutung und kann der Unsicherheit vieler Betroffener entgegenwirken.

Bereits bevor die Impfpat*innen mobilisiert wurden, habe er zahlreiche Anrufe von Senior*innen erhalten, die Schwierigkeiten mit der Vereinbarung eines Impftermins oder Nachfragen zum Thema hatten, berichtet Thomas Hermann. Zusammen mit der Vielzahl der verzeichneten Anfragen in der ersten Woche des Projekts, verdeutliche das, wie wichtig und willkommen dieses Format sei. Nach der Erfahrung des Bürgermeisters waren es bisher durchweg positive Gespräche – das Projekt werde gut angenommen. Und obwohl nicht immer ein Impftermin vereinbart werden könne, sei für viele Senior*innen auch ein Platz auf der Warteliste eine Perspektive. „Die Impfpat*innen schaffen so durch ihren Einsatz für Betroffene in Hannover ein wenig Sicherheit in einer Zeit, die von Ungewissheit geprägt ist.“

Dafür bedankt sich auch Dagmar Vogt-Janssen, Leiterin des Fachbereichs Senioren der Landeshauptstadt: „Die Impfpat*innen unterstützen ältere Menschen mit viel Herz und Engagement. So gelingt es, dass Ängste abgebaut und Vertrauen geschaffen werden. Es ist eine wirklich sehr wertvolle Arbeit, die hier täglich geleistet wird!“

Zusatzinformationen:

Senior*innen, die 80 Jahre oder älter sind und Unterstützung zum Thema Corona-Schutzimpfung suchen, können sich montags bis donnerstags zwischen 9 und 16 Uhr und freitags von 9 bis 13 Uhr unter der Rufnummer 0511-168-42345 melden. Alternativ können sie eine E-Mail an impfpatinnen@hannover-stadt.de schreiben. Weitere Informationen sind zu finden auf www.seniorenberatung-hannover.de.
Über Beförderungsmöglichkeiten, die über das Land Niedersachsen abgerechnet werden können, gibt es Informationen über das Senior*innentelefon unter 0511-168-42345, per E-Mail unter impfpatinnen@hannover-stadt.de, auf der Internetseite www.seniorenberatung-hannover.de oder über die persönlichen Impfpat*innen.

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