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Jugendkriminalität in Niedersachsen sinkt leicht

Polizei - Statistik
Symbolbild: Polizei/Statistik - Quelle: Pixabay

PKS 2025 zeigt Rückgänge – Gewalt und Opferschutz bleiben im Fokus

Hannover. Die Jugenddelinquenz in Niedersachsen ist erneut rückläufig. Das geht aus der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) 2025 hervor, die am 30.06.2026 vorgestellt wurde. Trotz sinkender Fall- und Tatverdächtigenzahlen mahnt das Landeskriminalamt Niedersachsen zu einer differenzierten Betrachtung, insbesondere bei Gewalt, Messerangriffen und dem Schutz junger Menschen.

Die Auswertung macht deutlich: Während Eigentumsdelikte deutlich zurückgehen, bleiben Rohheits- und Raubdelikte, tatverdächtige Kinder sowie die Opferwerdung von Kindern und Jugendlichen zentrale Beobachtungsfelder für Polizei und Prävention.

Rückgang bei jungen Tatverdächtigen unter 21 Jahren

Im Jahr 2025 wurden in Niedersachsen insgesamt 506.634 Straftaten polizeilich registriert. Das entspricht einem Rückgang von 4,28 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch die Zahl der aufgeklärten Fälle sank auf 317.739.

Zu 56.643 aufgeklärten Fällen wurden junge Tatverdächtige unter 21 Jahren ermittelt. Das sind 9,71 Prozent weniger als im Jahr 2024. Insgesamt ging die Zahl junger Tatverdächtiger von 47.325 auf 45.173 zurück, ein Minus von 4,55 Prozent. Davon waren 33.728 männlich und 11.445 weiblich.

Die Ergebnisse wurden von LKA-Präsident Thorsten Massinger und Kriminalhauptkommissar Tilman Wesely aus dem Dezernat Forschung, Prävention und Jugend des Landeskriminalamt Niedersachsen vorgestellt.

Deutlicher Rückgang bei Diebstahlsdelikten

Besonders stark zeigt sich der Rückgang bei Eigentumsdelikten. Die Zahl junger Tatverdächtiger bei Diebstählen sank 2025 auf 11.738, was einem Minus von 12,55 Prozent entspricht.

Auch beim Ladendiebstahl ist ein klarer Rückgang erkennbar. Hier wurden 7.557 junge Tatverdächtige erfasst, 13,28 Prozent weniger als im Vorjahr.

Gewaltkriminalität bleibt auf hohem Niveau

Weniger deutlich fällt der Rückgang bei sogenannten Rohheitsdelikten aus, zu denen unter anderem Körperverletzung und Raub zählen. In diesem Deliktsbereich sank die Zahl junger Tatverdächtiger von 15.780 auf 15.243, ein Rückgang um 3,40 Prozent.

Bei Körperverletzungsdelikten verringerte sich die Zahl um 2,50 Prozent. Gleichzeitig bleibt die Zahl tatverdächtiger Kinder in diesem Bereich auf einem hohen Niveau. Bei Raubdelikten ist die Entwicklung nahezu konstant: 2025 wurden 1.329 junge Tatverdächtige registriert, im Jahr zuvor waren es 1.332.

Messerangriffe: Gesamtanstieg, aber Rückgang bei jungen Tatverdächtigen

Ein besonderes Augenmerk legt das LKA weiterhin auf Messerangriffe. Insgesamt wurden 2025 2.570 Tatverdächtige in diesem Zusammenhang erfasst, ein Anstieg um 3,55 Prozent.

Bei jungen Tatverdächtigen ging die Zahl jedoch von 718 auf 645 zurück. Innerhalb dieser Altersgruppe zeigt sich ein differenziertes Bild: Während die Zahl bei Jugendlichen und Heranwachsenden sank, stieg sie bei Kindern leicht von 121 auf 130 an.

Zitate der Polizeiführung

„Der Rückgang der Fall- und Tatverdächtigenzahlen ist erfreulich, aber kein Grund zur Entwarnung. Hinter den Zahlen stehen weiterhin junge Menschen, die früh mit Gewalt in Berührung kommen – als Tatverdächtige ebenso wie als Opfer. Gerade bei Rohheitsdelikten, tatverdächtigen Kindern und dem Schutz junger Opfer müssen wir früh, klar und abgestimmt handeln“, sagt Thorsten Massinger, LKA-Präsident.

Auch Kriminalhauptkommissar Tilman Wesely betont den präventiven Handlungsbedarf:
„Die Zahlen für 2025 zeigen grundsätzlich in die richtige Richtung. Gleichzeitig müssen tatverdächtige Kinder, Rohheitsdelikte und Gewalt im Schul- und Sozialraum weiterhin besonders aufmerksam beobachtet werden. Gerade bei Kindern und Jugendlichen braucht es angemessene Reaktionen auf Fehlverhalten und gemeinsame Anstrengungen in der Prävention. Einzelne Unterrichtseinheiten zur Prävention können ein Baustein sein, ersetzen aber keine konzeptionell angelegte, dauerhafte Zusammenarbeit von Schulen, Jugendhilfe, Justiz, Kommunen und Polizei.“

Schulkontext und Opferwerdung weiterhin relevant

Auch im schulischen Umfeld ist ein Rückgang festzustellen. Die Zahl polizeilich bekannter Straftaten sank von 5.350 auf 4.975 und liegt damit unter dem Niveau des Jahres 2019. Dennoch bleibt die Zahl tatverdächtiger Kinder, insbesondere bei Rohheitsdelikten, hoch.

Die Opferwerdung von Kindern und Jugendlichen bleibt ebenfalls ein zentrales Thema. Die Zahl minderjähriger Opfer sank leicht um 1,52 Prozent auf 24.419. Bei Kindern nahm die Opferzahl jedoch weiter zu. Besonders auffällig ist der Anstieg bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung: 4.054 minderjährige Opfer wurden registriert, ein Plus von 4,70 Prozent.

Einordnung der PKS-Daten

Die PKS bildet ausschließlich das polizeilich bekannte Hellfeld ab. Sie ist unter anderem abhängig vom Anzeigeverhalten, von Kontrollintensität, gesetzlichen Änderungen und statistischen Anpassungen. Monokausale Erklärungen lassen sich daraus nicht ableiten.

Als mögliche Einflussfaktoren nennt der Jahresbericht unter anderem auslaufende Effekte der Coronapandemie, gesellschaftliche Sensibilisierung für Gewalt, Veränderungen im Anzeigeverhalten sowie soziale, psychologische und ökonomische Rahmenbedingungen.

Prävention und neue Angebote

Die Polizei in Niedersachsen setzt weiterhin auf eine enge Verzahnung von Repression, Prävention und Forschung. Das LKA Niedersachsen hat dazu das Format „Onlineabend“ entwickelt, das erstmals am 29. September 2026 stattfinden soll. Zielgruppe sind Erziehungsberechtigte und pädagogische Fachkräfte, die niedrigschwellig über Risiken im digitalen Raum informiert werden sollen. Thematischer Schwerpunkt der ersten Veranstaltung ist Cybermobbing.

Die Teilnahme ist registrierungsfrei möglich unter: Onlineabend Cyberpolizei

„Wir sind ein wichtiger Teil des Netzwerks, Polizei allein kann Jugenddelinquenz allerdings nicht lösen. Wir müssen uns genau ansehen, wo es noch Hemmnisse zwischen Behörden und Institutionen gibt. Nur so können wir problematische Entwicklungen bei jungen Menschen erkennen, bevor aus einzelnen Straftaten kriminelle Karrieren werden“, sagt Thorsten Massinger.

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