Weiße Rauchentwicklung und stechender Geruch führten zu stundenlangem Einsatz an der Europastraße – Gefahrstoffbrand am Morgen
Lehrte. Ein ungewöhnlicher Gefahrstoffeinsatz hat am frühen Samstagmorgen eine Spedition in Lehrte lahmgelegt. Auf dem Betriebsgelände an der Europastraße kam es zu einer chemischen Reaktion in einer Wechselbrücke, die weißen Rauch, austretende Flüssigkeit und später auch Feuer verursachte. Rund 110 Einsatzkräfte waren mehrere Stunden im Einsatz.
Alarmierung und erste Maßnahmen
Um 3:56 Uhr wurden die Ortsfeuerwehr Lehrte sowie der Gerätewagen Messtechnik aus Höver zu einer sogenannten ABC-Erkundung alarmiert. Ein Mitarbeiter der Spedition hatte aus einer Wechselbrücke weißen Rauch aufsteigen sehen. Gleichzeitig trat eine durchsichtige Flüssigkeit aus, die einen stechenden Geruch verbreitete. Eine Kennzeichnung als Gefahrgut war an der Wechselbrücke nicht vorhanden.
Die ersten Einsatzkräfte bestätigten die Beobachtungen vor Ort. Auffällig war, dass die Flüssigkeit nach dem Auftreffen auf dem Boden Blasen bildete – ein Hinweis auf eine chemische Reaktion. Der Einsatzleiter erhöhte daraufhin die Alarmstufe auf ABC 1 und ließ zusätzliche Spezialkräfte nachalarmieren.
Räumung und Absperrung des Geländes
Aus Sicherheitsgründen wurde die angrenzende Lagerhalle geräumt und das betroffene Areal großräumig abgesperrt. Anhand der Ladepapiere konnten mehrere chemische Stoffe identifiziert werden, die sich in der Wechselbrücke befanden. Keiner der aufgeführten Stoffe passte jedoch eindeutig zu dem beobachteten Schadensbild.
Ein Trupp unter Chemikalienschutzanzügen begann, die austretende Flüssigkeit mit speziellem Chemikalienbinder abzustreuen. Parallel dazu setzte die Feuerwehr eine Drohne ein. Diese zeigte eine deutliche Wärmeentwicklung im Inneren der Wechselbrücke.
Eskalation zur Alarmstufe ABC 2
Um eine weitere Gefährdung zu vermeiden, wurde die Wechselbrücke mit einem Fahrzeug der Spedition aus dem Gebäude gezogen. Aufgrund der Lage erhöhte der Einsatzleiter die Alarmstufe auf ABC 2. Damit wurde der gesamte Gefahrgutzug der Region Hannover Ost nach Lehrte beordert.
Nach dem Öffnen der Wechselbrücke nahm die weiße Rauchentwicklung deutlich zu. Kurz darauf war auch ein erster Flammenschein sichtbar. Die Einsatzkräfte leiteten umgehend einen intensiven Löschangriff ein. Dabei kamen sowohl Pulver als auch Schaum zum Einsatz. Alle Trupps arbeiteten unter Chemikalienschutzanzügen, um sich vor möglichen Schadstoffen zu schützen.
Warnung an die Bevölkerung
Wegen der starken Rauchentwicklung wurden Anwohner in Lehrte zeitweise aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Zusätzlich alarmierte die Einsatzleitung den Teleskoplader der Berufsfeuerwehr Hannover sowie die Schnelleinsatzgruppe (SEG) Lehrte/Burgdorf des Deutschen Roten Kreuzes.
Mit Hilfe des Teleskopladers wurde die Wechselbrücke schrittweise entladen. Dieser kontrollierte Materialabtrag zeigte Wirkung: Das Feuer konnte zunehmend eingedämmt werden.
Einsatzende am späten Vormittag
Nachdem die Wechselbrücke vollständig entladen war, meldete die Feuerwehr „Feuer aus“. Die Warnmeldung für die Bevölkerung wurde aufgehoben. Gegen 11 Uhr stellten die Einsatzkräfte fest, dass von der Wechselbrücke und dem Brandgut keine akute Gefahr mehr ausging. Die Einsatzstelle wurde anschließend an die Verantwortlichen der Spedition übergeben.
Welche Chemikalien letztlich für die Reaktion und den Brand verantwortlich waren, konnte nicht abschließend geklärt werden. Verletzt wurde bei dem Einsatz niemand. Angaben zur Höhe des entstandenen Sachschadens liegen nicht vor.
Umfangreicher Kräfteeinsatz
Insgesamt waren rund 110 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst, der SEG des Roten Kreuzes und der Polizei im Einsatz. Der Vorfall zeigt, wie komplex und zeitintensiv ABC-Lagen auch ohne klare Gefahrgutkennzeichnung sein können.










