
Wissenschaft, Politik und Gesellschaft diskutieren Lehren aus der Corona-Krise
Hannover. Beim Abschlusssymposium des COVID-19 Forschungsnetzwerks Niedersachsen (COFONI) in Hannover wurden am 4. und 5. Juni 2026 zentrale Ergebnisse aus fünf Jahren Pandemieforschung vorgestellt. Rund 150 Teilnehmende aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft diskutierten dabei auch, wie sich Deutschland besser auf zukünftige Gesundheitskrisen vorbereiten kann.
Forschung für eine nie dagewesene Krise
Das Land Niedersachsen hatte COFONI im Oktober 2020 gegründet, um auf die Corona-Pandemie wissenschaftlich und strukturiert reagieren zu können. Ziel war es, nicht nur das Virus SARS-CoV-2 besser zu verstehen, sondern auch medizinische, gesellschaftliche und soziale Folgen der Pandemie umfassend zu untersuchen.
Das Netzwerk wurde von der Universitätsmedizin Göttingen koordiniert und mit rund 19 Millionen Euro durch das Land Niedersachsen gefördert. Insgesamt arbeiteten 25 Partnerinstitutionen in 38 Kooperationsprojekten zusammen.
Interdisziplinäre Forschung zu Virus und Folgen
Die Arbeiten reichten von molekularbiologischen Untersuchungen bis hin zu sozialwissenschaftlichen Analysen. Im Fokus standen unter anderem Immunmechanismen, Krankheitsverläufe und die Entwicklung möglicher therapeutischer Ansätze.
Prof. Dr. Wolfgang Brück eröffnete das Symposium und stellte die Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit heraus. Wissenschaftsminister Falko Mohrs würdigte COFONI als Beispiel für vernetzte, praxisnahe Forschung und betonte insbesondere die frühe Berücksichtigung von Long COVID im Forschungsprogramm.
Medizinische Erkenntnisse und neue Ansätze
In der biomedizinischen Forschung gelang es unter anderem, Antikörper zu identifizieren, die einen breiten Schutz bieten könnten. Zudem wurden Mechanismen untersucht, über die das Virus in Zellen eindringt, sowie bestehende Wirkstoffe auf ihre mögliche antivirale Wirkung geprüft.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Entwicklung von Tiermodellen und Laborsystemen unter Hochsicherheitsbedingungen. Dazu zählt auch ein altersabhängiges Hamstermodell, das besonders gefährdete Patientengruppen besser abbilden soll.
Long COVID und gesellschaftliche Folgen
Mit dem Auftreten von Long- und Post-COVID erweiterte sich der Forschungsverbund deutlich. Neben medizinischen Fragen rückten zunehmend soziale und gesellschaftliche Auswirkungen in den Mittelpunkt.
Prof. Dr. Christine S. Falk hob hervor, dass die Verbindung von klinischer Forschung und sozialwissenschaftlicher Perspektive die Sichtbarkeit postinfektiöser Erkrankungen deutlich erhöht habe.
Auch Prof. Dr. Berthold Vogel betonte die Folgen für Arbeitswelt und Gesellschaft. Viele Betroffene arbeiteten trotz Einschränkungen weiter, während gleichzeitig Vertrauensverluste in Teilen der Gesellschaft beobachtet wurden. Dies könne langfristig den gesellschaftlichen Zusammenhalt belasten.
Politik sieht Bedarf an strukturierten Antworten
Gesundheitsminister Dr. Andreas Philippi ordnete die Ergebnisse politisch ein. Die Pandemie habe gezeigt, wie komplex und langanhaltend die Folgen einer solchen Krise sein können. Daraus ergebe sich die Notwendigkeit interdisziplinärer Versorgungskonzepte und besserer Vorbereitung auf zukünftige Gesundheitskrisen.
Gesellschaftlicher Dialog im Mittelpunkt
Ein zentrales Element des Symposiums waren Diskussionsformate mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wissenschaft, Kirchen, Sozialverbänden sowie Patientengruppen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Dr. Christina Berndt (Süddeutsche Zeitung).
Im Fokus stand die Frage, welche Lehren aus der Pandemie gezogen wurden und wie belastbar gesellschaftliche und gesundheitliche Strukturen in künftigen Krisen sind.
Struktur des Forschungsnetzwerks
COFONI wurde von mehreren zentralen Forschungseinrichtungen getragen, darunter unter anderem die Universitätsmedizin Göttingen, die Medizinische Hochschule Hannover sowie das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung.
Ergänzt wurde das Netzwerk durch Universitäten und sozialwissenschaftliche Institute, die insbesondere die gesellschaftlichen Langzeitfolgen der Pandemie untersuchten. Eine zentrale Technologieplattform stellte Daten, Biobanken und methodische Ressourcen für alle Partner bereit.
Einordnung
COFONI gilt als eines der ersten groß angelegten, interdisziplinären Pandemieforschungsnetzwerke in Deutschland. Die Ergebnisse zeigen, dass die Auswirkungen von COVID-19 weit über medizinische Fragestellungen hinausgehen und auch langfristige gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen nach sich ziehen.
Weitere Informationen zum COVID-19 Forschungsnetzwerks Niedersachsen (COFONI) finden Sie hier.









