Start Hannover und Region Fünf Jahre Pandemieforschung in Niedersachsen: COFONI zieht Bilanz

Fünf Jahre Pandemieforschung in Niedersachsen: COFONI zieht Bilanz

COFONI-Abschlusssymposium in Hannover (v.l.n.r.; Reihe vorne): Falko Mohrs, Niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur (MWK), Dr. Andreas Philippi, Niedersächsischer Minister für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung, Prof. Dr. Maren von Köckritz-Blickwede, COFONI-Co-Sprecherin und Leiterin des Instituts für Biochemie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo), Prof. Dr. Berthold Vogel, Co-Vorsitzender des COFONI-Long-/Post COVID-Komitees und geschäftsführender Direktor des Soziologischen Forschungsinstituts Göttingen (SOFI); (v.l.n.r.; Reihe hinten): Prof. Dr. Jürgen Wienands, COFONI-Sprecher und Forschungsdekan der Medizinischen Fakultät an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), Prof. Dr. Wolfgang Brück, Sprecher des Vorstandes und Vorstand Forschung und Lehre der UMG, Prof. Dr. Klaus Osterrieder, Präsident der TiHo, Prof. Dr. Stefan Treue, Direktor des Deutschen Primatenzentrums – Leibniz-Institut für Primatenforschung (DPZ).
COFONI-Abschlusssymposium in Hannover (v.l.n.r.; Reihe vorne): Falko Mohrs, Niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur (MWK), Dr. Andreas Philippi, Niedersächsischer Minister für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung, Prof. Dr. Maren von Köckritz-Blickwede, COFONI-Co-Sprecherin und Leiterin des Instituts für Biochemie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo), Prof. Dr. Berthold Vogel, Co-Vorsitzender des COFONI-Long-/Post COVID-Komitees und geschäftsführender Direktor des Soziologischen Forschungsinstituts Göttingen (SOFI); (v.l.n.r.; Reihe hinten): Prof. Dr. Jürgen Wienands, COFONI-Sprecher und Forschungsdekan der Medizinischen Fakultät an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), Prof. Dr. Wolfgang Brück, Sprecher des Vorstandes und Vorstand Forschung und Lehre der UMG, Prof. Dr. Klaus Osterrieder, Präsident der TiHo, Prof. Dr. Stefan Treue, Direktor des Deutschen Primatenzentrums – Leibniz-Institut für Primatenforschung (DPZ). - Quelle: Universitätsmedizin Göttingen / Foto: anna junge

Wissenschaft, Politik und Gesellschaft diskutieren Lehren aus der Corona-Krise

Hannover. Beim Abschlusssymposium des COVID-19 Forschungsnetzwerks Niedersachsen (COFONI) in Hannover wurden am 4. und 5. Juni 2026 zentrale Ergebnisse aus fünf Jahren Pandemieforschung vorgestellt. Rund 150 Teilnehmende aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft diskutierten dabei auch, wie sich Deutschland besser auf zukünftige Gesundheitskrisen vorbereiten kann.

Forschung für eine nie dagewesene Krise

Das Land Niedersachsen hatte COFONI im Oktober 2020 gegründet, um auf die Corona-Pandemie wissenschaftlich und strukturiert reagieren zu können. Ziel war es, nicht nur das Virus SARS-CoV-2 besser zu verstehen, sondern auch medizinische, gesellschaftliche und soziale Folgen der Pandemie umfassend zu untersuchen.

Das Netzwerk wurde von der Universitätsmedizin Göttingen koordiniert und mit rund 19 Millionen Euro durch das Land Niedersachsen gefördert. Insgesamt arbeiteten 25 Partnerinstitutionen in 38 Kooperationsprojekten zusammen.

Interdisziplinäre Forschung zu Virus und Folgen

Die Arbeiten reichten von molekularbiologischen Untersuchungen bis hin zu sozialwissenschaftlichen Analysen. Im Fokus standen unter anderem Immunmechanismen, Krankheitsverläufe und die Entwicklung möglicher therapeutischer Ansätze.

Prof. Dr. Wolfgang Brück eröffnete das Symposium und stellte die Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit heraus. Wissenschaftsminister Falko Mohrs würdigte COFONI als Beispiel für vernetzte, praxisnahe Forschung und betonte insbesondere die frühe Berücksichtigung von Long COVID im Forschungsprogramm.

Medizinische Erkenntnisse und neue Ansätze

In der biomedizinischen Forschung gelang es unter anderem, Antikörper zu identifizieren, die einen breiten Schutz bieten könnten. Zudem wurden Mechanismen untersucht, über die das Virus in Zellen eindringt, sowie bestehende Wirkstoffe auf ihre mögliche antivirale Wirkung geprüft.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Entwicklung von Tiermodellen und Laborsystemen unter Hochsicherheitsbedingungen. Dazu zählt auch ein altersabhängiges Hamstermodell, das besonders gefährdete Patientengruppen besser abbilden soll.

Long COVID und gesellschaftliche Folgen

Mit dem Auftreten von Long- und Post-COVID erweiterte sich der Forschungsverbund deutlich. Neben medizinischen Fragen rückten zunehmend soziale und gesellschaftliche Auswirkungen in den Mittelpunkt.

Prof. Dr. Christine S. Falk hob hervor, dass die Verbindung von klinischer Forschung und sozialwissenschaftlicher Perspektive die Sichtbarkeit postinfektiöser Erkrankungen deutlich erhöht habe.

Auch Prof. Dr. Berthold Vogel betonte die Folgen für Arbeitswelt und Gesellschaft. Viele Betroffene arbeiteten trotz Einschränkungen weiter, während gleichzeitig Vertrauensverluste in Teilen der Gesellschaft beobachtet wurden. Dies könne langfristig den gesellschaftlichen Zusammenhalt belasten.

Politik sieht Bedarf an strukturierten Antworten

Gesundheitsminister Dr. Andreas Philippi ordnete die Ergebnisse politisch ein. Die Pandemie habe gezeigt, wie komplex und langanhaltend die Folgen einer solchen Krise sein können. Daraus ergebe sich die Notwendigkeit interdisziplinärer Versorgungskonzepte und besserer Vorbereitung auf zukünftige Gesundheitskrisen.

Gesellschaftlicher Dialog im Mittelpunkt

Ein zentrales Element des Symposiums waren Diskussionsformate mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wissenschaft, Kirchen, Sozialverbänden sowie Patientengruppen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Dr. Christina Berndt (Süddeutsche Zeitung).

Im Fokus stand die Frage, welche Lehren aus der Pandemie gezogen wurden und wie belastbar gesellschaftliche und gesundheitliche Strukturen in künftigen Krisen sind.

Struktur des Forschungsnetzwerks

COFONI wurde von mehreren zentralen Forschungseinrichtungen getragen, darunter unter anderem die Universitätsmedizin Göttingen, die Medizinische Hochschule Hannover sowie das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung.

Ergänzt wurde das Netzwerk durch Universitäten und sozialwissenschaftliche Institute, die insbesondere die gesellschaftlichen Langzeitfolgen der Pandemie untersuchten. Eine zentrale Technologieplattform stellte Daten, Biobanken und methodische Ressourcen für alle Partner bereit.

Einordnung

COFONI gilt als eines der ersten groß angelegten, interdisziplinären Pandemieforschungsnetzwerke in Deutschland. Die Ergebnisse zeigen, dass die Auswirkungen von COVID-19 weit über medizinische Fragestellungen hinausgehen und auch langfristige gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen nach sich ziehen.

Weitere Informationen zum COVID-19 Forschungsnetzwerks Niedersachsen (COFONI) finden Sie hier.

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