Gestohlener Gelenkbus rast durch Hannover und Region – Verletzte und Schäden
Hannover / Region. Eine gefährliche Irrfahrt mit einem tonnenschweren Linienbus hat am Donnerstag, 25. Juni 2026, Polizei und Rettungskräfte in Hannover und der Region in Atem gehalten. Zwei Jugendliche stahlen einen Gelenkbus und fuhren damit stundenlang durch Stadtteile, über Bundesstraßen und Autobahnen. Die Fahrt endete erst nach mehreren Unfällen, einer verletzten Radfahrerin und einer groß angelegten Fahndung.
Diebstahl fällt zufällig auf
Gegen 14:35 Uhr nahm der Halter eines weißen Gelenkbusses mit auffälliger blauer Aufschrift Kontakt zur Polizei auf. Ein Bekannter hatte das Fahrzeug an der Stadtbahnhaltestelle „Zentrum“ in Langenhagen gesehen und war stutzig geworden, da die Personen am Steuer extrem jung wirkten. Er fertigte Fotos an und informierte den Eigentümer. Zu diesem Zeitpunkt war der Bus bereits unbemerkt von seinem Abstellort im Industrieweg in Hannover entwendet worden.
Die Polizei leitete umgehend eine Fahndung ein. Nach einer aufwendigen Großfanhndung gelang es einer Streifenwagenbesatzung des Polizeikommissariats Lahe, den gestohlenen Gelenkbus auf der Podbielskistraße in Höhe des Paracelsuswegs zu stoppen.
Minderjährige gestehen stundenlange Spritztour
Am Steuer saß ein 14-jähriger Jugendlicher aus Lehrte. Nach seiner vorläufigen Festnahme räumte er ein, den Bus gemeinsam mit einem 15-Jährigen aus Hannover gestohlen zu haben. Nach eigenen Angaben waren die beiden rund vier Stunden lang im nördlichen Hannover, in Langenhagen sowie auf mehreren Bundesautobahnen unterwegs. Nach Abschluss aller Maßnahmen übergab die Polizei die Jugendlichen an ihre Erziehungsberechtigten.
Unfälle, Fahrerflucht und Beinahe-Kollisionen
Die Ermittlungen zeigen, dass die Fahrt erhebliche Folgen hatte. Auf der Podbielskistraße erfasste der Bus eine 38-jährige Radfahrerin. Die Frau wurde leicht verletzt und musste in ärztliche Behandlung. Zudem prallte der Gelenkbus gegen einen parkenden Lastwagen. Trotz der Kollisionen setzten die Jugendlichen ihre Fahrt fort, ohne anzuhalten oder Hilfe zu leisten.
Besonders gefährlich wurde die Irrfahrt an der Kreuzung Ferdinand-Wallbrecht-Straße / Podbielskistraße. Dort bog der 14-Jährige mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit ab. Es kam zu einer akuten Gefahrensituation mit einem Auto und einem Radfahrer, ein schwerer Unfall konnte nur knapp vermieden werden.
Darüber hinaus gab der Jugendliche an, im Bereich der Büttnerstraße mit dem Außenspiegel eine Laterne sowie einen parkenden Pkw touchiert zu haben. Die Polizei suchte daraufhin gezielt nach weiteren Schäden im Umfeld.
Umfangreiche Strafverfahren eingeleitet
Gegen die beiden Jugendlichen wurden mehrere Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die Vorwürfe reichen von Kraftfahrzeugdiebstahl über mehrfaches unerlaubtes Entfernen vom Unfallort in Verbindung mit fahrlässiger Körperverletzung bis hin zur Gefährdung des Straßenverkehrs und dem Fahren ohne Fahrerlaubnis.
Da nicht ausgeschlossen werden kann, dass es während der vierstündigen Fahrt zu weiteren Gefährdungen oder Sachschäden kam, bittet die Polizei nun die Bevölkerung um Mithilfe.
Polizei sucht Zeugen und Geschädigte
Wer den weißen Gelenkbus mit blauer Aufschrift am Donnerstag zwischen etwa 10:30 Uhr und 14:35 Uhr im Bereich Hannover, Langenhagen oder auf umliegenden Autobahnen gesehen hat, durch dessen Fahrweise gefährdet wurde oder frische Schäden an Fahrzeugen oder Straßeneinrichtungen festgestellt hat, wird gebeten, sich beim Polizeikommissariat Lehrte unter der Telefonnummer 05132 827115 zu melden.
Einordnung
Der Fall verdeutlicht das enorme Gefahrenpotenzial, das von schweren Fahrzeugen ausgeht, wenn sie unbefugt und ohne Fahrerlaubnis geführt werden. Nach Einschätzung der Polizei handelte es sich um eine hochriskante Fahrt, bei der zahlreiche Verkehrsteilnehmende nur knapp unverletzt blieben.










