
Projekt XeNid erforscht Xenotransplantation bei Organmangel
Hannover – (KI/redaktionell geprüft). Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) startet mit „Xenotransplantation in Niedersachsen“ (XeNid) ein neues Forschungsprojekt zur Nutzung genetisch veränderter Schweineorgane in der Transplantationsmedizin. Das auf vier Jahre angelegte Vorhaben wird nach Angaben der MHH im Programm „zukunft.niedersachsen“ mit rund vier Millionen Euro vom Land Niedersachsen und der VolkswagenStiftung unterstützt.
Ziel des interdisziplinären Teams ist es, wissenschaftliche und medizinische Voraussetzungen für einen künftigen Einsatz der Xenotransplantation zu schaffen. Dabei geht es unter anderem darum, genetisch veränderte Schweineorgane zeitweise als Ersatz einzusetzen, bis ein menschliches Spenderorgan zur Verfügung steht.
Hintergrund ist der Mangel an Spenderorganen. Nach Angaben der MHH warten in Deutschland derzeit etwa 8.200 Menschen auf ein Organ, davon rund 1.000 in Hannover. An der MHH werden demnach jährlich zwischen 300 und 400 Organe transplantiert, insbesondere Nieren, Lungen, Lebern und Herzen.
Schweinelebern sollen als vorübergehender Ersatz erforscht werden
Das Projekt konzentriert sich auf mehrere medizinische Ansätze. Für Menschen mit akutem Leberversagen soll untersucht werden, wie eine Leberdialyse mit genetisch veränderten Schweinelebern eingesetzt werden könnte.
Darüber hinaus will das Forschungsteam die Transplantation von Schweineherzklappen weiterentwickeln. Diese sollen mit menschlichen Zellen besiedelt werden, um chronische Abstoßungsreaktionen zu verhindern. Auch für die Lunge sollen im Rahmen von XeNid neue Ansätze untersucht werden.
„Wir wollen Ressourcen, Methoden und Konzepte etablieren, damit genetisch veränderte Schweineorgane menschliche Organe zeitweise ersetzen können, bis ein menschliches Organ zur Verfügung steht“, sagt Prof. Dr. André Bleich, Leiter des MHH-Instituts für Versuchstierkunde und des Zentralen Tierlaboratoriums der MHH.
Bleich koordiniert das Projekt gemeinsam mit Privatdozent Dr. Philipp Felgendreff von der MHH-Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie.
Patientinnen und Patienten sowie deren Vertretungen sollen nach Angaben der Hochschule in Diskussionen über Studiendesign, ethische Fragen und die Interpretation der Forschungsergebnisse einbezogen werden.
Genetische Veränderungen sollen Abstoßung verhindern
Bei einer Xenotransplantation werden Zellen, Gewebe oder Organe zwischen unterschiedlichen Arten übertragen. Im Projekt XeNid steht die Verwendung von Schweinen als mögliche Organspender im Mittelpunkt.
Nach Darstellung der MHH kommen Schweine dafür infrage, weil ihre Organe in verschiedenen biologischen Eigenschaften mit menschlichen Organen vergleichbar sind. Ein wesentliches Problem ist jedoch die Immunreaktion: Das menschliche Immunsystem kann das fremde Organ abstoßen. Die Spendertiere müssen deshalb genetisch verändert werden.
Neben solchen immunologischen Fragen müssen nach Angaben der Hochschule zahlreiche weitere Voraussetzungen geklärt werden. Sie reichen von der Zucht geeigneter Tiere über die Kontrolle der Immunreaktionen bis zum eigentlichen medizinischen Einsatz.
In Deutschland bislang keine Transplantation ganzer Schweineorgane
Die MHH verfolgt langfristig das Ziel, Xenotransplantationen als Therapieoption in den klinischen Alltag zu überführen. Davon ist die medizinische Praxis in Deutschland allerdings noch entfernt.
Nach Angaben der Hochschule werden hierzulande bislang keine vollständigen tierischen Organe auf Patientinnen und Patienten transplantiert. In den USA gibt es allerdings bereits erste klinische Anwendungen in Ausnahmefällen, als sogenannte individuelle Heilversuche für Patientinnen und Patienten, die ohne Xenotransplantation keine Chance auf ein menschliches Spenderorgan haben.
Seit Februar 2025 führen laut MHH zudem zwei US-amerikanische Biotechnologieunternehmen klinische Studien mit Menschen durch, denen Nieren von genetisch veränderten Schweinen transplantiert werden.
Das Projekt XeNid ist zunächst auf vier Jahre angelegt und soll die wissenschaftlichen und medizinischen Grundlagen für mögliche künftige Anwendungen schaffen.
(Quelle: MHH)









