Radverkehr und Fahrradfahren – Kommt gut an!

Symbolbild - Quelle: Pixabay

Auswertungen der Fahrradzählstellen im Stadtgebiet

Hannover (pm).

Die städtische Initiative zur Förderung des Radverkehrs „Lust auf Fahrrad“ hat die Daten ihrer Fahrradzählstellen für 2020 ausgewertet und zieht Bilanz. „Wir freuen uns, dass sich die Radverkehrszahlen, trotz und vermutlich auch wegen Corona, weiterhin gut entwickeln und sich so der positive Trend der vergangenen Jahre fortsetzt. Ich wünsche mir, dass auch 2021 viele und noch mehr Menschen ihre Wege auf dem Rad zurücklegen. Wir arbeiten daher stetig daran, die Bedingungen für Fahrradfahrer*innen in Hannover weiter zu verbessern. Aktuell bereiten wir verschiedene Maßnahmen zur Förderung des Radverkehrs vor, die wir im Frühjahr vorstellen wollen“, so Oberbürgermeister Onay.

Das Jahr 2020

Im Jahr 2020 haben insgesamt 12.454.258 Fahrräder die zehn Zählstellen im Stadtgebiet passiert. Die erst im Mai 2019 ins Netz aufgenommene Zählstelle Justus-Garten-Brücke ist eine der meist frequentierten Zählstellen. Sie löst mit 1,4 Millionen gezählten Rädern die bisherigen Spitzenreiter Hildesheimer Straße (Ostseite) und Walderseestraße ab.

Der absolute Spitzentag, mit über 66.000 Fahrrädern in 24 Stunden, war der 29. September 2020. Damit wird der Spitzenwert von 2019 um 10 Prozent übertroffen. Hintergrund für den starken Zuwachs ist zum einen das gute Wetter an diesem Tag, zum anderen der Streik der ÜSTRA. Zwei weitere Spitzentage mit mehr als 60.000 Radfahrenden fallen in den Juni, neben dem September einer der stärksten Monate des Jahres 2020. Insgesamt wurde in den Monaten Mai bis Oktober jeweils mehr als eine Million Fahrräder erfasst. Auch in diesem Jahr wurden die Spitzentage ausschließlich an Werktagen registriert, was die Bedeutung des Fahrrades als Alltagsverkehrsmittel unterstreicht.

Auch die Corona-Pandemie hat einen Einfluss auf die Radverkehrsmengen. Die Zählstellen entlang der Freizeitrouten können einen Zuwachs verzeichnen, Zählstellen entlang von Haupteinfallstraßen können oftmals das Niveau vom Vorjahr nicht halten.

Gesamtbilanz 2017 bis 2020

Ein Vergleich der jährlichen Radverkehrsmengen seit 2017 zeigt einen stetigen Zuwachs. Im Jahr 2017 wurden knapp 9,5 Millionen Fahrräder gezählt, im Jahr 2020 waren es bereits knapp 11 Millionen. Dies entspricht einem Zuwachs von 16 Prozent (ohne Berücksichtigung der Zählstelle Justus-Garten-Brücke).

Im letzten Jahr konnte ein Zuwachs von fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr erreicht werden. Unter Berücksichtigung der Zählstelle, welche erst im Mai 2019 in Betrieb genommen wurde, liegt der Zuwachs sogar bei etwa acht Prozent.

Jahresvergleich 2019/2020

Die Jahresverläufe von 2019 und 2020 ähneln sich, Unterschiede und Verschiebungen ergeben sich unter anderem aufgrund von Wetterbedingungen, Schulferien und Urlaubszeiten. Die in den Vorjahren stark ausgeprägten Zuwächse im Frühjahr entfallen aufgrund der Corona-Pandemie und der damit einhergehenden Zunahme von Homeoffice und Homeschooling. Die parallel dazu zunehmende Anzahl an Freizeitverkehren sowie gute klimatische Bedingungen können die Einbußen des täglichen Pendelns zur Arbeit und zur Schule nicht vollständig ausgleichen.

In der Hauptradsaison (Mai bis September) werden durchschnittlich rund 1,3 Mio. Fahrräder pro Monat erfasst. Hier kann eine Steigerung zum Vorjahr von etwa fünf Prozent festgestellt werden. Der Streik der ÜSTRA am 29. September sowie die günstigen Wetterbedingungen im September (wärmer, trockener, mehr Sonnenstunden als im Vorjahr) führen dazu, dass 20 Prozent mehr Radfahrende als im Vorjahr erfasst werden. Auch im Oktober und November machen sich die ungewöhnlich niedrigen Niederschlagsmengen bemerkbar. In diesen Monaten nutzen noch einmal deutlich mehr Menschen das Rad als im Vorjahr.

Lokale Unterschiede im Radverkehr

Die Bedeutung der einzelnen Zählstellen ist im Vergleich zu 2019 fast überall gleichgeblieben. Die höchsten Dichten werden, wie im Vorjahr, an den Hauptachsen des Kfz-Verkehrs erreicht: Hildesheimer Straße, Schwarzer Bär, Friedrichswall, Maschsee (Rudolf-von-Bennigsen-Ufer). Hier wurden deutlich über eine Million Fahrräder erfasst. Die Zählstelle Maschsee hat im Jahr 2020 einen deutlichen Zuwachs erfahren. Dieser ist vermutlich auf die Corona-Pandemie zurückzuführen und den an dieser Stelle stark zunehmenden Freizeitverkehr. Die Zählstelle Justus-Garten-Brücke erreicht dank ihrer stadtteilverbindenden Funktion und als „Nadelöhr“ über die Ihme ebenfalls mehr als eine Million gezählte Fahrräder. Ein Vergleich der Zählwerte von 2019 und 2020 ist nur bedingt möglich, da die Zählstelle erst im Mai 2019 installiert wurde. Die Darstellung erfolgt dennoch, um das Potenzial der Zählstelle zu verdeutlichen.

Entwicklung der Zählstellen im Vergleich zum Vorjahr

Die durch die Corona-Pandemie geltenden Regeln zur Eindämmung der Infektion beeinflussen auch die Mobilitätsgewohnheiten der Bürger*innen. Auf einige Wege wird verzichtet, unter anderem durch das Arbeiten im Homeoffice und die Schließung von Bildungs- und Betreuungseinrichtungen. Zugleich werden neue Wege in die Gewohnheiten aufgenommen, beispielsweise auch als Freizeitaktivität oder (sportliche) Bewegungsmöglichkeit.

Dies lässt sich auch an der Entwicklung der Radverkehrsmengen an den einzelnen Zählstellen erkennen. Zählstellen entlang von wichtigen Achsen zu Schul- und Arbeitsplätzen verzeichnen einen leichten Rückgang der Radverkehrsmengen von drei bis vier Prozent (Friedrichswall, Lister Meile, Klagesmarkt).
Im Gegensatz dazu ist ein deutliches Plus an den beliebten Freizeitzielen festzustellen. Der Maschsee konnte 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zulegen, die Walderseestraße 21 Prozent und der Stadtparkweg sechs Prozent. Am Maschsee wurden die fehlenden Schüler*innenverkehre durch zusätzliche Freizeitfahrten komplett kompensiert. Die übrigen Zählstellen bleiben annähernd auf gleichem Niveau wie im Vorjahr.

Fahrräder je Wochentag

Die Verteilung der Radverkehrsmengen auf die Wochentage bestätigt das Bild von 2019. 79 Prozent der Fahrten wurden an Werktagen erfasst, die verbleibenden 21 Prozent am Wochenende. Es zeigt sich eine annähernde Gleichverteilung der Fahrten auf die einzelnen Werktage. Leicht hervor hebt sich der Dienstag mit 17 Prozent aller erfassten Fahrten. Am Wochenende zeigt sich, im Vergleich zum Vorjahr, eine leichte Verschiebung. Waren in 2019 die Radverkehrsmengen am Wochenende noch gleichverteilt (je 10 Prozent), so gewann dieses Jahr der Sonnabend an Bedeutung.

Bedeutung der Sperrung des Maschsee-Ostufers während des Maschseefests für den Radverkehr

Bereits im Jahr 2019 konnte festgestellt werden, dass durch die Sperrung des Maschsee-Ostufers im Rahmen des Maschseefestes (inklusive Auf- und Abbau) schätzungsweise 40 Prozent der Radfahrenden am Maschsee nicht erfasst werden können. Die Einrichtung einer mobilen temporären Zählstelle auf der Alternativ-Strecke (Fahrbahn des Rudolf-von-Bennigsen-Ufers) ist zukünftig daher wünschenswert.

Da aufgrund der Corona-Pandemie das Maschseefest dieses Jahr nicht durchgeführt werden konnte, können erstmals genauere Rückschlüsse auf die tatsächlichen Radverkehrsmengen am Maschsee während dieser Zeit gezogen werden.

Es zeigt sich, dass der Juni ähnlich stark ausgeprägt ist wie in den Vorjahren. Im Juli 2020 wurden, im Vergleich zu den Vorjahren, knapp 45 Prozent mehr Radfahrende erfasst. In den vorhergehenden Jahren begannen im Juli die Aufbauarbeiten für das Maschseefest und es kam zu ersten Beeinträchtigungen für den Radverkehr. Im August wird dies noch deutlicher, das Ostufer ist normalerweise in dieser Zeit unpassierbar. 2020 konnte jedoch ein Zuwachs von durchschnittlich 70 Prozent (in Vergleich zu allen Vorjahren) erreicht werden.

Auch im September konnten noch 43 Prozent mehr Radfahrende als in den Vorjahren erfasst werden. Dies kann zum einen auf die fehlenden Abbaumaßnahmen zurückgeführt werden, zum anderen auf die äußerst günstigen klimatischen Bedingungen (milder, trockener und mehr Sonnenstunden).

Auswertung Radverkehr Hannover 2020 / Präsentation der Landeshauptstadt Hannover:

2021-01-20_HLAF_ABau_Kurzbericht_Zahlen.pdf

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