Die Stoffretterinnen der Kleiderkammer “Nahtstelle” in Langenhagen

Die Stoffretterinnen der Kleiderkammer
Sie nähen für die gute Sache (von li.): Christa Harms, Johanna Holze und Ilona Müller. - Foto: JUH/Minaya Vialet

Nahtstelle produziert kuschelige Enten und Gänse

  • Weil mancher Stoff zum Entsorgen viel zu schade ist, nähen Ehrenamtliche der Johanniter daraus Enten und Gänse.
  • Die Kuscheltiere werden Kindern bei Rettungsdiensteinsätzen helfen.
  • Einige sind außerdem am 16. Dezember auf dem Weihnachtsmarkt in Isernhagen gegen eine Spende zu bekommen. 

Langenhagen (pm). Ein Surren liegt in der Luft, gefolgt von dem gleichmäßigen Rattern der Nähmaschinen. In der Kleiderkammer „Nahtstelle“ sitzen Christa Harms (72), Ilona Müller (69) und Johanna Holze (69), umgeben von Nähnadeln, einer Kiste mit Schneidewerkzeugen und Reststoffen. Dieses Trio bildet das Nähteam der Johanniter in Langenhagen, das unbrauchbare Stoffe in kuschelige Gänse und Enten für den Rettungsdienst upcycelt.

Jeden zweiten Montag treffen sich die drei Frauen, entwickeln Prototypen, sortieren, waschen und vernähen ihre ausgesuchten Stoffe. Das Material stammt aus vollen Tüten und Kartons mit gespendeten Kleidungsstücken, die wöchentlich die Kleiderkammer “Nahtstelle” erreichen. „Alles was unversehrt ist, bleibt für die bedürftigen Menschen, die unsere Einrichtung aufsuchen. Nur beschädigte oder verwaschene Kleidung wird umfunktioniert“, sagt Teamleiterin Christa Harms. 

Nach dem Umzug der Kleiderkammer in die Brüsseler Straße konnten die Ehrenamtlichen im Sommer wieder ihre Arbeit aufnehmen. Seitdem haben die Rentnerinnen fast 100 Trostspender kreiert. Diese gehen als Geschenk an die Rettungswache der Johanniter in Langenhagen. Besonders jungen Patienten bieten die Stofftiere emotionale Unterstützung. “Die Kuscheltiere erleichtern die Arbeit unserer Mitarbeitenden im Rettungsdienst, indem sie einen schnelleren Zugang zu den Kindern ermöglichen und dabei helfen, Vertrauen aufzubauen”, so Rettungsdienst-Teamleiter Thomas Franz. Menschen, denen es nicht so gut geht, ein wenig Freude zu bereiten, ist nicht das einzige Ziel, das die Ehrenamtlichen verfolgen. Für Kleiderkammerkoordinatorin Jennifer Rihm sind der soziale Kontakt und ein Nachhaltigkeitsgedanke ebenfalls Aspekte, die sie beim Engagement ihrer Helferinnen wertschätzt: „Schritt für Schritt leisten wir mit der Handarbeit einen Beitrag für die Umwelt und bilden dabei eine Gemeinschaft, die gerne zusammenkommt. Das kann in der Nähgruppe, beim Sortieren oder beim Empfang in unserer Einrichtung sein“, so Rihm.

Wenn die drei Stunden bei ihren Treffen nicht ausreichen, nehmen die Langenhagenerinnen gerne Arbeit mit nach Hause. „Vieles von dem, was wir hier beginnen, beenden wir zu Hause. Manchmal setzen wir neue Ideen um und kommen dann mit einer Menge neuer oder angepasster Kuscheltiere zurück“, sagt Ilona Müller lächelnd. Seit der Eröffnung der Kleiderkammer vor acht Jahren engagiert sie sich in der Einrichtung. Sie wirkte außerdem zu Beginn der Corona-Pandemie bei den ersten Näharbeiten von Behelfsmasken mit. Als das Bundeskabinett eine Mundschutzpflicht im öffentlichen Nahverkehr und beim Einkaufen einführte, initiierte das damalige Team die schon lange geplante Nähwerkstatt. „Mit gespendeten Stoffen und Nähmaterialien versorgten wir Menschen, die uns besuchten, Kolleginnen und Kollegen aus der Verwaltung und Notfallsanitäter-Azubis für ihre Schulblocks mit Stoffmasken. Später verteilten wir Mundschutze an den Johanniter-Kältehilfebus, Pflegeheime und Arztpraxen“, sagt Jennifer Rihm.

Das Nähteam plant weiter Gutes, diesmal für die eigene Einrichtung, die auf finanzielle Spenden angewiesen ist. „Wir werden unsere Kuscheltiere und handgefertigten Lavendel-Teebeutel auf dem Weihnachtsmarkt in Isernhagen anbieten und gegen Spenden abgeben“, kündigt Johanniterin Johanna Holze an.

Interessierte können am Samstag, den 16. Dezember 2023, von 14 bis 19 Uhr den Stand der Johanniter besuchen und mit einer Spende das Engagement und die Leistung der Ehrenamtlichen unterstützen.

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