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LKA Niedersachsen: Symposium zu Organisierter Kriminalität in Hannover

Symbolbild: Landeskriminalamt Niedersachsen (LKA)
Symbolbild: Landeskriminalamt Niedersachsen (LKA). - Foto: Carl-Marcus Müller / LGHNews

Expertinnen und Experten diskutieren in Hannover über Strukturen, Risiken und Bekämpfungsstrategien

Hannover. Das Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen hat am 4. Juni 2026 in Hannover ein interdisziplinäres Symposium zur Organisierten Kriminalität ausgerichtet. Rund 200 Fachleute aus Polizei, Justiz, Wissenschaft, Politik und weiteren Bereichen diskutierten dabei über aktuelle Entwicklungen, Risiken für Rechtsstaat und Gesellschaft sowie Strategien zur Bekämpfung krimineller Netzwerke.

Unsichtbare Strukturen mit spürbaren Folgen

Organisierte Kriminalität wirkt häufig im Verborgenen, entfaltet jedoch weitreichende Auswirkungen. Sie schafft Abhängigkeiten, unterwandert wirtschaftliche Prozesse und belastet staatliche Institutionen. Entsprechend gilt ihre Bekämpfung als komplexe Aufgabe, die abgestimmtes Handeln verschiedener staatlicher und gesellschaftlicher Akteure erfordert.

Vor diesem Hintergrund lud das LKA Niedersachsen gemeinsam mit der Kriminologischen Forschungsstelle zu dem Symposium mit dem Titel „Organisierte Kriminalität. Auswirkungen auf Rechtsstaatlichkeit, demokratische Strukturen und gesellschaftliche Sicherheit“ nach Hannover ein.

Innenministerin: Herausforderung für den Rechtsstaat

In ihrem Grußwort betonte die Niedersächsische Ministerin für Inneres, Sport und Digitalisierung, Daniela Behrens, die gesellschaftliche Dimension des Themas. Sie sagte: „Der Rechtsstaat muss dort antworten, wo er herausgefordert wird. Organisierte Kriminalität greift nicht nur Einzelne an – sie untergräbt das Vertrauen in unsere Institutionen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die konsequente Bekämpfung dieser Strukturen ist deshalb keine rein polizeiliche Aufgabe, sondern eine gesamtgesellschaftliche und politische Verantwortung, der wir uns in Niedersachsen stellen.“

Niedersachsen als Standort im Fokus

Das Bundesland gilt aufgrund seiner geografischen Lage als besonders relevant im Kontext organisierter Kriminalität. Internationale Logistikrouten über Straße, Schiene, Wasser und Luft, zahlreiche Landesgrenzen sowie die Nähe zu den Niederlanden machen Niedersachsen für kriminelle Netzwerke attraktiv.

Im Mittelpunkt stehen dabei unter anderem internationaler Rauschgifthandel, Gewaltkriminalität und Korruption. Kriminelle Strukturen nutzen laut Analyse häufig legale Wirtschafts- und Transportwege, um illegale Aktivitäten zu verschleiern und Gewinne in den legalen Finanzkreislauf einzuschleusen.

Polizei: Kriminelle agieren wie Unternehmen

LKA-Präsident Thorsten Massinger beschrieb in seiner Eröffnungsrede die Arbeitsweise organisierter Gruppen: „Organisierte Kriminalität agiert heute wie ein professioneller Dienstleister – arbeitsteilig, international vernetzt und schleichend in unsere Wirtschaft eingebettet. Wir begegnen ihr mit spezialisierten Ermittlungseinheiten, enger internationaler Kooperation und der konsequenten Abschöpfung krimineller Gewinne. Niedersachsen ist kein sicherer Rückzugsraum für kriminelle Netzwerke.“

Internationale und juristische Perspektiven

Eine Keynote der Journalistin und Autorin Sanne de Boer beleuchtete die Strukturen der kalabrischen Mafiaorganisation ’Ndrangheta in Europa. Unter dem Titel „The ‚Ndrangheta in Europe – How Organised Crime Challenges the Rule of Law“ wurde deutlich, wie stark transnationale Netzwerke wirtschaftliche und staatliche Strukturen beeinflussen können.

Ergänzend ordnete der Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Arndt Sinn von der Universität Osnabrück das Thema straf- und internationalrechtlich ein. Im Fokus standen dabei die Grenzen staatlichen Handelns sowie die Herausforderungen grenzüberschreitender Strafverfolgung.

Fachdialog zu Ermittlungen und Kooperation

Ein moderierter Austausch unter Leitung von Kriminaloberkommissarin Saskia Reupke (LKA) verband operative Erfahrungen aus Ermittlungsverfahren mit übergeordneten Ansätzen zur Logistiksicherheit. Im Mittelpunkt standen Fragen erfolgreicher Zusammenarbeit, internationale Kooperationen sowie strukturelle Hürden in der Praxis.

Dabei wurde auch analysiert, wie unterschiedliche Deliktsfelder – etwa Drogen-, Menschen- oder Waffenhandel – miteinander verknüpft sind und welche Muster sich daraus ergeben.

Ziel: Besser vernetzte Bekämpfung

Das Symposium machte deutlich, dass die Bekämpfung Organisierter Kriminalität nur durch enge Zusammenarbeit von Sicherheitsbehörden, Wissenschaft, Justiz, Wirtschaft und Politik wirksam gelingen kann. Zentral sei dabei der kontinuierliche Austausch von Wissen und Erfahrungen sowie die frühzeitige Erkennung regionaler und internationaler Entwicklungen.

LKA-Präsident Massinger fasste zusammen: „Der heutige Tag hat gezeigt: Organisierte Kriminalität lässt sich nur wirksam bekämpfen, wenn wir Perspektiven zusammenführen und über Zuständigkeitsgrenzen hinweg denken. Dieses Symposium ist ein wichtiger Schritt, um Organisierte Kriminalität nicht nur aus polizeilicher Sicht, sondern in ihrer gesamten gesellschaftlichen Dimension zu betrachten. Der interdisziplinäre Austausch zwischen Sicherheitsbehörden, Wissenschaft, Justiz, Wirtschaft und Politik ist entscheidend, um Strukturen besser zu verstehen, Wissen zu bündeln und gemeinsam wirksame Antworten auf diese Form der Kriminalität zu entwickeln.“

Einordnung

Die Veranstaltung unterstreicht die wachsende Bedeutung interdisziplinärer Ansätze in der Bekämpfung Organisierter Kriminalität. Besonders die Verbindung von operativer Polizeiarbeit, wissenschaftlicher Analyse und internationaler Zusammenarbeit gilt als zentraler Baustein, um kriminelle Netzwerke effektiver zu erkennen und zu bekämpfen.

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