Gasbrandbekämpfung hautnah: Langenhagener Feuerwehrkräfte trainieren unter extremen Bedingungen

Gasbrandbekämpfung / Löschübung
Gasbrandbekämpfung / Löschübung - © Carl-Marcus Müller / LGHNews

Praxisorientierte Übung: Feuerwehren aus Langenhagen und Krähenwinkel bekämpfen Gasbrände auf realitätsnaher Simulationsanlage

Langenhagen (redk). Mehrere Meter hoch lodern die Flammen, wenn an einer Versorgungsleitung ein Gasbrand entsteht. Um für den Ernstfall gerüstet zu sein, nahmen am gestrigen Dienstagnachmittag, 1. April 2025, neunzehn aktive Mitglieder der Ortsfeuerwehren Langenhagen (8) und Krähenwinkel (11) an einer praxisnahen Löschübung auf dem Standortübungsplatz Hannover-Bothfeld teil. Die moderne Feuerlöschgrube, betrieben von der enercity AG, ermöglicht realistische Simulationen und praxisnahe Trainings zur Gasbrandbekämpfung.

Praxisnahe Schulung unter realistischen Bedingungen

Seit 2006 unterhält die enercity AG die Feuerlöschgrube zur internen Schulung. Hier können Gasbrände mit unterschiedlicher Intensität simuliert und mit Pulverlöschern bekämpft werden. Die Gasdrücke reichen von Niederdruck (50 mbar) bis Hochdruck (1 bar). Gemäß den Unfallverhütungsvorschriften sind regelmäßige Schulungen vorgeschrieben – nicht nur für enercity-Mitarbeiter, sondern auch für Einsatzkräfte der Feuerwehr.

Wertvolle Erkenntnisse und spannende Herausforderungen

Die Schulung begann mit einer theoretischen Einweisung durch Rene´ Burkhardt, Betriebsingenieur bei enercity und seinem Team. Er erläuterte die Gefahren und Eigenschaften von Gas sowie die Richtlinien der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) für Arbeiten an in Betrieb befindlichen Gasleitungen. Besonders beeindruckend war die Demonstration der Auswirkungen eines Gasbrandes bei verschiedenen Drücken: Bei 300, 500, 700 mbar und einem Bar erreichten die Flammen beachtliche Höhen und entwickelten zudem eine enorme Lautstärke.

Praktische Brandbekämpfung – eine echte Herausforderung

Im anschließenden Praxisteil erprobten die Feuerwehrleute den Einsatz von Pulverlöschern zur Bekämpfung der Gasbrände. Da Wasser aufgrund physikalischer und chemischer Eigenschaften ungeeignet ist, wurden gezielt Pulverlöscher eingesetzt. In Teams gingen die Einsatzkräfte an die Feuerlöschgrube heran, um unter realitätsnahen Bedingungen die Flammen zu löschen. Dabei mussten sie Temperaturen von mehreren hundert Grad standhalten – eine körperlich anspruchsvolle Aufgabe trotz spezieller Schutzausrüstung.

Effektive Löschtechniken und wertvolle Praxiserfahrung

Besonderes Augenmerk lag auf der richtigen Handhabung der Löschgeräte: Der Angriff erfolgte stets mit dem Wind, und es wurden mehrere Feuerlöscher gleichzeitig eingesetzt, um den Brand effizient unter Kontrolle zu bringen. In der zwei Meter tiefen Grube konnten die Teilnehmer hautnah erleben, wie sich ein Gasbrand entwickelt und wie er unter realen Bedingungen bekämpft wird.

Die Feuerwehrleute zeigten sich begeistert von der praxisnahen Ausbildung. Solche Übungen tragen entscheidend dazu bei, die Einsatzkräfte optimal auf den Ernstfall vorzubereiten und ihre Handlungssicherheit zu verbessern.

Gasbrandbekämpfung / Löschübung
Gasbrandbekämpfung / Löschübung – © Carl-Marcus Müller / LGHNews

Gasaustritt: Richtige Verhaltensweisen und Gefahrenbewertung

Bei einem Gasaustritt besteht die größte Gefahr in einer möglichen Explosion, weshalb Löschversuche oft nicht sinnvoll oder sogar gefährlich sind.

Gasaustritt ohne Feuer:

  • In diesem Fall sollte keinesfalls ein Löschversuch unternommen werden. Wichtige Maßnahmen:
  • Gaszufuhr sofort unterbrechen, falls gefahrlos möglich.
  • Personen evakuieren und die Feuerwehr (112) alarmieren.
  • Explosionsrisiko minimieren, indem keine Zündquellen genutzt, Schalter betätigt oder Telefonate geführt werden.

Gasaustritt mit Feuer:

  • Das Feuer sollte nicht einfach gelöscht werden, da brennendes Gas sich kontrolliert verbraucht. Eine Löschung bei weiterhin ausströmendem Gas erhöht das Explosionsrisiko. Stattdessen:
  • Gaszufuhr unterbrechen, falls gefahrlos möglich.
  • Feuerwehr rufen und Evakuierung durchführen.
  • Sicherheitsabstand einhalten und den Bereich absperren.
  • Ausnahmen – Wann Löschen sinnvoll ist:
  • Kleine Brände (z. B. Kleidung oder Gegenstände), die mit einem geeigneten Feuerlöscher bekämpft werden können.
  • Personenrettung, wenn unmittelbare Gefahr für eine Person besteht.

Geeignete und ungeeignete Löschmittel:

  • Geeignet: CO₂- oder Pulverlöscher (Brandklasse C).
  • Nur zur Kühlung: Wasser zur Verhinderung einer Brandausbreitung auf umliegende Objekte.
  • Ungeeignet: Wasserstrahl (verwirbelt Gas), Schaumlöscher (erstickt Gas nicht).

Brandklassen:

Brandklassen sind Kategorien, die verschiedene Arten von Bränden nach dem brennenden Material einteilen. In Europa sind sie nach der DIN EN 2 normiert:

Geeignete Löschmittel für jede Brandklasse:

Brandklasse A (Feste Stoffe, z. B. Holz, Papier, Textilien)

  • Wasser, Schaum, ABC-Pulver, Kohlendioxid (CO₂, eingeschränkt)

Brandklasse B (Flüssige und flüssig werdende Stoffe, z. B. Benzin, Wachs, Kunststoffe)

  • Schaum, ABC-Pulver, BC-Pulver, Kohlendioxid (CO₂)

Brandklasse C (Gase, z. B. Propan, Methan, Wasserstoff)

  • ABC-Pulver, BC-Pulver

Brandklasse D (Metalle, z. B. Magnesium, Aluminium, Natrium)

  • D-Pulver (Speziallöschmittel für Metallbrände)
  • Wasser und CO₂ sind ungeeignet und können gefährlich sein

Brandklasse F (Speiseöle und -fette, z. B. Frittierfett, Pflanzenöl)

  • Spezielle Fettbrandlöscher (F-Löschmittel), Löschdecken
  • Wasser darf nicht verwendet werden, da es zu einer Fettexplosion führen kann

Fazit:

Bei einem Gasaustritt ohne Feuer muss vorrangig die Gaszufuhr gestoppt, evakuiert und die Feuerwehr alarmiert werden. Brennt das Gas bereits, darf es nicht gelöscht werden, solange die Gaszufuhr nicht unterbrochen ist. Stattdessen sind Absperrmaßnahmen, Feuerwehralarmierung und – wenn notwendig – gezielte Löschversuche zur Personenrettung oder bei kleinen Bränden angebracht.

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2 Kommentare

  1. Hallo. Bitte bei:
    – Geeignet: CO₂- oder Pulverlöscher (Brandklasse B).
    Die Brandklasse auf „C“ ändern.

    Unter die Brandklasse C fallen alle brennbaren Gase wie Propan, Methan, Stadtgas, Erdgas, Butan, Ethin (Acetylen) sowie Wasserstoff. Sie produzieren keine Glut, sondern verbrennen ausschließlich unter Flammenbildung.
    Als Löschmittel eignen sich Feuerlöscher mit ABC-Pulver und BC-Pulver.

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