82 Prozent erwarten ernsthafte Krise – nur 15 Prozent halten ihren Haushalt für gut gewappnet
Berlin (pm/redk). Die Mehrheit der Deutschen rechnet mit gravierenden Folgen hybrider Angriffe auf Deutschland, fühlt sich jedoch kaum vorbereitet. Laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom halten lediglich 15 Prozent ihren Haushalt für gut oder sehr gut vorbereitet. 82 Prozent erwarten hingegen eine ernsthafte Krise infolge digitaler Attacken, Sabotageaktionen oder Desinformationskampagnen.
Das sind Ergebnisse einer Befragung von 1.263 Personen ab 16 Jahren in Deutschland.
Große Sorge vor Ausfällen kritischer Infrastruktur
Ob IT Störung bei der Bahn durch Cyberangriffe oder Stromausfall nach Sabotage von Leitungen: Die Sorge vor hybriden Angriffen ist weit verbreitet. 77 Prozent fürchten Schäden oder Ausfälle bei der Energieversorgung. 69 Prozent sorgen sich um Banken und Versicherungen, 60 Prozent um Krankenhäuser und Ärzte.
Es folgen die Wasserversorgung mit 58 Prozent sowie die Lebensmittelversorgung mit 54 Prozent. 47 Prozent haben Angst vor Störungen bei Telekommunikation und IT, 41 Prozent bei der öffentlichen Verwaltung und 35 Prozent im Bereich Transport und Verkehr. Am seltensten genannt werden Abfallentsorgung mit 27 Prozent sowie Medien und Kultur mit 22 Prozent.
„Deutschland wird jetzt schon täglich angegriffen: im Cyberraum, mit Sabotageaktionen und mit Desinformationskampagnen. Deutschland muss seine Resilienz stärken, und dazu gehört insbesondere die Vorbereitung der Bevölkerung auf Angriffe jeglicher Art und ihre Folgen“, sagt Bitkom Präsident Dr. Ralf Wintergerst.

Mehrheit fühlt sich nicht ausreichend informiert
64 Prozent der Befragten geben an, über Bedrohungen durch hybride Angriffe nicht informiert zu sein. 65 Prozent sind der Ansicht, dass sich die Bevölkerung insgesamt besser gegen hybride Angriffe und deren Folgen schützen müsse.
Zudem sehen 64 Prozent aufgrund der Spannungen zwischen Russland und der NATO eine zunehmende Gefahr. 49 Prozent erwarten in den kommenden fünf Jahren sogar eine militärische Konfrontation zwischen Russland und der NATO.
Kaum Vorbereitung im eigenen Haushalt
Nur 2 Prozent halten ihren Haushalt für sehr gut vorbereitet, weitere 13 Prozent für eher gut. 27 Prozent sehen sich eher schlecht vorbereitet, 55 Prozent überhaupt nicht. Zwar planen 26 Prozent, künftig Vorkehrungen zu treffen, 29 Prozent wollen jedoch auch weiterhin keine Maßnahmen ergreifen.
19 Prozent haben bislang keinerlei Vorkehrungen getroffen. Andere haben zumindest einzelne Maßnahmen umgesetzt:
- 59 Prozent nutzen Sicherheitssoftware wie eine Firewall gegen Cyberangriffe
- 36 Prozent haben digitale Kopien wichtiger Dokumente angelegt
- 26 Prozent besitzen analoge Kopien wichtiger Dateien
- 31 Prozent verfügen über alternative Energiequellen wie Powerbanks oder Batterien
- 41 Prozent halten Taschenlampen oder Kerzen bereit
- 41 Prozent haben Notvorräte an Wasser und Lebensmitteln
- 36 Prozent verfügen über eine Bargeldreserve
- 29 Prozent haben einen Notvorrat an Medikamenten
- 16 Prozent besitzen alternative Kommunikationsmittel wie ein batteriebetriebenes Radio
„Deutschland muss nicht nur seine kritische Infrastruktur noch besser schützen. Jeder und jede Einzelne, aber auch die Verwaltungen und die Unternehmen müssen Vorkehrungen treffen. Im Krisenfall sind die ersten Stunden besonders wichtig“, so Wintergerst.
Mit Blick auf internationale Beispiele ergänzt er: „Unentschlossenheit macht Deutschland nicht resilient. Andere Länder wie etwa Finnland zeigen uns, wie es besser geht: mit überzeugenden, verständlichen Informationen für Bevölkerung und Unternehmen. Ebenso wichtig ist eine pro aktive Grundhaltung in der Gesellschaft, die Gefahren aufmerksam wahrnimmt und in Handeln übersetzt.“










