Internationales Bündnis gegen Geldautomatensprenger – Konferenz setzt starkes Signal

Zufrieden mit den sehr guten Ergebnissen des Projektes ISF LUMEN: v.l. Friedo de Vries (Präsident LKA Niedersachsen), Innenministerin Daniela Behrens, Michael Maßmann (Präsident der PD Osnabrück), Jochen Katzmann (Vizepräsident des LKA Baden Württemberg und Arne Hermann (Projektleiter ISF LUMEN).
Zufrieden mit den sehr guten Ergebnissen des Projektes ISF LUMEN: v.l. Friedo de Vries (Präsident LKA Niedersachsen), Innenministerin Daniela Behrens, Michael Maßmann (Präsident der PD Osnabrück), Jochen Katzmann (Vizepräsident des LKA Baden Württemberg und Arne Hermann (Projektleiter ISF LUMEN). - Foto: Landeskriminalamt Niedersachsen

Gemeinsame Strategien im Kampf gegen organisierte Kriminalität intensiviert

Osnabrück (redk). Geldautomatensprengungen stellen weiterhin eine große Gefahr für Menschenleben und die öffentliche Sicherheit dar. Obwohl die Zahl der Taten in Deutschland dank gezielter Fahndungs- und Ermittlungsmaßnahmen rückläufig ist, bleibt das Phänomen im Fokus der Polizei – nicht zuletzt wegen der immer skrupelloseren Vorgehensweise der Täter. Die Sprengkraft der verwendeten Explosivstoffe gleicht mittlerweile kleinen Erdbeben, wodurch nicht nur Bankgebäude massiv beschädigt, sondern auch Anwohner und Unbeteiligte erheblich gefährdet werden. Besonders alarmierend ist, dass sich die Technik zur Sprengung von Geldautomaten zunehmend auf andere Kriminalitätsbereiche wie Kunstraub ausweitet – eine Entwicklung, die bereits in Ländern wie den Niederlanden oder Österreich beobachtet wird.

Um die gemeinsamen Anstrengungen im Kampf gegen Geldautomatensprengungen weiter zu intensivieren, fand vom 25. bis 27. Februar 2025 in Osnabrück eine internationale Konferenz mit rund 120 Expertinnen und Experten aus 14 Bundesländern und sieben Nationen statt. Gastgeber waren das Landeskriminalamt Niedersachsen und die Polizeidirektion Osnabrück – mit finanzieller Unterstützung des EU-Projekts „ISF LUMEN“ unter Federführung des Landeskriminalamts Baden-Württemberg. Neben Vertretern von Polizei und Justiz aus Deutschland nahmen auch Delegationen aus Österreich, der Schweiz, Luxemburg, Belgien, Frankreich, den Niederlanden sowie Europol und Eurojust teil.

In Fachvorträgen, Workshops und grenzüberschreitenden Arbeitsgruppen wurden neue Ermittlungsmethoden, der Einsatz künstlicher Intelligenz sowie Strategien zur Täterverfolgung diskutiert. Ziel ist es, den Fahndungsdruck auf die international agierenden Tätergruppen weiter zu erhöhen und die Sicherheitsbehörden noch besser zu vernetzen.

Michael Maßmann, Präsident der Polizeidirektion Osnabrück und verantwortlich für das EU-Projekt „LUMEN“, machte in seiner Eröffnungsrede deutlich: „Durch die intensive grenzüberschreitende Zusammenarbeit schaffen wir es mehr und mehr, die Strafverfolgung zu optimieren, viele Täter festzunehmen und vor allem die Bevölkerung besser vor dieser perfiden Kriminalitätsform zu schützen. Unser EU-Projekt leistet hierbei einen wichtigen Beitrag, organisiert Konferenzen, bringt Experten zusammen und unterstützt Ermittlungen, damit der Druck auf die Kriminellen immer weiter wächst. Von der Konferenz geht ein starkes Signal der Geschlossenheit aus. Wir haben alle ein Ziel. Wir wollen den Tätern das Handwerk legen – ein für allemal. Kein Geldautomatensprenger kann sich mehr sicher fühlen.“

Auch Friedo de Vries, Präsident des Landeskriminalamtes Niedersachsen, hob die Erfolge der bisherigen Zusammenarbeit hervor, warnte aber gleichzeitig vor der anhaltenden Gefährdung: „Aktuell sinkende Fallzahlen dürfen nicht über die Gefährlichkeit und Bedrohung, die von international geprägten Tätergruppen ausgehen, hinwegtäuschen: Heute werden hochexplosive Substanzen eingesetzt, deren Sprengkraft einem kleinen Erdbeben gleicht. Die Wucht der Explosionen beschädigt dabei nicht nur Gebäude, sondern stellt eine hohe Gefahr für Unbeteiligte dar. Hinzu kommt ein rücksichtsloses Fluchtverhalten der Täter, denen die hohen Unfallgefahren für Unbeteiligte egal ist. Diesem skrupellosen Vorgehen begegnen wir von zwei Seiten. Wichtig ist weiterhin eine intensive technische Aufrüstung der Geldautomatenstandorte durch die Banken. Die Polizei agiert mit klugen Ermittlungsstrategien, gezielten Fahndungsmaßnahmen und weitet die internationale polizeiliche Zusammenarbeit deutlich aus. Dieses professionelle Agieren, auch durch die Bündelung der Verfahren bei der Staatsanwaltschaft Osnabrück, sind die wesentlichen Erfolgsfaktoren für den Rückgang der Fallzahlen in Niedersachsen.“

Die Niedersächsische Ministerin für Inneres und Sport, Daniela Behrens, betonte die Bedeutung der internationalen Vernetzung: „Die Täter agieren skrupellos. Sie bringen durch die Sprengungen und auf ihren Fluchtfahrten immer wieder Menschenleben in Gefahr. Deshalb ist es so wichtig, dass mit Erfolg die Zahl der Taten bundesweit und in Niedersachsen deutlich reduziert werden konnten. Das macht deutlich, dass die eingesetzten Maßnahmen wirken! Zu diesen gehört ganz besonders, neben der guten Arbeit von Polizei und Justiz sowie den verstärkten Sicherungssystemen durch die Bankenwirtschaft, die intensive Zusammenarbeit über Länder- und Zuständigkeitsgrenzen hinweg. Denn: Kriminelle legen keinen Wert auf Grenzen und Zuständigkeiten. Damit haben wir wieder für mehr Sicherheit für Bürgerinnen und Bürger gesorgt. Klar ist jedoch auch, wir dürfen uns nicht auf dem Erreichten ausruhen. Die heutige Konferenz bietet die Gelegenheit, unsere Zusammenarbeit zu vertiefen, neue Strategien zu entwickeln und bewährte Konzepte weiter auszubauen. Damit bündeln wir auch künftig unsere Kompetenzen in der Bekämpfung des Phänomens der Geldautomatensprengungen!“

Das Fazit der Konferenz: Nur durch eine enge und grenzüberschreitende Zusammenarbeit von Polizei, Justiz und Bankenwirtschaft kann das Phänomen der Geldautomatensprengungen nachhaltig bekämpft werden. Die beteiligten Behörden kündigten an, ihre Kooperation weiter zu intensivieren und neue Ermittlungsmethoden konsequent voranzutreiben.

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